Candida-Balanitis B37.41
Synonym(e)
Definition
Infektion der Eichel und des Vorhautblattes (Balanoposthitis) durch Hefepilze, am häufigsten durch Candida albicans.
Erreger
Candida-Spezies, v.a. Candida albicans, seltener Candida glabrata und weitere Spezies (fakultativ pathogene Erreger).
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Ätiopathogenese
Längere Lokaltherapie mit kortikosteroidhaltigen oder antibiotischen Salben, mangelhafte Hygiene, Phimose, Lichen sclerosus, Diabetes mellitus, endokrine Störungen, Immunsuppression.
Medikamente: Die erstmalige Einnahme von SGLT2-Hemmern bei diabetischen Frauen und Männern ist mit einem erhöhten Risiko für eine Candida-Balanitis bzw. eine Candida-Vulvovaginitis innerhalb von 30 Tagen nach Einnahmebeginn verbunden. Das Risiko ist bei SGLT2-Blockern gegenüber anderen Antidiabetika ungefähr verdreifacht und besonders in den ersten Monaten erhöht. (Vergleichende Kohortenstudie, Risikofaktorenstudie). Die meisten Infektionen sind unkompliziert behandelbar und erfordern nicht automatisch das Absetzen des SGLT2-Hemmers.
Ungeschützter GV bei Candida-Vulvovaginitis der Partnerin: Häufige Infektionsquelle ist der Geschlechtspartner/in. Bei Frauen ist die Besiedlung des Vulvo-Vaginalbereichs mit Hefe-Spezies eine häufige Ursache der männlichen Genitalmykose. Cave: erhöhte Östrogenisierungen bei postmenopausalen Frauen! Typisch: Candida-Balanitis aus heiterm Himmel!
Klinik
Zunächst leichter Juckreiz oder Brennen sowie wenig auffällige, initial stippchenartige Rötungen.
Später Ausbildung von juckenden, sukkulenten, hochroten, Papeln mit feucht-glänzender Oberfläche. Unbehandelt können diese zu roten Plaques konfluieren. Nicht selten sind weißliche, stippchenartige Auflagerungen , die zu flächigen weißlichen Belägen (das bekannte Bild der Soorbalanitis) konfluieren können. Weiterhin unbehandelt bilden sich zarte, weißliche Schuppenkrausen, im weiteren Krankheitsverlauf Schwellungen des inneren Präputialblattes. Komplikativ kann bei stark entzündlicher Komponente des Präputiums (Balanoposthitis) eine Phimose auftreten.
Bei der gut "gepflegten" Candida-Balanitis finden sich keine weißlichen Beläge, sondern lediglich flächige, oder punktuelle. mäßig juckende oder leicht brennende Erytheme oder Papeln (s.Abbn.).
Das klinische Bild der Candida-Balanitis ist somit je nach Hygienstatus äußerst variabel - vesikulo-pustulös, papulös, plaqueartig mit oder ohne weißlich-feuchten Auflagerungen.
Diagnose
Differentialdiagnose
Therapie allgemein
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Eingehende Hygieneberatung.
Waschmodus: Verwendung von reinem Olivenöl zur Reinigung, keine Seifen verwenden, ggf. abduschen, keine Waschlappen wegen Kontaminationsgefahr. Unterwäsche und Handtücher als Kochwäsche behandeln (> 90 °C waschen).
Abklärung möglicher Grunderkrankung wie Darmkandidose, Diabetes mellitus, immundefizitäre Erkrankungen.
Frage nach häufiger Einnahme von Breitbandantibiotika.
Gfls. antimykotische Therapie der/s Geschlechtspartners
Externe Therapie
Externe Antimykotika, z.B. 1-2% Clotrimazol-Salbe (O/W-Emulsionen oder Lotionen), alternativ Nystatin-haltige Externa (z.B. Candio-Hermal Softpaste, Multilind Heilpaste, Nystatin-Dequaliniumchlorid-Creme). Danach Mullstreifen in den Sulcus glandis einlegen und zwischenzeitlich Bäder mit synthetischen Gerbstoffen (z.B. Tannosynt).
Bei stark entzündlicher Komponente über wenige Tage Kombinationspräparat aus Glukokortikoid und Antimykotikum (z.B. Candio Hermal Plus).
Desinfizierende Bäder insbesondere bei begleitenden bakteriellen Infektionen z.B. mit wässriger Kaliumpermanganatlösung (hellrosa) oder wässriger Chinolinollösung (z.B. Chinosol 0,5-1:1000), und Polyvidon-Jod Salbe (z.B. R204 , Braunovidon Salbe).
Ggf. Pinselungen mit wässrigen Farbstofflösungen wie Methylrosaniliniumchlorid-Lösung oder Eosin-Lösung ( Eosin-Dinatrium-Lösung, ethanolhaltige 0,5/1/2% , Eosin-Dinatrium-Lösung, wässrige 0,5/1/2%). Cave! Farbstofflösungen nicht zu häufig auftragen!
Merke! Wichtig ist die Mitbehandlung der Partnerin!
Interne Therapie
Bei zugrunde liegender Darmkandidose Nystatin 3mal/Tag 500.000 IE p.o., bei schwerem Befall 3mal/Tag 1Mio. IE (z.B. Mykundex Drg.) über 12 Tage.
Hinweis(e)
Diabetes und Balanoposthtitis: Eine signifikant höhere Prävalenz einer Candida-Kolonisierung bei Diabetikern mit schlechter Blutzuckerkontrolle ist bekannt (Grigoriou O et al. 2006). Es gibt umfangreiche Hinweise auf die Rolle der sauren Proteinase als Virulenzfaktor für CA (Yildirim Z et al. 2011), und diese könnte eine Schlüsselrolle bei der Pathogenese der genitalen/vulvovaginalen Candidiasis spielen.
Das bloße Vorhandensein von CA deutet jedoch nicht zwangsläufig auf eine Candida-Infektion hin (= Kolonisation) und sollte daher nur behandelt werden, wenn spezifische Anzeichen einer Candida-Balanitis vorliegen (Maatouk I et al. 2015).
Literatur
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Kopernio
Kopernio
- Grigoriou O et al. (2006) Prevalence of clinical vaginal candidiasis in a university hospital and possible risk factors. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 126: 121–125.Leverkuns M et al. (2002) Isolated streptococcal balanoposthitis in an adult patient. Dermatology 204: 153–154.
- Kalra S et al. (2016) Diabetes and balanoposthitis. J Pak Med Assoc 66:1039-1041.
- Lisboa C et al.(2010) Candida balanitis: risk factors. J Eur Acad Dermatol Venereol 24: 820–826.
- Maatouk I et al. (2015) Candida albicans and Streptococcus pyogenes balanitis: diabetes or STI? Int J STD AIDS 26:755-756.
- Nyirjesy P et al. (2013) Genital mycotic infections in patients with diabetes. Postgrad Med 125:33-46.
Verweisende Artikel (16)
Balanitis diabetica; Balanitis plasmacellularis; Balanitis psoriatica; Balanoposthitis candidamycetica; Candidabalanitis; Candidose vulvovaginale; Chinolinolsulfat-Monohydrat-Lösung 0,1% (NRF 11.127.); Clotrimazol-Salbe Hydrophile 2% (NRF 11.50.); Eosin-Dinatrium-Lösung, Ethanolhaltige 0,5/1/2% (NRF 11.94.); Eosin-Dinatrium-Lösung Wässrige 0,5/1/2% (NRF 11.95.); ... Alle anzeigenWeiterführende Artikel (17)
Antibiotika; Antimykotika; Balanitis parakeratotica circinata; Balanitis plasmacellularis; Balanitis psoriatica; Candida albicans; Candida glabrata; Eosin-Dinatrium-Lösung, Ethanolhaltige 0,5/1/2% (NRF 11.94.); Eosin-Dinatrium-Lösung Wässrige 0,5/1/2% (NRF 11.95.); Erythroplasie Queyrat; ... Alle anzeigenDisclaimer
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