Mikrobiologische Therapie

Autor: Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 14.10.2026

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Erstbeschreiber/Historie

Im Jahre 1908 beschrieb der Nobelpreisträger Ilja Iljitsch Metschnikow eine lebensverlängerte Wirkung durch die in fermentierten Milchprodukten enthaltenen Mikroorganismen. Daniel M. Lilly und Rosalie H. Stillwell prägten im Jahr 1965 den Begriff „probiotic“ als Antonym für „antibiotic“. Im Jahr 1989 definierte Fuller Probiotika als „lebende mikrobielle Futter- bzw. Nahrungszusätze, die sich wohltuend auf den Wirtsorganismus auswirken, indem sie dessen intestinale Mikroflora verbessern“. Zwischenzeitlich bestätigten die FAO (Food and Agriculture Organization) und WHO diese Definition. 

Definition

Behandlung mit Pro- und Präbiotika, resp. Symbiotika,  neben Ernährungsanpassung mit Einsatz von Mineralstoffen und Vitaminen nach einer diagnostischen Stuhluntersuchung. Zwischenzeitlich werden auch Postbiotika eingesetzt. s.a. unter Fäkale Mikrobiota-Transplantation. 

Verabreichung von Mikroorganismen, Bakterien, Viren, Pilze und deren Bestandteile oder Stoffwechselprodukte. Diese wurden bereits im 19. Jahrhundert zur Steigerung der Abwehr eingesetzt. Nach Vergessen dieser Therapie wurde sie zunächst als Symbioselenkung, in der Komplementärmedizin eingesetzt. Zwischenzeitlich ist die Therapie mit Probiotika, Präbiotika und Symbiotika in weiten Teilen der Medizin etabliert und mit wissenschaftlichen Studien belegt.

Indikationen z.B. gastrointestinale Erkrankungen wie Colitis ulcerosa, Reizdarm, aufgrund der Immunmodulation auch allergischer Formenkreis oder andere chronische Erkrankungen, in der lokalen Applikation auch für die Vaginalflora und aktuell auch extern in der Dermatologie z.B. zur Therapie von atopischer Dermatitis, Heuschupfen, Asthma, Nahrungsmittelallergie, Infektionskrankheiten vaginal, urologisch, dermatologisch, Laktose-Intoleranz, rheumatischer Formenkreis. 

Studien bei Insulinresistenz, Diabetes mellitus, Insulinresistenz, aber auch Alzheimer Demenz und Depression, zeigen das zeitgleiche Vorliegen einer Dysbiose. Erste Ergebnisse weisen auf die Möglichkeit der mikrobiologischen Therapie bei diesen Erkrankungen.

 

Cave: Autoimmunerkrankungen, unklare Fieberzustände, Immundefekte

Hinweis(e)

Unter den zahlreichen Probiotika auf dem Markt sind einige offiziell zugelassen als Arzneimittel beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): 

-Escherichia coli Stamm Nissle 1917, Präparat z.B. Mutaflor®.  Zugelassen zur Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa, auch bei chronischer Verstopfung.  Zur Therapie der Colitis ulcerosa wird Mutaflor von den Krankenkassen übernommen.

-Saccharomyces boulardii (Hefe): Präparat z.B. Perenterol®. Zugelassen zur Therapie und Prophylaxe von akuter Diarrhoe (auf Reisen, unter Antibiotika-Therapie).

-Escherichia coli (andere Stämme): Präparat z.B. Symbioflor® 2, zugelassen zur Therapie des Reizdarmsyndroms.

- Lactobacillus acidophilus: Präparat Paidoflor® z. B. nach Antibiotikatherapie

- Lactobacillus gasseri & Bifidobacterium longum: Präparat Omniflora® N: bei akuter Diarrhoe

- Lactobacillus gasseri & Lactobacillus rhamnosus: Präparat Vagisan® Probio Flora Vaginalkapseln nach Antibiotikabehandlung einer bakteriellen Vaginose

 

Das Bundeszentrum für Ernährung nennt folgende Stoffe wirksame Präbiotika:

Inulin und Oligofruktose (aus Chicorée, Topinambur oder Zwiebeln).

Galactooligosaccharide: in Milchprodukten oder Hülsenfrüchten.

Resistente Stärke: nach Abkühlung in gekochten Kartoffeln, Reis oder Nudeln.

 

Literatur
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  1. https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/komplementaermedizin/naturheilkundliche-alternative-verfahren/mikrobiologische-therapie.html
  2. https://www.aerzteblatt.de/archiv/45953/Probiotika-Praebiotika-und-Synbiotika-Stellenwert-in-Klinik-und-Praxis
  3. https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv-2024-und-frueher/praebiotika-probiotika-postbiotika
  4. Radke M (2013) Pro- und Präbiotika. Pediatric GI oder PGHN (; 625–34. German. doi: 10.1007/978-3-642-24710-1_30. PMCID: PMC7498783
  5. FAO/WHO (2001) Joint FAO/WHO expert consultation on evaluation of health and nutritional properties of probiotics in food including powder milk with live lactic acid bacteria. https://openknowledge.fao.org/server/api/core/bitstreams/382476b3-4d54-4175-803f-2f26f3526256/content
  6. Lilly DM et al. (1965). Probiotics: Growth-promoting factors produced by microorganisms. Science, 147(3659), 747–748. doi.org
  7. Metchnikoff, É. (1907). The prolongation of life: Optimistic studies (P. C. Mitchell, Übers.). G. P. Putnam's Sons.

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Zuletzt aktualisiert am: 14.10.2026