Synonym(e)
Definition
Tight Junctions, TJs (engl. für „dichte Verbindung“) oder Zonula cccludens (ZO), befinden sich an der Grenze zwischen der apikalen und der lateralen Membran von Zellen. TJs sind in allen Epithelzellen (z.B. Keratinozyten, Darmepithelien, Nierenepithelien)- Endothelzellen vorhanden. Sie befinden sich apikal von den anderen drei Verbindungsstellen (TJ-Region bestehend aus Adhärenzkontakten, Desmosomen und Gap Junctions) und bilden dort eine gürtelartige Struktur, die die Zelle umgibt. TJs minimieren den interzellulären Raum und bilden so eine kontinuierliche parazelluläre TJ-Barriere (TJ-Barriere).
TJ-Barrieren sind essenziell für die Funktion der jeweiligen biologischen Systeme, wie beispielsweise die Blut-Hirn-Schranke, die Hautbarriere oder die Blut-Hoden-Schranke und erfüllen jeweils Organ-spezifische Funktionen.
Tight junctions bilden hierbei bidirektionale Signalplattformen, die Signale aus dem Zellinneren empfangen, die ihren Aufbau und ihre Funktion regulieren, und die Signale in das Zellinnere weiterleiten, um die Zellproliferation, Migration, Differenzierung und das Überleben zu steuern.
Die Transmissionselektronenmikroskopie zeigt, dass die Membranen zweier benachbarter Zellen an den TJs direkte Kontaktpunkte bilden, die als "kissing points" bezeichnet werden. In diesen Bereichen scheinen die Membranen der benachbarten Zellen punktuell miteinander zu verschmelzen und den Interzellularraum abzudichten. Diese parazelluläre Diffusionsbarriere ist semipermeabel: Sie ist größen- und ladungs-selektiv.
Defizite in TJ-Barrieren stehen im Zusammenhang mit Krankheiten, darunter Krebs, Entzündungen z.B. an Haut und Darm, Stoffwechselstörungen und neurologische Erkrankungen.
Allgemeine Information
Es ist bekannt, dass die Zell-Zell-Permeabilität mit den besonderen Eigenschaften der Proteine (z.B. Claudine, Zonula-occludens-Proteine, Junctional Adhesion Molecules u.a.).
Neben Occludin spielen folgende Proteine eine Rolle in der Funktion der Tight-Junctions (TJs):
- die Claudin-Familie (Transmembranproteine - v.a. Claudin-1)
- die Junctional Adhesion Molecules (JAMs 1-3)
- die Zonula-Occludens-Proteine (ZO-1, -2 und -3 als Adapterproteine)
- das Multiple-PDZ-Domänenprotein 1 (MUPP1 - s.a. das dieses Gerüstprotein kodierende Gen MPDZ-Gen)
- die membranassoziierten Guanylatkinase-Isoformen (MAGIs) 1, 2 und 3
- die Zellpolaritätsproteine wie die Proteinkinase C (PKC)
- der Isotype-specific-interacting protein/protease-activated receptor-3 (ASIP/PAR-3) und PAR-6
- die nicht-PDZ-exprimierenden Proteine wie Cingulin, Symplekin, atypische Proteinkinase C (aPKC), Proteinphosphatase 2 (PP2A), das mit Ras verwandte Protein Rab-3B (Rab3b) und Rab13
Die molekulare Regulierung der Tight Junctions erfolgt über die Phosphorylierung durch verschiedene Proteinkinasen. So steuert die Aktivierung der MAP-Kinase-Signalwege die Interaktion von ZO-1/Occludin mit der Plasmamembran. Die Assoziation von VASP (Vasodilatator-stimuliertes Phosphoprotein) mit den Tight junctions wird durch PKA-abhängige Phosphorylierung reguliert.
Tight junctions sind ein integraler Bestandteil der evolutionär konservierten Signalmechanismen, die die Polarisierung von Epithelzellen und die Bildung von morphologisch und funktionell unterschiedlichen apikalen Domänen steuern. Sie haben eine sogenannte „Zaun-Funktion“ (fence function), verhindern die freie Bewegung von Membrankomponenten. Sie bewirken eine Zellpolarität indem sie den Interzellularraum in apikale und basale Bereiche unterteilen.
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Pathophysiologie
Die proteinogene Zusammensetzung der Tight Junctions ist organspezifisch unterschiedlich.
Humane Bronchialepithelien exprimieren in ihren TJs die Claudine 1,3,4,5,und 7. Claudin-1 und -4 lokalisierten sich im apikalen Bereich der Tight Junctions (TJs) und in lateralen Zellverbindungen. Im Gegensatz dazu lokalisieren sich Claudin-3 und -5 ausschließlich im apikalsten Bereich der TJs. Claudin-7 kolokalisiert mit ZO1 in lateralen Zellverbindungen.
Tight-Junctions und Haut: Die Haut stellt die erste Verteidigungslinie gegen die feindliche äußere Umgebung dar. Die Integrität der TJ in der Epidermis ist aufgrund ihrer Zaun- und Barrierefunktionen und ihrer Rolle bei der Homöostase und der Immunreaktion von großer Bedeutung. Die Epidermis des Menschens exprimiert eine Vielzahl von TJ-Molekülen. Von diesen sind Claudin-1, Claudin-7, JAM-A und das MUPP1-Protein in allen Schichten der Epidermis zu finden, während Occludin und Cingulin auf das Stratum granulosum beschränkt sind. JAM-A wird in allen Schichten der menschlichen Epidermis mit Ausnahme des Stratum corneum exprimiert. Einige TJ-Proteine, wie ZO-1, Claudin-1 und Claudin-4, sind auch in den Haarfollikeln lokalisiert (Morita K et al.1998; Brandner JM et al. 2003). TJs bilden ein funktionelles Dichtungsnetz zwischen Keratinozyten, sind somit entscheidend für die Funktionalität der Hautbarriere. Veränderungen in ihrer Expression werden bei verschiedenen Hauterkrankungen so z.B. bei der atopischen Dermatitis und der Psoriasis festgestellt. Weiterhin spielen sie eine Rolle bei der normalen Wundheilung.
Neben ihrer Barrierefunktion für Wasser, Ionen sowie große und kleine Moleküle sind die TJ auch an der Zellproliferation und -differenzierung beteiligt. In menschlichen Hautkeratinozyten führt die Ausschaltung von Claudin-1 mittels siRNA zu einer Unterbrechung der TJ-Funktion, zu einer erhöhten Permeabilität für Natriumfluorescein und zu einer verstärkten Proliferation.In einem AD-Mausmodell korreliert das Fehlen von Claudin-1 in den unteren Epidermisschichten mit einer signifikant erhöhten Proliferation von Epithelzellen sowie mit Veränderungen in der Expression der Differenzierungsmarker Keratin-10 und Keratin-14 (Gruber R et al. 2015). Darüber hinaus führt der Knockdown von Occludin in menschlichen Hautkeratinozyten zu einer verringerten Adhäsion zwischen Epithelzellen und Zellen, einer geringeren Anfälligkeit für Apoptose und einer veränderten Expression von Differenzierungsmarkern.
Klinik
Beispiele aus dem klinisch/experimentellen Bereich:
- Claudin-1-Knockout-Mäuse sterben kurz nach der Geburt aufgrund von Hautbarrieredefekten, die zu schwerem Wasserverlust führen. Die Ausschaltung von Claudin-1 und -4, Occludin und ZO-1 in Hautkeratinozyten erhöht die parazelluläre Durchlässigkeit für Ionen und größere Moleküle. Darüber hinaus verringert die Ausschaltung von Claudin-1 auch die Wasserbarrierefunktion im Stratum corneum.
- Bei atopischer Dermatitis (AD) sind die ZO-1- und die Claudin-1-Proteine in läsionaler Haut signifikant reduziert, was darauf schließen lässt, dass die TJ-Barrierefunktion bei dieser Hauterkrankung beeinträchtigt ist (Yuki T. et al. 2016; Batista DI et al. 2015). Auch in der nicht-läsionalen Haut der AD sind ZO-1 und Claudin-4 reduziert. In einem Mausmodell der atopischen Dermatitis zeigte sich, dass die Veränderungen der epithelialen Barrierefunktion der Haut mit einer verminderten Expression von Claudin-1 korrelierten. Veränderungen des parazellulären Flusses und der Morphologie des Stratum corneum zeigten dies an (Tokumasu R et al. 2016).
- In der Frühphase der Psoriasis werden Occludin, ZO-1 und Claudin-4 gegenüber der normalen Haut vermehrt exprimiert. Die Expression der Proteine Claudine-1 und -7 ist in den basalen und obersten Schichten reduziert (Kirschner N et al. 2009). Die Claudin-Expression war bei Psoriasis vom Plaque-Typ vermindert, was die gestörte Barrierefunktion der psoriatischen Haut erklären könnte.
Hinweis(e)
Entwicklung Embryonale Haut vs. Haut Erwachsener
Embryonale Haut : Tight Junctions sind frühzeitig und relativ breit verteilt. Sie vermitteln einen Schutz in noch unreifer Haut
Erwachsene Haut: Tight Junctions sind deutlich reduziert, stärker auf das Stratum granulosum fokussiert. Es gibt Hinweise, dass ihre komplexen Strukturen in der reifen Haut des Erwachsenen nicht mehr vorhanden sind, obwohl die TJ-Proteine immunhistologisch noch nachweisbar sind. Dieser Vorgang geht parallel mit dem lipidbasierten Barrierebildung (Elias PM et al. 2020).
LiteraturFür Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio
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