Hautmetastasen C79.8

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles, Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

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Zuletzt aktualisiert am: 14.10.2026

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Synonym(e)

cutaneous metastases; Hautkrebs metastatischer; Hautkrebs sekundärer; Hautmetastasen; Karzinom metastatisches; kutane Metastasen; Metastasen der Haut; Metastatischer Hautkrebs; sekundärer Hautkrebs

Keywords

cutaneous metastases; Hautkrebs metastatischer; Hautkrebs sekundärer; Hautmetastasen; Karzinom metastatisches; kutane Metastasen; Metastasen der Haut; Metastatischer Hautkrebs; sekundärer Hautkrebs; Lymphangiosis carcinomatosa; Cancer en cuirasse; 

Definition

Lymphogene oder hämatogene Absiedelungen von primären Hautmalignomen oder malignen Tumoren anderer Organe in die Haut. Für die dermatologische Praxis sind Metastasen interner Malignome von differenzialdiagnostischer Bedeutung. Sie sind selten; treten bei 0,6-10% der Patienten mit metastastischen Tumoren auf (Gschnell M et al.2024). 

Ihre Erstmanifestation in der Haut wird häufig durch wenig spektakuläre, schmerzlose Knötchenbildung gekenzeichnet. Ein regelmäßig vorhandenes Merkmal kennzeichnet eine kutane Metastase - ihre überraschende Festigkeit.

Das im Finalstadium einer Tumorprogression zu beobachtendes Krankheitsbild  mit diffuser Karzinomatose der Haut wird als Lymphangiosis carcinomatosa bezeichnet. Bei einer begleitenden inflammatorischen Gewebereaktion wird eine diffus sich ausbreitende Lymphangiosis carcinomatosa als Erysipelas carcinomatosum bezeichnet. Eine flächenhafte (meist inflammatorische) Hautmetastasierung wird als Cancer en cuirasse bezeichnet.

Bei >90% der Patienten ist das Tumorleiden bei Auftreten von Hautmetastasen bereits bekannt.   

Einteilung

Verursachende Primärtumoren nach abnehmender Häufigkeit, variiert nach Lookingbill et al.

Häufigkeiten kutaner Metastasen bei Männern (n=127 Patienten)

  • Tumor-Typ               % Metastasierung                  
  • Malignes Melanom                 32%                                                        
  • Lunge                                     12%
  • Colon/Rektum                        11%
  • Mundhöhle                              8%  
  • unbekannter Primarius            8%  
  • Larynx                                      5%      
  • Nieren                                      5% 
  • Ösophagus                              2,4%    
  • Magen                                      1%
  • Prostata                                   <1%  

Häufigkeiten kutaner Metastasen bei Frauen (n=420 Patienten)

  • Mammakarzinom                     70%
  • Malignes Melanom                  12%
  • Ovarialkarzinom                       3,5%
  • unbekannter Primarius             3% 
  •  Mundhöhle                              2,5% 
  • Lunge                                       2,0%
  • Colon/Rektum                          1,5%
  • Endometrium                           1,5%
  • Harnblase                                1,5%      
  • Uterus                                      0,7%

 

Verursachende Primärtumoren nach abnehmender Häufigkeit:

  • Malignes Melanom
  • Mammakarzinom
  • Magenkarzinom
  • Uteruskarzinom
  • Bronchialkarzinom
  • Rektumkarzinom
  • Nierenzellkarzinom.

 

Lokalisation

Lymphogene Hautmetastasen treten häufig in der Nähe des Primarius auf

Metastasen der Mammakarzinome und Lungenkarzinome finden sich bevorzugt an der vorderen Thoraxseite.

Pelvine Karzinome metastasieren bevorzugt perianal

Magen-Darmkarzinome, Nierenzellkarzinome oder Ovarialzellkarzinome metastasieren bevorzugt in die Bauchhaut.

Eine Besonderheit stellen umbilikal lokalisierte Hautmetastasen bei intestinalen Malignomen dar (Sister Mary Joseph`s nodule - s.u. Nabelmetastase), die per continuitatem oder über die besondere Gefäßversorgung der Umbilikalregion erfolgt. 

Die Kopfhaut ist für viszerale Tumoren ein bevorzugter Metastasierungsort. Bei Männern treten 2/3, bei Frauen 1/4 aller Hautmetastsen im Kopf-Halsbereich auf. Bei Frauen ist der Ursprung in 70% ein metastasiertes Mammakarzinom; bei Männern in 10% ein Bronchialkarzinom, in 10% Tumoren des Gastrointestinaltraktes.

Prinzipiell ist jedoch auch eine Fernmetastasierung weit vom Ursprungsort entfernt möglich.

 

Klinik

Grundsätzlich kann man je nach Lokalisation der Metastasen 2 hauptsächliche Erscheinungsformen unterscheiden, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium jedoch überschneiden können:

  • Knotige Metastasen in der tiefen Kutis und/oder Subkutis (meist durch hämatogene Streuung entstanden - DD Lipome, Talgzysten)
  • Oberflächliche (knötchenförmige oder plaqueartige) Metastasen in der oberen Dermis gelegen (meist multipel, meist durch lymphogene Streuung, meist in der Gegend des Primärtumors). Sie können einen inflammatorischen (Erysipel-artigen) Aspekt haben (Erysipelas carcinomatosum). Am häufigsten sind bei der lymphogenen Metastasierungsart hautfarbene oder rote, schnellwachsende, breitbasig aufsitzende Papeln oder Knoten. Tendenz zum schnellen Wachstum (wenige Wochen). Ihre Konsistenz ist überwiegend "überraschend" derb. Die Oberfläche ist meist glatt, seltener ulzeriert.

Die Erysipel-artigen, inflammatorischen Karzinome (Erysipelas carcinomatosum), kennzeichnen sich hochentzündliche, bizarr zackig begrenzte (durch die lymphatische Karzinominfiltration bedingt) Erytheme oder Plaques. Diese Metastasierungsart findet sich v.a. beim Mammakarzinom, seltener auch bei Tumoren des Pankreas, Magens, der Lunge, des Rektums und des Ovars. Analoge klinische Bilder (meist mit schwarz-blauer Pigmentierung) können auch bei loko-regionärer Metastasierung des malignen Melanoms entstehen (Erysipelas melanomatosum).  

Morphologische und ätiologische Sonderformen von Hautmetastasen werden unter den nachfolgenden klinischen Bezeichnungen geführt:

Nur in wenigen Fällen lässt sich jedoch aufgrund des Metastasenbildes auf den Primärtumor rückschließen. Somit erscheinen die unterschiedlichen, auf rein makroskopischen Kriterien basierenden Bezeichnungen, wenig sinnvoll. Nicht ganz selten treten Hautmetastasen ohne Zuordnungsmöglichkeit zu einem Primärtumor auf ( CUP = Cancer of unknown primary).

Histologie

Im Korium und in der Subkutis gelegene Zellhaufen eines invasiv wachsenden Tumors. Charakterisierung der Zellen mittels immunhistologischer Methoden (Einsatz mono- und polyklonaler Antikörper, z.B. CEA, S100, Desmin, Zytokeratin, Vimentin, Melanom-assoziierter Antikörper).

           Immunhistochemische Marker kutaner Metastasen

Mamma (duktales Karzinom : CK7, CEA, Mammaglobulin, E-Cadherin)

Mamma (lobuläres Karzinom: CK7, CEA, EMA, Mamglobulin)

Mamma (inflammatorisches Karzinom (Erysipleas carcinomatosa: CD31, Podoplanin)

Lunge (Plattenepithelkarzinom: CK5/CK6)

Lunge (Adenokarzinom: CK7, CEA, TTF-1, Apoprotein A)

Lunge (kleinzelliges Karzinom: TTF-1, CAM5.2, CK7,CK8/18)

Kolorektal (Adenokarzinom: CK20, CEA, CDX2)

Magen (Adenokarzinom: CK20, CEA, EMA, CDX2)

Niere (RCC: AE1, AE3, MNF116, CD31,Vimentin, CD10, EMA, S100)

Prostata (Adenokarzinom: PSA, AMACR, ERGTranskriptionsfaktor)

Ovarien (Ovarialkarzinom: CK7, PAX8, CA.125)

Schilddrüse (Karzinome: Thyroglobulin, TTF-1, PAX8)

Schilddrüse/medullär (Calcitonin)  

Therapie

Behandlung des Primärtumors, falls möglich Exzision der Hautmetastasen. S.a.u. Erysipelas carcinomatosum, Erysipelas melanomatosum und Diagnose-orientierte Systemtherapie.

Elektrochemotherapie: Kombination eines Zytostatikums, das intravenös der intratumoral aplliziert wird, verbunden mit der Applikation von Stromimpulsen. Die Wirkverstärkung liegt für Cisplatin bei dem 80fachen, für Bleomycon bis zu 8000fach. 

Weitere lokale Immuntherapien können mit : Interleukin 2, Imiquimod, Miltefosin und DNCB/DCP durchgeführt werden.    

Literatur
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  1. Babacan NA et al. (2015)  A Case of Multifocal Skin Metastases from Lung Cancer Presenting with Vasculitic-type Cutaneous Nodule. Indian J Dermatol 60:213
  2. Challa VR et al. (2014) Retrospective Study of Marjolin's Ulcer Over an Eleven Year Period. J Cutan Aesthet Surg 7:155-19asen.
  3. Gschnell M et al. (2024) Kutane Metastasen :Von der Epidemiologie bis zur Therapie. JDDG 22: 974-991  
  4. Kerkhoff L (2026) Lymphangiosis carcinomatosa der Haut bei Lungenkarzinom. Dt Ärzteblatt 123: 280
  5. Lookingbill DP et al. (1993) Cutaneous metastases in patients with metastatic carcinoma: a retrospective study of 4020 patients. J Am Acad Dermatol 29:228-36
  6. Nozu S et al. (2022) Lung cancer that recurred as carcinoma en cuirasse. Respirol Case Rep 10:e01041.
  7. Siqueira VR et al. (2014) Cutaneous involvement as the initial presentation of metastatic breast adenocarcinoma - Case report. An Bras Dermatol 89:960-963
  8. Zhou HY et al. (2014) Cutaneous metastasis from pancreatic cancer: A case report and systematic review of the literature. Oncol Lett 8:2654-2660

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