Aktinische Keratose L57.0

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles, Dr. Elisabeth Hanf, Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

Co-Autoren: Julian Baur, Dr. med. Nikolas Bounas-Pyrros , Christoph Rose

Alle Autoren dieses Artikels

Zuletzt aktualisiert am: 03.08.2026

This article in english

Synonym(e)

Actinic keratosis; AK; Aktinische Keratose; Aktinische Keratosen; Crasse de Vieillard; early in situ-SCC Typ AKI; Early in situ-SCC Typ AKII; In situ-SCC Typ AKIII; Irritierte aktinische Keratosen; Keratoma senile; Keratose aktinische; Keratosis senilis; Keratosis solaris; KIN; SCC Typ aktinische Keratose; Solare Keratose

Erstbeschreiber/Historie

Dubreuilh, 1896; Freudenthal, 1926

Definition

Bei hellhäutigen, lichtsensiblen Menschen durch chronische, kumulative Lichteinwirkung (Dauer der Einwirkung > 10 bis 60 Jahre) entstandene, solare Schädigungen der Haut mit Ausbildung einzelner oder multipler, umschriebener oder diffuser, rötlicher oder rot-bräunlicher Flecken, Papeln, Plaques oder Knoten. Aktinische Keratosen (AK) werden heute als nichtinvasive, frühe (in situ) Plattenepithelkarzinome definiert. Diese Auffassung wird durch neue Namensgebungen wie SCC (squamous cell carcinoma in situ) vom Typ der aktinischen Keratose oder KIN (keratinocytic intraepidermal neoplasia) verdeutlicht.

Einteilung

Eine therapierelevante klinische Einteilung bezieht sich im Wesentlichen auf Ausdehnung und Zahl der aktinischen Keratosen (AK):

  • Patienten mit wenigen (<5) AK-Einzelläsionen
  • Patienten mit multiplen (6 und >6) AK-Läsionen
  • Patienten mit Feldkanzerisierung
  • Patienten mit gleichzeitiger Immunsuppression

m>w

Die jeweiligen Läsionen können aus klinischer Sicht wie folgt kategorisiert werden:

Diese Einteilung ist eine grob orientierende klinische Einteilung. Die dargestellten Varianten können meist eindeutig definiert und zugeordnet werden. Nicht selten jedoch bilden sich Mischtypen aus (z. B. Ausbildung eines erythematösen Typs mit umschriebener keratotischer Komponente).  

     Klinische u. histologische Einteilung aktinischer Keratosen
Klinik Histologie
Erythematöser Typ Bowenoider Typ / Atrophischer Typ
Keratotischer Typ / Cornu-cutaneum-Typ Hypertropher Typ
  Akantholytischer Typ
Pigmentierter Typ Pigmentierter Typ
Lichenoider Typ (Lichen planus-Typ) Lichenoider Typ

Vorkommen/Epidemiologie

Hellhäutige, rothaarige oder blonde Individuen (Hauttyp I/II nach Fitzpatrick) mit hoher chronischer Sonnenexposition haben, je nach Intensität der einwirkenden UV-Strahlen und Alter, ein unterschiedlich hohes Risiko, aktinische Keratosen zu entwickeln.

Die Zahl der Neuerkrankungen wird auf 240.000/Jahr geschätzt. Es wird angenommen, dass sich in Deutschland derzeit etwa 1,7 Mio. Menschen wegen einer aktinischen Keratose in dermatologischer Behandung befinden (Schaefer 2014).

  • Prävalenz (Mitteleuropa; bei Pat. > 40 Jahre): 6–15 %
  • Prävalenz (USA; bei Pat. > 40 Jahre): 11–26 %
  • Prävalenz (Australien; bei Pat. > 40 Jahre): 45–60 %
  • Prävalenz (Mitteleuropa; bei Pat. > 70 Jahre): 52 %

Ätiopathogenese

Multiplikative Faktoren (z. B. Haarfarbe, positive Familienanamnese, Grad der Sonnenbräune, Sonnenexposition, insbes. UV-Strahlen) spielen für die Entstehung eine wesentliche Rolle:

I. Strahlungen

a) UV-Strahlen: UVB-Strahlen induzieren sog. Signatur-Mutationen (Pyrimidin-Dimere) in der Basalzellschicht. Hinzu kommt eine immunsuppressive Wirkung durch langwellige UVA-Strahlen. Die Karzinogenese erfolgt bereits lange vor der Entstehung sichtbarer Läsionen. In UV-exponierter (nicht läsionaler) Haut können, als frühestes molekularbiologisches Korrelat der Karzinogenese, bei rund 25 % aller Fälle Schlüsselmutationen (sog. Driver-Mutationen) nachgewiesen werden. UV-Strahlen führen zu Punktmutationen in einem der zahlreichen Kinetochor-Gene, das für ein Kinetochor-Protein kodiert. Als Kinetochor (griech. κίνησις ‚Bewegung‘ und χῶρος ‚Ort‘) wird eine spezielle, platten- oder halbkugelförmige Struktur aus Proteinen und DNA-Abschnitten bezeichnet, die dem Zentromer seitlich aufsitzt und bei Kernteilungsvorgängen als Ansatzstelle für die Fasern des Spindelapparates dient. Die Hochregulierung von versch. Kinetochor-Genen konnte bei verschiedenen malignen Tumoren nachgewiesen werden, so auch bei aktinischen Keratosen und beim Plattenepithelkarzinom der Haut (KNSTRN-Gen).  

UVA-Strahlen führen in Plattenepithelkarzinomen zu einer verminderten Expression des Notch-Signalweges. Das Protein Notch 1 reguliert (über p21) zahlreiche zelluläre Prozesse in den Keratinozyten wie Zelldifferenzierung, -proliferation und -apoptose. Ein Mangel an Notch, wie in Untersuchungen an Plattenepithelkarzinomen nachgewiesen, begünstigt deren Auftreten.

UVB-Strahlen führen weiterhin in dem Tumorsuppressor-Gen Tp53 zu einer Transition von Cytidin zu Thymidin. Diese Mutation kann in > 50 % aller AK nachgewiesen werden. P53 nimmt bei normaler Funktion eine wichtige Rolle in der Regulation des Zellwachstums ein. Ein Funktionsausfall führt zu einem unkontrollierten Wachstum der Keratinozyten. UVB-Strahlen induzieren weiterhin H-Ras-Mutationen. Diese werden bei 21 % der Plattenepithelkarzinome nachgewiesen. Das Genprodukt vom H-Ras nimmt eine wichtige Funktion in dem Erk1/Erk2-Signalweg ein. Die Mutation von H-Ras führt zu einem veränderten Ras-Protein und zu einer gesteigerten Zellproduktion.

b) Röntgenstrahlung / ionisierende Strahlung

c) Infrarotstrahlung

II. Chemische Karzinogene

Chemische Karzinogene wie aromatische Kohlenwasserstoffe (s. u. MOAH) oder Arsen sind als vollwertige Karzinogene in der Induktion kutaner PEKs anerkannt.  

III. Biologische Karzinogene

HPV: Der nachgewiesenermaßen hohe Anteil (> 80 %) von onkogenen HPV (humane Papillomviren) in aktinischen Keratosen lässt vermuten, dass HPV im Zusammenspiel mit UV-Strahlen ätiologisch relevant sein könnten. In aktinischen Keratosen wurde eine Prävalenz von HPV bei Organtransplantationen zwischen 40 bis 90 % vs. 35 bis 85 % bei Immunkompetenten gefunden. Bei den HPV-Typen handelt es sich meist um Epidermodysplasia-verruciformis-Typen.

IV. Präsdispositionsfaktoren

a) Immunsuppression: > 30 % der Organtransplantierten weisen mindestens 5 aktinische Keratosen auf, wobei auch hierbei die Hauttypen I und II bevorzugt betroffen sind. Weiterhin zeigen Immunsupprimierte ein aggressiveres Wachstumsverhalten mit rascherem Übergang in ein Plattenepithelkarzinom. Organtransplantierte Personen haben ein ca. 250-fach höheres Risiko für AK und ein ca. 100-fach höheres Risiko für invasive cSCC.   

b) Klinische Syndrome, die für aktinische Keratosen prädisponieren:

  1. Albinismus
  2. Rothmund-Thomson-Syndrom
  3. Cockayne-Syndrom
  4. Xeroderma pigmentosum
  5. Bloom-Syndrom

Erhöhte COX-2 (s. u. Cyclooxygenasen) und Prostaglandin-E2-Spiegel konnten in aktinischen Keratosen festgestellt werden (s. u. Diclofenac).

Manifestation

Vor allem bei hellhäutigen, zum Sonnenbrand neigenden und älteren Menschen auftretend. Männer sind häufiger als Frauen betroffen. Aktinische Keratosen sind die ersten klinisch manifesten Hautveränderungen in einem UV-geschädigten Hautareal, in dem potentiell weitere Läsionen entstehen können. Dies wird als "Feldkanzerisierung" bezeichnet.

Lokalisation

Chronisch lichtexponierte Hautareale der Kopfhaut, vor allem Stirn, Glatze, Nase, Ohrmuscheln, Wangen, Handrücken, Lippenrot (Cheilitis actinica). Seltener: Décolleté, Streckseiten der Unterarme, Handrücken, Unterschenkel. 

Klinik
Dieser Abschnitt wurde automatisch übersetzt.

Keratosis actinica erythematöser Typ: Zunächst wenige Millimeter große, runde, ovale oder unregelmäßige, stets scharf begrenzte, entzündlich gerötete, auch von Teleangiektasien durchzogene Papeln oder Plaques mit rauer, horniger Oberfläche. Allmähliche Größenzunahme (bis 1cm oder > 1cm). Blutungsneigung nach kleinen Verletzungen.

Auflichtmikroskopisch imponieren gelbliche follikuläre Hyperkeratosen, ein interfollikuläres Erythem, sowie Schuppung und weiße Kreise um Haarfollikel.

Keratosis actinica keratotischer Typ/cornu cutaneum Typ: Papeln und Plaques mit  Ausbildung von weißlich-grauen, aber auch gelblichen bis braunen, bzw. grau-schwarzen, unterschiedlich dicken, häufig auf der Unterlage festhaftenden Hornauflagerungen. Bei dem keratotischen Typ kann es zur Ausbildung unförmiger, fest haftender Hauthörner kommen (s.a. Cornu cutaneum).

Pigmentierter Typ: Durch vermehrte Pigmentbildung bräunlich tingierte aktinische Keratosen mit Tendenz zum spreitenden Wachstum.

Lichenoider Typ (Lichen-planus-Typ - mit dem erythematösen Typ verwandt): Klinisch finden sich   0,2-2,0 cm große, aber auch größere, sattrote Flecken, Papeln oder Plaques mit glänzender, glatter oder rauerOberfläche. Histologisch finden sich Merkma le des Lichen planus mit Akanthose, Hypergranulose und Orthohyperkeratose sowie subepithelial bandförmigem lichenoidem rundzelligem Infiltrat.

Klinisch wird der Ausprägungsgrad nach Olsen (Grad I-III) definiert (s.u. Keratosis actinica klinische Klassifikation). Ein gut evaluierter „Scoring“ Index zur quantitativen und qualitativen Beurteilung von aktinischen Keratosen am Kopf ist der AKASI (Akronym für „actinic keratosis area and severity index“) (Dirschka T et al. 2017). 

Irritierte aktinische Keratosen: Dieses Phänomen kann etwa 1 Woche nach Beginn einer zytostatischen Therapie z.B. mit 5-Fluouracil beobachtet werden und geht mit Rötung, Schwellung und Schuppung einehr, offenbar als Zeichen eines zytotoxischen Effektes (Zytostatika). 

 

 

Histologie

Das histologische Bild prägen Hyperkeratose und Parakeratose auf akanthotisch verbreitertem oder atrophischem Epithel. Über das Epithelband verstreut finden sich atypische pleomorphe Keratinozyten. Verschobene Kern-Plasma-Relation, vermehrt Mitosen. Stets nachweisbar sind Einzeldyskeratosen, die sich durch ein amorphes, eosinophiles Zytoplasma bei pyknotischem oder fehlendem Kern kennzeichnen. Selten suprabasale Akantholyse. Zum Teil entzündliches Infiltrat. Invasivität (d. h. Invasion in den Papillarkörper) ist bei der aktinischen Keratose (per definitionem) nicht vorhanden. Wichtiges differentialdiagnostisches Kriterium der aktinischen Keratose (Abgrenzung zum M. Bowen) ist das Freibleiben der akralen Adnexstrukturen: Infundibulum, Akrosyringium. Die Ausführungsgänge winden sich straßenförmig durch das veränderte Oberflächenepithel.

Hypertrophe aktinische Keratose: Akanthose, geringe Papillomatose, auffällig betonte Hyper- und Parakeratose. Die Hyperkeratose kann zu einem grotesken Missverhältnis zwischen Epitheldicke und Hornschicht führen. Dieser histologische Befund deckt sich mit dem klinischen Befund des Cornu cutaneum.

Atrophische aktinische Keratose: Flach atrophisches Epithelband mit Verlust der Reteleisten; geringe Hyperkeratose; Zellatypien meist im unteren Drittel des Epithels. Hier fokale Ausknospungen zur Dermis hin. Keine Invasivität!

Bowenoide aktinische Keratose: Hyperkeratose und Parakeratose auf akanthotisch verbreitertem Epithel. Über das Epithelband in dichter Aussaat verstreut sind atypische, pleomorphe Keratinozyten. Zudem zeigen sich Epithelriesenzellen sowie zahlreiche, bizarre Mitosen und Dyskeratosen. Die Abgrenzung zum M. Bowen gelingt durch Nachweis der unbeteiligten Adnexstrukturen.

Akantholytische aktinische Keratose: Zum typischen Bild der aktinischen Keratose tritt eine suprabasale Akantholyse hinzu.

Pigmentierte aktinische Keratose: Neben den epithelialen Veränderungen der AK kommt es zu einer gleichzeitigen Proliferation der Melanozyten sowie vermehrten Pigmenteinlagerungen in den basalen Keratinozyten.

Lichenoide aktinische Keratose: Meist Bild der atrophischen aktinischen Keratose mit begleitendem, ausgeprägtem lichenoiden (bandförmigen) Infiltrat in der oberen Dermis. Häufig zahlreiche Dyskeratosen.

Bzgl. der histologischen Klassifikation nach dem Ausprägungsgrad der Dysplasie (KIN I–III) s. u. KIN.

 

Differentialdiagnose

Klinisch:

  • Verruca seborrhoica: eher matte Oberflächenstruktur, meist gleichmäßige Pigmentierung, keine raue Keratose der Oberfläche; 
  • Arsenkeratosen: heute nur noch selten anzutreffende Sonderform (meist palmoplantar lokalisiert) der aktinischen Keratose;  
  • Lupus erythematodes chronicus discoides: randbetonte, rote, schuppende Plaques; anamnestisch fehlende Zeichen der chronischen UV-Schädigung;   
  • M. Bowen: meist solitäre Plaque, klinisch schwierig zu unterscheiden; 
  • Basalzellkarzinom: randbetonte, grau-glänzende Plaque, beim Spannen der Haut stärker hervortretend;
  • Lentigo solarismaligna: nicht palpabler, abgerundeter Fleck, glatte Oberflächenstruktur, Farbe dunkelbraun bis schwarzbraun.  

Histologisch:

  • Verruca seborrhoica: irrtierte Formen der Verruca seborrhoica; durch das Borst-Jadassohn-Phänomen nicht immer leicht unterscheidbar; jedoch Fehlen der breit angelegten Zellpolymorphie einer aktinischen Keratose; 
  • Lentigo maligna: Bei der Lentigo maligna fehlt die ausgeprägte Polymorphie der Keratinoyzten; irreguläre Vermehrung atypischer Melanozyten, die das Epithelband durchsetzen; dieses Phänomen fehlt bei der aktinischen Keratose.
  • Superfizielles Basalzellkarzinom: eher umschriebene, vom normalen Epithel abgesetzte, basaloide Epithelproliferate; breite Spaltbildungen zum umgebenden Bindegwebe;
  • Porokeratose aktinische: Typisch sind säulenförmige Parakeratosekegel; unterhalb der Parakeratose dyskeratotische Zellen, die ansonsten eher fehlen.      

 

Externe Therapie

Ausgewählte läsions- und feldgerichtete Therapieoptionen bei AK (var. nach EDF-Leitlinie)  
Kürettage 1 x, Wiederholung bis zu 2 x
Kryotherapie 1 x, mehrere Wiederholungen möglich
CO2-Laser 1 x, mehrere Wiederholungen möglich
Er:YAG-Laser 1 x, mehrere Wiederholungen möglich
5-FU (0,5 %) + SA (10 %) 1 x täglich für 6–12 Wochen
5-ALA-PDT i. Allg. 1 h Penetrationszeit
MAL-PDT i. Allg. 2,5 h Penetrationszeit
 
Diclofenac (3 %) in 2,5%igem Hyaluronsäure-Trägergel   2 x/Tag für 60–90 Tage
5-FU (5 %) 1 x oder 2 x/Tag für 2–4 Wochen
Imiquimod (3,75 %) 1 x/Tag für 2 Wochen, dann 14 Tage Pause (1 oder 2 Zyklen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alternativen: 

  • 5-Fluorouracil in Kombination mit Salicylsäure und DMSO (Actikerall®). 1 g der Lösung enthält 5 mg Fluorouracil, 100 mg Salicylsäure und 80 mg Dimethylsulfoxid. Dieses Kombinationspräparat findet bei flachen oder mäßig verdickten aktinischen Keratosen Anwendung. Der farblose Lack wird 1 x/Tag streng läsional bis zur kompletten Abheilung aufgetragen. Multiple aktinische Keratosen (bis zu 10 Läsionen) können gleichzeitig behandelt werden (hierüber liegen Erfahrungswerte vor). Die Gesamtfläche der mit Actikerall zu behandelnden Haut sollte 25 cm2 nicht überschreiten. (S. a. Nr. 757 GOÄ)
  • 5-Fluorouracil (als Monotherapie): Bei multiplen flächenhaften aktinischen Keratosen ist eine Lokalbehandlung mit einer 5%igen 5-Fluorouracil-Salbe (z. B. Efudix®) möglich. Bei Monotherapie 1- bis 2-mal tägliches Auftragen der 5-Fluorouracil-Salbe; Dauer der Behandlung 3–6 Wochen. Die zu behandelnde Fläche muss < 500 cm2 sein. Bei Kombination mit Kürettage: Unmittelbar nach Kürettage 5-Fluorouracil-Salbe in dicker Schicht auf die kürettierte Läsion auftragen; jeden 2. Tag erneuern. Bei Läsionen < 1 cm 5-Fluorouracil-Pflaster alle 2–3 Tage. 
  • Eine etwas niedriger konzentrierte Fluorouracil-Creme (Tolak® 40 mg/g Creme) kann für nicht hyperkeratotische, nicht hypertrophe aktinische Keratosen (Grad I und II nach Olsen) auf Gesicht, Ohren und / oder Kopfhaut eingesetzt werden. Dosierung: 1 x/Tag über 4 Wochen. Cave! Bei Anwendung von 5-Fluorouracil Aufklärung des Patienten über die Anwendungsart und NW! Augenschutz!
  • Alternative Kombination: 5-Fluorouracil + Retinoide: Bei multipler flächenhafter Ausdehnung wird zudem von guten Erfolgen bei Anwendung einer 5%igen 5-Fluorouracil-Salbe in Kombination mit Isotretinoin (z. B. Isotretinoin ratiopharm; Isoderm) berichtet. 5%iges 5-Fluorouracil (z. B. Efudix-Salbe) 2 x/Tag auftragen, Isotretinoin 10–20 mg/Tag p. o., Therapiedauer 3–5 Wochen. Mit stark entzündlichen Reaktionen ist zu rechnen, ggf. zwischenzeitlich  Glukokortikoid-haltige Cremes wie Prednicarbat 0,25 % (z. B. Dermatop Creme®) anwenden; bei Superinfektion systemische Antibiose.
  • Imiquimod (Aldara® 5 %, Zyclara® 3,5 %): Topische Immunmodulation mit Imiquimod 5 % 1–3 x/Woche über insgesamt 8–16 Wochen (USA: 2 x/Woche, für 16 Wochen). Es kommt zu einer lokalen Entzündung der aktinischen Keratose, nicht der gesunden Haut. Bei zu starker Irritation Reduktion der Applikationsfrequenz auf 2 x/Woche. Der Erfolg dieser Therapie ist durch zahlreiche Studien belegt, die Heilungsrate liegt bei 40–50 %. In Deutschland ist die Therapie zugelassen. Für Aldara ist eine Therapiebegrenzung auf 25 cm2 Behandlungsfläche gegeben. Für Zyclara keine Begrenzung. 
  • Photodynamische Therapie: Für Einzelläsionen ist die Pflaster-photodynamische Therapie (Pflaster-PDT; Alacare® für bis zu 6 Einzelläsionen) eine gute Alternative. 
  • Photodynamische Tageslichttherapie: Ebenfalls für Einzelläsionen ist die photodynamische Tageslichttherapie mit Methyl-ALA geeignet. Methyl-ALA (Luxerm®) reichert sich in den Tumorzellen an, wird zu dem Photosensibilisator Protoporphyrin IX umgesetzt, der unter Tageslicht (Anwendungsvorteil für den Patienten!) wirksam ist.       

Externa bei Feldkanzerisierung:

Diclofenac: Sehr gute Ergebnisse wurden mit der lokalen, gut verträglichen Anwendung eines 3%igen Diclofenac-Gels (Solaraze®, Solacutan®; 2 x/Tag) erzielt. Keine Begrenzung der Behandlungsfläche! Hierbei kommt es über eine Hemmung des Arachidonsäurezyklus zu einer Induktion der Apoptose und einer Unterdrückung der Angiogenese. In der Literatur werden Remissionsraten von 40 % bei klinisch sichtbaren Läsionen angegeben. 

Alternativen: 

  • Externe Retinoide wie 0,3%iges Adapalen-Gel sowie Tazaroten-Gel waren in versch. klinischen Studien ebenfalls wirkungsam (Off-Label-Use). Hierbei sind externe Hautirritationen, inbes. bei Langzeittherapie, zu beachten.
  • Photodynamische Therapie: Bei einer Feldkanzerisierung ist die lokale Photosensibilisation mit Delta-Aminolävulinsäure (ALA) 20 % und anschließender Bestrahlung mit Infrarot-Licht geeignet.
  • Photosensibilisierung mit Methyl-ALA und Bestrahlung mit Aktilite®
  • Tirbanibulin (Klisyri® 10 mg/g, 1 x/Tag über 5 Tage) als selektiv antiproliferativ wirkender Tubulin-Polymerisationsinhibitor. Bei milden aktinischen Keratosen einmal täglich für insgesamt 5 Tage applizieren. Eine Reevaluation sollte nach 8 Wochen erfolgen.

Operative Therapie

Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei den nachfolgend aufgeführten läsionsgerichteten Therapieverfahren eine aussagefähige histologische Untersuchung des abgeschabten Materials zu veranlassen.

  • Läsionsgerichtete Kürettage: Nach vorheriger Lokalanästhesie bei vereinzelten aktinische Keratosen mit flach aufgesetzter, scharfer Kürette Läsion kürettieren. Aktinische Keratosen lösen sich meist leicht in toto ab. Histologische Untersuchung des abgeschabten Materials ist sinnvoll.
  • Läsionsgerichtete Lasertherapie mit ablativem Laser (z. B. Er:YAG-Laser) zeigt eine sehr gute Ansprechrate. Eine ablative Laserbehandlung mit einem Er:YAG-Laser zeigte eine nahezu 90%ige Abheilungsrate. Es empfiehlt sich, unmittelbar vor der Laserbehandlung Kurettagematerial zur histologischen Sicherung des Befundes zu entnehmen.   
  • Läsionsgerichtete Elektrokaustik mit Kugel: Kugel mit schwacher Stromstärke über die Läsion führen und mit einer Kürette zart nachkürettieren. 
  • Läsionsgerichtete Kryochirurgie mit Wattetupfer: Insbesondere bei mehreren kleineren Herden ist diese Behandlung zur Kürettage eine gute Alternative. Wattetupfer in flüssigen Stickstoff eintauchen und für 5–10 Sek. kontinuierlich auf die Läsion aufdrücken.
  • Läsionsgerichtete Kryochirurgie im offenen Sprayverfahren: Bei großflächigen aktinischen Keratosen mit oder auch ohne Lokalanästhesie. Läsion kurz einsprühen, so dass das Areal mit einer weißen Eisschicht überzogen ist. Ggf. Verfahren nach Auftauen des Herdes wiederholen. Umgebende Haut mittels Moulage (z. B. periläsionales Auftragen einer dicken Vaseline-Schicht) schützen. 

Verlauf/Prognose

In den Leitlinien (Stockfleth 2016) wird von einer niedrigen Wahrscheinlichkeit (0–7,2 %) einer vollständigen Spontanregression ausgegangen.   

Die Angaben über eine Entwicklung von Plattenepithelkarzinomen auf der Basis von aktinischen Keratosen variieren deutlich. Sie werden mit 0,1–20 % angegeben. Mit einem höheren Risiko ist zu rechnen, wenn > 5 AK vorliegen. Bei diesem Klientel wird von einem Gesamtrisiko von 6,1–10 %, innerhalb von 10 Jahren ein invasives Plattenpithelkarzinom zu entwicklen, ausgegangen. (Hommel 2016) 

Wie läuft eine Progression der AK in ein Plattenepithelkarzinom ab? Es wurde angenommen, dass eine zunehmende intraepidermale Schichtungsstörung der AK zum Plattenepithelkarzinom führt. Zunächst entwicklen sich pleomorphe Keratinozyten im unteren Drittel der Epidermis (KIN I), bevor sie auch höhere Epidermislagen durchsetzen (KIN II/III). Erst anschließend käme es zu einem infiltrierenden Wachstum. Dieses formalistische Progressionsmodell bildet jedoch nur ungenügend die Transformation der AK in ein invasives Plattenepithelkarzinom ab, da sich Invasivität aus jeder KIN-Stufe entwicklen kann (Fernandez-Figueras 2015).    

      

Prophylaxe

Vermeidung stärkerer Sonnenbelastung durch textile, chemische (z. B. Daylong actinica) und sonstige physikalische Lichtschutzmaßnahmen sowie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.

Neuere Untersuchungen (Chen et al., 2015) weisen darauf hin, dass die Einnahme von Vitamin B3 (2 x 500 mg) einen UV-protektiven Effekt hat. Die Neubildung von aktinischen Keratosen wird signifikant vermindert. 

Gute individuelle Erfahrungen bzw. eine moderat belastbare Studienlage bestehen beim topischen Einsatz von Photolyasen in Kombination mit einem passiven, chemisch-physikalischen Breitbandschutz (z. B. Eryfotona® mit kumulativ wenigen hundert Probanden) bei milden aktinischen Keratosen. 

Meiden von photosensibilisierenden oder phototoxischen Medikamenten, z. B. Hydrochlorothiazid.

Praxistipps

GOÄ Tipps:

Zur Behandlung gehören die Ziffern Nr. 1 GOÄ (Beratung), Nr. 7 GOÄ (Untersuchung Hautorgan), 750 GOÄ (Dermatoskopie), ggf. Video-Dermatoskopie (Nr. 612 GOÄ analog).

Nr. 612 GOÄ analog und Nr. 750 GOÄ sind dann nebeneinander anzusetzen, wenn sie sich auf versch. Hautveränderungen beziehen (750 für melanozytären Naevus, 612 analog für eine aktinische Keratose).

Nr. 744 GOÄ (80 Punkte) wird bei einer Hautstanze angesetzt. Die Ziffer ist nur einmalig zu berechnen.

Nr. 303 GOÄ betrifft eine Probebiopsie mit einer Nadel, z. B. 2 mm-Stanzbiopsie, die nicht vernäht wird (80 Punkte). Sie ist mehrfach ansetzungsfähig (z. B. bei Beurteilung einer randständigen Infiltration einer tumorösen Läsion  - sklerodermiformes Basalzellkarzinom).

Nr. 2401 GOÄ (133 Punkte) betrifft eine Probebiopsie. Die Ziffer definiert ein Herausschneiden. Sie ist ggf. mehrfach berechnungsfähig.

Nr. 2403 GOÄ betrifft die therapeutische Exzision einer kleinen Geschwulst (bis Kirschkerngröße). Die Ziffer ist mehrfach ansetzbar.

Nr. 2404 GOÄ betrifft die therapeutische Exzision einer größeren Geschwulst (ab Kirschkerngröße). Bemerkung: An Kopf und Händen gilt jeder Befund als groß (Lit. Der Hautarzt 03/16). Die Ziffer ist mehrfach berechnungsfähig.

Weitere therapeutische Leistungen:

Nr. 745 GOÄ (Warzenentfernung mit dem scharfen Löffel) kann analog für eine Kürettage angesetzt werden.

Nr. 746 GOÄ (Elektrolyse) kann als Elektrodissektion angesetzt werden, auch neben der Nr. 745 GOÄ analog.

Nr. 757 GOÄ Die chemochirugische Behandlung einer Präkanzerose, z. B. mit 5-Fluorouracil, kann für eine Läsion auch bei mehreren Sitzungen nur 1 x berechnet werden. Bei mehreren Läsionen kann Nr. 757 mehrfach angesetzt werden.

Laserbehandlungen einer aktinischen Keratose: Anzusetzen sind gemäß den Empfehlungen der Bundesärztekammer (BÄK von 2002, Ergänzung und Spezifizierung für aktinische Keratosen im DÄB vom 27.12.2010) folgende Ziffern:

  • Nr. 2440 GOÄ analog. (operative Entfernung eines Naevus flammeus)
  • alternativ die Nr. 2885 GOÄ analog (Entfernung einer kleinen Blutadergeschwulst)
  • alternativ die Nr. 2886 GOÄ analog. (Entfernung einer großen Blutadergeschwulst)
  • Nr. 444 GOÄ: (Zuschlag bei ambulanter Durchführung von operativen Leistungen, die mit der Punktzahl von 800–1199 bewertet sind). Der Ansatz ist gerechtfertigt (Lit. Der Hautarzt 03/16), jedoch häufig streitbefangen. 

Die hier aufgeführten Empfehlungen zur Laserablation korrelieren mit der S1-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zur Behandung der aktinischen Keratosen, die federführend durch die Deutsche Dermatologische Gesellschaft erstellt wurden. Gemäß dieser Leitlinie stellt eine ablative Laserbehandlung aktinischer Keratosen eine hocheffektive Therapieoption dar, mit beschriebenen Vollremissionen von 90–91 %. Die hohe Vollremissionsrate rechtfertigt diesen in besonderem Maße diesen therapeutischen Ansatz , der dem klinisch nicht immer wahrnehmbaren Übergang der aktinischen Keratose in ein invasiv wachsendes Plattenepithelkarzinom Rechnung trägt.      

Photodynamische Therapie einer aktinischen Keratose: Anzusetzen gemäß den Empfehlungen der Bundesärztekammer (DÄB vom 18.1.2002) sind folgende Ziffern:

  • NR. 5442 GOÄ (statische Nierenszintigraphie) analog als photodynamische Diagnostik
  • Nr. 566 GOÄ (Phototherapie eines Neugeborenen) analog als photodynamische Lichtbestrahlung, bis zu 2 x im Behandlungsfall.
  • Nr. 5800 GOÄ (Erstellung eines Bestrahlungsplans) analog als Bestrahlungsplan für die photodynamische Therapie. Die Ziffer ist 1 x pro Behandlungsfall anzusetzen.
  • Nr. 5802 GOÄ (Orthovoltbestrahlung je Fraktion). Die Ziffer wird als Ergänzungsziffer neben der Nr. 566 GOÄ für 2 weitere Bestrahlungsfelder angesetzt.
  • Nr. 5803 GOÄ (Zuschlag zu Nr. 5802) analog. Die Ziffer wird als Ergänzungsziffer neben der Nr. 566 GOÄ für jedes weitere Bestrahlungsfeld angesetzt.
  • Nr. 209 GOÄ: Applikation des Photosensibilisators
  • Nr. 200 GOÄ: Applikation des Okklusiverbandes
  • Nr. 530 GOÄ: Applikation einer Kaltpackung
  • Nr. 745 GOÄ: Bei Vorbehandlung einer Läsion kann die Ziffer für eine Kürettage angesetzt werden.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Ackerman AB et al. (2006) Solar (actinic) keratosis is squamous cell carcinoma. Br J Dermatol 155: 9-22
  2. Braakhuis BJ et al. (2003) A genetic explanation of Slaughter's concept of field cancerization: evidence and clinical implications. Cancer Res 63: 1727-1730
  3. Chen AC et al. (2015) A Phase 3 Randomized Trial of Nicotinamide for Skin-Cancer Chemoprevention. N Engl J Med 373:1618-1626.
  4. Dirschka T et al. (2017) A proposed scoring system for assessing the severity of actinic keratosis on the head: actinic keratosis area and severity index. J Eur Acad Dermatol Venereol 31:1295-1302
  5. Dubreuilh WA (1896) Des hyperkeratoses circonscrites. Ann Dermatol Venereol 27: 1158-1164
  6. Fernández-Figueras MT et al.(2015)Actinic keratosis with atypical basal cells (AK I) is the most common lesion
  7. associated with invasive squamous cell carcinoma of the skin. J Eur Acad Dermatol Venereol 29:991-997.
  8. Freudenthal W (1926) Verruca senilis und Keratoma senile. Arch Dermatol Syphilol (Berlin) 158: 539-544
  9. Fritsch C, Ruzicka Th (2003) Fluorescence diagnosis and photodynamic therapy of skin diseases. Atlas and handbook. Springer, Heidelberg Berlin
  10. Hengge UR, Stark R (2001) Topical imiquimod to treat intraepidermal carcinoma. Arch Dermatol 137: 709-711
  11. Hommel T et al (2016) Aktinische Keratosen. Hautarzt 67: 867-875
  12. Kang S et al. (2003) Assessment of adapalene gel for the treatment of actinic keratosis and lentigines: A randomized trial. J Am Acad Dermatol 49: 83-90
  13. Nakaseko H et al. (2003) Histological changes and involvement of apoptosis after photodynamic therapy for actinic keratoses. Br J Dermatol 148: 122-127
  14. Nicolas M et al. (2003) Notch1 functions as a tumor suppressor in mouse skin. Nat Genet 33:416-421.
  15. Röwert-Huber J et al. (2007) Actinic keratosis is an early in situ squamous cell carcinoma: a proposal for reclassification. Br J Dermatol 156 (Suppl 3) 8-12
  16. Schaefer I et al. (2014) Prevalence and risk factors of actinic keratoses in Germany--analysis of multisource data. J Eur Acad Dermatol Venereol 28:309-313.
  17. Stege H et al. (2017) Neue Ansätze zur Prävention aktinischer Keratosen. Hautarzt 68: 354-358
  18. Stockfleth E et al. (2004) Low incidence of new actinic keratoses after topical 5% imiquimod cream treatment: a long-term follow-up study. Arch Dermatol 140: 1542
  19. Werner RN et al. (2015) Evidence- and consensus-based (S3) Guidelines for the Treatment of Actinic
  20. Keratosis - International League of Dermatological Societies in cooperation with the European Dermatology Forum - Short version. J Eur Acad Dermatol Venereol 29: 2069-2079.
  21. Wolf JE et al. (2001) Topical 3% diclofenac in 2,5% hyaluronan gel in the treatment of actinic keratoses. Int J Dermatol 40: 709-713
  22. Zeicher J et al. (2009) Placebo-controlled, double-blind, randomized pilot study of imiquimod 5% cream applied once per week for 6 months for the treatment of actinic keratoses. JAAD 60: 59-62

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 03.08.2026