Cineol

Co-Autoren: Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles, Christoph Rose

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Zuletzt aktualisiert am: 19.08.2026

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Synonym(e)

1,8-Cineol; Cineolum; Eucalyptol; Eukalyptus; Eukalyptusöl

Definition

Das Monoterpenoid 1,8-Cineol (Eucalyptol) ist Hauptbestandteil der ätherischen Öle vieler Eukalyptusspezies, insbesondere von Eucalyptus globulus. Die ätherischen Öle (s. unter Eucalypti aetheroleum) werden im Wesentlichen durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und Zweigen von Eukalyptus gewonnen. Cineolhaltige Öle werden als Inhalationsmittel, als antimikrobielles Therapeutikum (1%iges Öl) oder als Balsam bei Erkältungen verwendet.

In der S2-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten wird Cineol als Phytotherapeutikum für die Indikation akute Bronchitis aufgeführt.

Die Qualität der Präparate ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt. Monographien s. unter Eucalypti aetheroleum.

Pharmakodynamik (Wirkung)

Das mukolytische Monoterpenoid 1,8-Cineol (Eucalyptol), der Hauptbestandteil von Eukalyptusarten, ist für seine entzündungshemmende, antioxidative, bronchiospasmolytische, antivirale, antimykotische (als 1%iges Öl) und antimikrobielle Wirkung bekannt.

Die wichtigsten schützenden, antiviralen, entzündungshemmenden und schleimlösenden Mechanismen von 1,8-Cineol sind die Induktion des Interferon-Regulationsfaktors 3 (IRF3), die Kontrolle des nukleären Faktors Kappa-B (NF-κB) sowie die Downregulation der Mucin-Genexpression (MUC2, MUC19) (Juergens LJ et al. 2020).

In normalen menschlichen Monozyten wurde eine direkte Hemmung der durch reaktive Sauerstoffspezies (ROS) vermittelten Schleimhypersekretion sowie der Steroidresistenz-induzierenden Superoxide (O2•–) und proinflammatorischen Wasserstoffperoxide (H2O2) mit teilweiser Kontrolle der Superoxiddismutase (SOD), die O2•– in H2O2 umwandelt, nachgewiesen.

Durch die Hemmung von NF-κB hemmte 1,8-Cineol in relevanten Plasmakonzentrationen (1,5 µg/ml) bei normalen menschlichen Monozyten stark und signifikant diejenigen durch Lipopolysaccharid (LPS) stimulierten Zytokine, die für die Verschlimmerung (Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α), Interleukin (IL)-1β) und systemische Entzündung (IL-6, IL-8) relevant sind.

In Lymphozyten gesunder menschlicher Spender hemmte 1,8-Cineol TNF-α, IL-1β, IL-4 und IL-5. Bei relevanten Plasmaspiegeln verstärkt 1,8-Cineol in vitro additiv die Wirksamkeit der inhalativen Leitmedikamente Budesonid (BUD) und Formoterol. Vorläufige Daten zeigten auch eine erhöhte Wirksamkeit der durch langwirksame Muscarinrezeptor-Antagonisten (LAMA) vermittelten Zytokinhemmung in vitro (Juergens LJ et al. 2020).

In randomisierten, kontrollierten Studien konnte mittels einer Zusatztherapie mit 1,8-Cineol (3 × 200 mg/Tag) über 6 Monate eine Verbesserung des unkontrollierten Asthmas durch eine signifikante Verbesserung der Lungenfunktion, des nächtlichen Asthmas und der Lebensqualitätswerte sowie bei COPD einen Rückgang der Exazerbationen (- 38,5 %) erzielt werden.

 

Indikation

Zur Förderung des Auswurfs bei bronchopulmonalen Erkrankungen, antimykotisch (siehe unten Tinea pedum), antiparasitär (siehe unter Eukalyptus).

Soledum® addicur, in der Zusam­mensetzung identisch zu  Soledum®Kapseln forte 200 mg, ist explizit für die Zusatztherapie der COPD zugelassen.

Eingeschränkte Indikation

Unerwünschte Wirkungen

Allergische Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden

Wechselwirkungen

Hepatische Enzyminduktion mit Beschleunigung des Fremdstoffmetabolismus und möglicher konsekutiver Wirkungsabschwächung von Begleitmedikamenten.

Präparate

Extern:

  • Soledum®, Transpulmin®.

Systemisch:

  • Soledum® (100 mg Cineol/Kps) oder Soledum® forte (200 mg Cineol/Kps)
  • Dosierung, Erwachsene: 3 x 200 mg 1,8-Cineol (Soledum forte)/ Tag = 600 mg/Tag; alternativ: 4 x 200 mg 1,8-Cineol (Soledum forte)/ Tag = 800 mg/Tag.
  • Erhaltungsdosis bzw. Dauertherapie: 2 x 200 mg 1,8-Cineol / Tag = 400 mg/Tag.
  • Bei Asthma mit Steroidbedarf: deutliche Reduzierung des Steroidbedarfs Dosierung 3 x 200 mg / Tag.
  • Kinder: 2-12 Jahre, 3 x 1 Soledum Kps Kps a 100 mg Cineol.
  • Soledum® addicur für COPD zugelassen.
  • Sinolpan® forte 200 mg Weichkapseln, Cineol Pohl® 300 mg Weichkapseln.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Fischer J et al. (2013) Efficacy of cineole in patients suffering from acute bronchitis: a placebo-controlled double-blind trial. Cough 9: 25
  2. https://arzneipflanzenlexikon.info/eukalyptus.php
  3. https://register.awmf.org/assets/guidelines/020-003l_S2k_Diagnostik-Therapie-erwachsene-Patienten-mit-Husten_2019-1pdf
  4. https://www.soledum.de/arzneimittel/soledum/soledum-kapseln.html
  5. Juergens LJ et al. (2020) New Perspectives for Mucolytic, Anti-inflammatory and Adjunctive Therapy with 1,8-Cineole in COPD and Asthma: Review on the New Therapeutic Approach. Adv Ther 37:1737-1753.
  6. Redaktion Facharztmagazine. Cineol wirkt entzündungshemmend und antiviral. MMW Fortschr Med. 164:64.
  7. Schumacher B (2022) Cineol ist weit mehr als ein Mukolytikum. MMW Fortschr Med 164:62.
  8. Shahi SK et al (2000) Broad spectrum herbal therapy against superficial fungal infections. Skin Pharmacol Appl Skin Physiol 13: 60-64
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