Genitalekzem L30.8

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 09.03.2026

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Definition

Ekzem im Genitalbereich unterschiedlicher Ursache. Häufig bei atopischer Diathese, selten kontaktallergisch bedingt. Die Veränderungen können zudem ausgelöst sein durch irritative Mechanismen bei Harninkontinenz oder auf dem Boden einer Psoriasis oder bei einer übertriebenen Hygiene entstehen.

Ätiopathogenese

Oftmals anlagebedingt. Bei allergischer Genese u.a. durch Inhaltsstoffe von Körperreinigungs- und Pflegeprodukten hervorgerufen, insbes. durch Seifen, Badezusätze, Bademilch, Parfums, Waschmittel (Duftstoffe!), Intim-Waschlotionen, Monatsbinden, Tampons, Desinfektionsmittel, Empfängnisverhütungsmittel (Kondome, Diaphragma, lokale chemische Kontrazeptiva).

Therapie

Genitalekzeme neigen, wenn kein Auslöser gefunden wird, zur Chronizität und Therapieresistenz. Der Therapieerfolg ist häufig für Therapeut wie Patient unbefriedigend. Wichtig ist es, den Patienten darüber aufzuklären. Genitalekzeme zeichnen sich durch einen intensiven Pruritus aus; die Lebensqualität des Patienten ist erheblich vermindert. Häufig besteht Steroidatrophie nach langjähriger Anwendung, die nach Entzug zu einer Verstärkung der Symptomatik führt. Wesentlich ist das Erkennen klagend larmoyanter Persönlichkeiten, die bei minimalem Befund einen maximalen Reichtum an Pruritussymptomatik produzieren. Bei diesem genitalzentrierten psychosomatischen Symptomenkomplex liegen häufig Partnerkonflikte vor. Es empfiehlt sich in diesem Fall die Konsultation eines psychosomatisch ausgebildeten Therapeuten.

Bei kontaktallergischen Ekzemen → Ausschaltung des Allergens.

Bei der Lokaltherapie auf allergologisch indifferente Grundlagen achten, z. B. Vaselinum album, Unguentum emulsificans aquosum oder Ungt. zinci (DAB).

Ansonsten stadiengerechte Ekzemtherapie. Bei Bedarf Anwendung niedrigpotenter Glukokortikoide in geringen Konzentration wie z.B. 0,5 %iges Hydrocortison (R120), aufgrund guter Penetration und des Okklusionseffektes im Genitalbereich.

Bei chronischem Ekzemstatus kurzfristig mittelpotentes Glukokortikoid, dann Wechsel auf ein schwach wirksames Glukokortikoid und dauerhaft auf  Polidocanol- oder Gerbstoff-haltige Applikationen (s. u. Ekzem).

Bei mykotischer Überlagerung bzw. häufig rezidivierenden Mykosen zusätzlich Imidazol-Antimykotika wie Clotrimazol 1 %. Ergänzend Sitzbäder mit Tannolact.

Daneben allgemeine Maßnahmen und Richtlinien bezüglich Intimreinigung und Pflege. Chronische Irritationen im Glansbereich bessern sich häufig nach Zirkumzision.

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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