Reizdarmsyndrom K58.9; F45.32

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Guido Gerken

Alle Autoren dieses Artikels

Zuletzt aktualisiert am: 21.04.2021

This article in english

Synonym(e)

IBS; irritable bowel syndrome; irritables Kolon (IBS); RDS; Reizkolon; spastisches Kolon

Definition

Das Reizdarmsyndrom bezeichnet ein häufig auftretendes, jedoch nicht klar definiertes Krankheitsbild, das sich durch verschiedene abdominelle Beschwerden auszeichnet. Oft wird es psychosomatischen Erkrankungen zugeordnet.

Nach der S3-Leitlinie "Reizdarm" sind 3 Kriterien zu erfüllen:

  • >3 Monate anhaltende Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Blähungen), die von Patient und Arzt auf den Bauch bezogen werden und meist mit Stuhlgangveränderungen einhergehen.
  • Relevante Einschränkungen der Lebensqualität
  • Es liegen keine für andere Krankheitsbilder typischen Veränderungen vor, die für diese Symptome verantwortlich sind.  

Einteilung

Unterteilt werden kann das Reizdarmsyndrom in 3 Subtypen:

  • Diarrhö (RDS-D)
  • Obstipation (RDS-O)
  • Mischtyp (RDS-M) 

Vorkommen/Epidemiologie

Das Reizdarmsyndrom betrifft 7-21% der allgemeinen Bevölkerung zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben (Soares RL 2014).   

w:m=2:1

Ätiopathogenese

Dem Reizdarmsyndrom liegen konstitutionelle und psychische Belastungsfaktoren zugrunde. Dazu zählen vor allem Stress und Ärger sowie abgelaufene Darminfektionen. Nachweisbar ist eine Assoziation zwischen der “travellers' diarrhea” und einem post-infektiösem Reizdarmsyndrom. 

Klinisches Bild

Das klinische Bild des Reizdarmsyndroms zeichnet sich durch krampfartige, brennende oder stechende abdominale Schmerzen aus. Darüber hinaus treten ein Druckgefühl im Unterbauch oder des linken Kolons, Völlegefühl, hörbare Darmgeräusche, Obstipation, Blähungen sowie Diarrhö auf. Ein Gewichtsverlust ist zumeist nicht zu verzeichnen.

Labor

Bei einem Reizdarmsyndrom sollten die folgenden Parameter im Normbereich liegen: BSG, CRP, Leber- und Pankreasenzyme, Blutbild, Haemoccult-Test und Calprotectin im Stuhlgang. Darüber hinaus sollte der Stuhlgang keine Wurmeier enthalten.

Diagnose

Zur Diagnose eines Reizdarmsyndroms erfolgt eine Anamnese samt klinischem Bild nach ROM III-Kriterien. Darüber hinaus erfolgt eine Sonografie des Abdomens, eine digitale Abtastung des Kolons und ggf. eine weitere Diagnostik des Abdomens.

Differentialdiagnose

Bei bestehenden Schmerzen im linken Unterbauch sollten:

  • Diverkulitis
  • Leistenhernie
  • Adnexerkrankungen
  • Endometriose
  • andere Kolonerkrankungen

ausgeschlossen werden. Bei Schmerzen im linken Oberbauch sollten Erkrankungen der Milz, Pankreas, Herz, Magen und Ösophagus ausgeschlossen werden.
Darüber hinaus sollte ein  Ausschluss einer Fruktose- und Laktoseintoleranz, einer mikroskopischen Kolitis und einer Sprue ausgesclossen werden.

Therapie

Es ist keine nachhaltig gesichert wirksame Therapie zur Behandlung eines Reizdarmsyndroms bekannt. Therapiemaßnahmen konzentrieren sich auf diätische Maßnahmen und Behandlung der Stresszustände.

Diätetische Maßnahmen: Weglassen der beschwerdeverstärkenden Nahrungsmittel, kleinere und häufigere Mahlzeiten. Beim Reizdarmsyndrom faserreiche Kost mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr.  

In versch. größeren Studien erwiesen sich Probiotika als eine hilfreiche therapeutische Option (Didari T et al. 2015). 

Symptomatische Therapieansätze: Bei krampfartigen Schmerzen - Spasmolytika. Bei Sodbrennen, Übelkeit und Obstipation: Prokinetika. Bei Diarrhö: Antidiarrhoika.

 

Naturheilkunde

Psyllii semen (Flohsamen) und Plantaginis ovatae semen (Indische Flohsamen)

Anwendung: Die Tagesdosis Flohsamen bzw. Indische Flohsamen/Flohsamenschalen liegt bei 10 bis 30 g, bzw. 12 bis 20g. Flohsamen werden vor dem Essen eingenommen. Dabei wird 1 TL der Droge mit circa 150 ml kaltem Wasser vermischt und verzehrt. Flohsamenschalen (1-2 TL) werden mit Suppen oder anderen Flüssigkeiten eingenommen.

Präparate: Agiocur® Granulat, Flosine® balance Granulat, Mucofalk® Apfel-/Orangegranulat, Pascomucil® Pulver, Schoenenberger NatuPur, Medacalm®, [email protected]

Kombinationspräparate: Bei einem Reizdarmsyndrom mit chronischer Obstipation empfiehlt sich ein Kombinationspräparat mit Laktulose, überwiegt eine Diarrhö empfiehlt sich ein Kombinationspräparat mit Pfefferminz in magensaftresistenten Kapseln.


Lini semen (Leinsamen)                                                                                                        

Anwendung: Zwei bis drei Esslöffel des zerkleinerten Leinsamens in ¼ bis ½ Liter Wasser einweichen lassen, anschließend kurz abkochen, den Leinsamen vom Schleim trennen und den Schleim schluckweise trinken.

Präparate: Linusit® Gold Qualitäts-Leinsamen, 3 x täglich 1 Beutel vor den Mahlzeiten und 2 Beutel vor dem schlafen.

Kombinationspräparate: Es empfiehlt sich eine Anwendung in Kombination mit Kamillenblütenauszügen, eine Fertigkombination ist jedoch nicht erhältlich.

 

Menthae piperitae aetheroleum (Pfefferminzöl)

Pärparate: Chiana®-Kapseln magensaftresistent, 3 x täglich 1 Kapsel vor dem Essen; Medacalm® Hartkapseln magensaftresistente Kapseln, 3 x täglich 1 Kapsel unzerkaut vor dem Essen

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Chey WD et al. (2015) Irritable bowel syndrome: a clinical review. JAMA 313:949-958.
  2. Didari T et al. (2015) Effectiveness of probiotics in irritable bowel syndrome: Updated systematic review with meta-analysis. World J Gastroenterol 21:3072-3084.
  3. Schwille-Kiuntke J et al. (2015) Systematic review with meta-analysis: post-infectious irritable bowel syndrome after travellers' diarrhoea. Aliment Pharmacol Ther 41:1029-1037.
  4. Soares RL (2014) Irritable bowel syndrome: a clinical review. World J Gastroenterol. 20:12144-12160.
  5. Wall GC et al.(2014) Irritable bowel syndrome: a concise review of current treatment concepts. World J Gastroenterol 20:8796-8806. 

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 21.04.2021