Erythem L53.91

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

Alle Autoren dieses Artikels

Zuletzt aktualisiert am: 17.09.2022

This article in english

Synonym(e)

Hautrötung, Erythema, Rötung der Haut

Definition

Umschriebener, unterschiedlich großer, polyätiologischer (exogen oder endogen ausgelöst) solitärer, scharf oder unscharf begrenzter, blass- bis sattroter oder bläulich-livider, normothermer oder hyperthermer bzw. seltener auch hypothermer, roter, stets anämisierbarer Fleck.

Ein Erythem unterscheidet sich nach Farbe, Größe, Anordnung und stellt sich als Kontrast zur nicht geröteten, hellen Umgebung dar und ist auch nur durch diese Kontrastierung wahrnehmbar. In einer dunklen Haut ist, je nach Pigmentierungstyp, ein Erythem nur schwach oder gar nicht erkennbar. Dies erschwert die morphologische Diagnostik ungemein.  

Bei einer universellen Rötung des gesamten Integuments, einer Erythrodermie, fehlt naturgemäß die Kontrastierung zu einer normalen Umgebung.

Weiterhin sind bei der Beurteilung eines solitären Erythems oder bei multiplen Erythemen verschiedene klinische Aspekte zu berücksichtigen und diagnostisch zu bewerten. Dies sind insbes.:

  • Größe
  • Anzahl und Verteilung (solitär, multipel, gruppiert, disseminiert, exanthematisch, universell)
  • Dynamik (statisch, akut flüchtig, akut persistierend, chronisch persistierend, Crescendoreaktion mit ansteigender Dynamik, Wellendynamik mit ansteigender Phase, Plateauphase und Decrescendophase)
  • Anordnung und Form (gyriert, herpetiform, serpiginös, in Blaschko-Linien, segmental, anulär, schießscheiben- bzw. kokardenartig, polymorph, netzartig, durch exogenen Auslöser definiert, zufällig)
  • Strukturelle und funktionelle Zuordnung (follikulär, Schweißdrüsen, Talgdrüsen, Kontaktstellen, textilbedeckt, heliotrop, zufällig)
  • Topographische Zuordnung (versch. Körperregionen, Felderhaut, Leistenhaut, Gesicht, Nase, Ohrmuschel, Capillitium, intertriginös)
  • Begrenzung (scharfrandig, unscharf, bogig, zackig, zufällig)
  • Farbe (mattrot, hellrot, sattrot, blaurot)
  • Temperatur (hypo-, normo-, hypertherm)
  • Konsistenz (als Fleck - unverändert zur umgebenden Haut; ein "palpables Erythem" würde den Übergang zur Papel mit beginnender, entzündlicher Infiltration kennzeichnen)
  • Symptomatik (milder Juckreiz, starker Juckreiz, brennender Juckreiz, Schmerz)
  • Vergesellschaftung mit Stoffwechselerkrankungen, Schwangerschaft, malignen Tumoren, Autoimmunerkrankungen
  • Exogene Auslösung: Physikalisch (Kälte, Wärme, Druck, UV-Strahlen), biochemisch (Anstrengung, Wasser, Irritanzien), allergisch (Kontaktallergene), bakterielle oder mykotische Infektionen.
  • Endogene Auslösung: bakterielle, virale, mykotische Infekte, UAW (Arzneimittelreaktionen), Nahrungsmittelallergien
  • Vergesellschaftung mit Fieber und/oder sonstigen Allgemeinsymptomen (Arthralgien, intestinale Symptome, Abgeschlagenheit).

Zu unterscheiden ist zwischen einem solitären Erythem und Erythemen als Teilsymptom einer generalisierten oder exanthematischen Erkrankung (z.B. makulöses Arzneimittelexanthem oder klassische infektiöse makulöse Exantheme). Im Englischen wird dieses Aufflammen eines Erythems als "flare up" bezeichnet. Diese Unterscheidung ist in den meisten Fällen blickdiagnostisch möglich. Sie ist für den weiteren Untersuchungsgang (ausschließlich regionale Untersuchung oder Ganzkörperuntersuchung) von großer Bedeutung.

Ein weiterer wegweisender, blickdiagnostisch zu erfassender Aspekt ist die Heliotropie eines Erythems, die Dynamik eines Erythems (akut oder persistierend) sowie die Beurteilung des Allgemeinzustandes bei makulösen Exanthemen.

Hinweis(e)

Ein "roter Fleck" ist eine häufige Symptomenkonstellation, seine Erkennung höchst einfach. Und doch bedarf diese scheinbar "einfache Konstellation" einer diagnostisch weiterführenden Überlegung und Untersuchung: Es ist die wichtige klinische Analyse, ob ein roter Fleck anämisierbar (Erythem) ist oder nicht (Hämorrhagie). Diese Analyse ist aus differenzialdiagnostischen Gründen grundsätzlich notwendig, da die roten, anämisierbaren Flecken, also die Erytheme, von den dermalen hämorrhagischen Erkrankungen (rote nicht anämisierbare Flecken z.B. bei der Purpura) abzutrennen sind.

Dem nicht anämisierbaren roten Fleck liegt ein kutane Hämorrhagie zugrunde. Die Diagnose "Purpura" bedingt eine grundsätzlich andere Untersuchungskaskade als die Diagnose "Erythem". 

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 17.09.2022