Erythrasma L08.10

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Co-Autor: Dr. med. Florian Weid

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Zuletzt aktualisiert am: 15.12.2020

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Synonym(e)

Baerensprungsche Krankheit; Zwergflechte

Erstbeschreiber

von Baerensprung, 1862

Definition

Klinisch asymptomatische (kein Juckreiz), chronische, "pseudomykotische" Dermatitis der Intertrigines, hervorgerufen durch eine oberflächliche Infektion mit pigmentbildenden Corynebakterien.

Erreger

Corynebacterium minutissimum ( Porphyrin-produzierende Korynebakterien mit Rotfluoreszenz im Wood-Licht). Die Erreger können in eine durch Feuchtigkeit aufgequollene Hornschicht eindringen, ohne jedoch vitale Epidermisanteile zu erreichen. 

Vorkommen/Epidemiologie

Weltweit verbreitet. Prävalenz (Mitteleuropa): Bei ca. 4-6% der Bevölkerung. Gehäuft in tropischen Klimazonen (20% der Bevölkerung)

Ätiopathogenese

Infektion mit Corynebacterium minutissimum (s.a. Übersicht unter Korynebakterien). Prädisponierende Faktoren:

  • feuchtwarmes Milieu
  • exzessives Schwitzen oder lokale Hyperhidrose
  • Mazeration
  • Adipositas
  • Diabetes mellitus
  • Immunsuppression z.B. bei HIV-Infektion.

Manifestation

 m:f=1:1; 30-50 Jahre (durchschnittlich: 44,6 Jahre)

Lokalisation

Vor allem intertriginöse Areale: Axillen (70-80%), Skrotum, Leistenregion, große Labien, Oberschenkelinnenseiten, submammär.

Klinisches Bild

Initial bilden sich, bevorzugt in der warmen Jahreszeit, einzelne, 5,0-10,0 cm große, gelbbraune bis rotbraune, scharf begrenzte, symptomlose Flecken, die mit zunehmender Krankheitsdauer konfluieren. Später zeigen sich flache Plaques mit feiner Schuppung. Bei längerer Bestanddauer kann läsionaler Juckreiz auftreten der durch schwitzende Tätigkeit verstärkt wird.  

Häufig begleitende Bromhidrose.

Diagnose

Klinisches Bild

Wood-Licht-Untersuchung (320-400nm): korallenrote Fluoreszenz der befallenen Areale.

Therapie

Merke! Saure Seifen, Milieusanierung. In hartnäckigen Fällen Rasur der befallenen Areale. Keine Fettsalben. Der Patient sollte darüber aufgeklärt werden, dass die Hyperpigmentierungen auch nach Beseitigung der Erreger noch einige Wochen fortbestehen können!

Externe Therapie

Auf Grund der fortschreitenden Resistenzentwicklungen (auch bei topischen Antibiotika) sollte Azol- oder Ciclopirox-haltigen Cremes der Vorzug gegeben werden (z.B. Bifonazol Creme, Ciclopirox Creme). Die Anwendung erfolgt i.d.R. über eine Woche täglich, dann ggf. 1x/Woche als Prophylaxe. 

Außerdem wichtig: Sanierung des lokales Millieus, Gründliche tgl. Hautreinigung mit Wasser und (sauren) Syndets. Ggf. Therapiekontrolle im Wood-Licht.

Interne Therapie

Nur bei schweren, der externen Therapie nicht zugänglichen Formen (selten!) Erythromycin (z.B. Monomycin Kps.) 1 g/Tag in 2–4 ED.

Verlauf/Prognose

Günstig, häufig Rezidive. Nicht selten verbleiben Restpigmentierungen. 

Hinweis(e)

Nicht ganz selten ist die klinische Kombination von Trichobacteriosis axillaris mit Keratoma sulcatum und Erythrasma anzutreffen. 

Nachweismethode Wood-Licht: Dunkelrote Fluoreszenz, Erregernachweis im Abrissverfahren mit Tesafilm.

Literatur
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  1. Badri T et al. (2014) Erythrasma: study of 16 cases. Tunis Med 92:245-248
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  5. Holdiness MR (2003) Erythrasma and common bacterial skin infections. Am Fam Physician 67: 254
  6. Nenoff P et al. (2012) Bifonazol – In-vitro-Wirksamkeit gegenüber Corynebacterium minutissimum – ein Update zur Diagnostik und Therapie des Erythrasmas. Akt Dermatol ; 38: 316–322
  7. Polat M et al.(2015) The prevalence of interdigital erythrasma: a prospective study from an outpatient clinic in Turkey. J Am Podiatr Med Assoc 105:121-124
  8. Rho NK et al. (2008) A corynebacterial triad: Prevalence of erythrasma and trichomycosis axillaris in soldiers with pitted keratolysis. J Am Acad Dermatol 58 (2 Suppl):S57-558

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