Angioödeme hereditäre (Übersicht) D84.1

Zuletzt aktualisiert am: 03.08.2022

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Synonym(e)

Hereditäre Angioödeme

Erstbeschreiber

Das Wissen über seltene genetische Krankheiten wie das hereditäre Angioödem (HAE) hat sich parallel zur Entwicklung neuer molekularer Werkzeuge weiterentwickelt. Der Mangel an C1-Inhibitor (C1-INH) ist seit den 1960er Jahren als Hauptursache des HAE (HAE-C1-INH) anerkannt. Die Entdeckung des breiten Spektrums von Mutationen, die das C1-INH-Gen (SERPING1) betreffen, war erst ab Ende der 1980er Jahre möglich, als die Sanger-Sequenzierung verfügbar und weltweit leichter zugänglich wurde.

Die Beteiligung anderer Gene am HAE wurde jedoch erst 2006 mit der Beschreibung von Mutationen im F12-Gen bei Patienten mit HAE und normalem C1-INH entdeckt. Die durch die neue Ära der Genomik gewonnenen Erkenntnisse waren entscheidend für die Entdeckung von Mutationen in weiteren Genen, die das Verständnis für die komplexe Pathogenese dieses phänotypisch weitgehend identischen  Krankheitsbildes verbessert bzw. erklärbar macht. In den letzten drei Jahren ermöglichten fortschrittliche Sequenzierungstechniken der nächsten Generation die Identifizierung von Mutationen in fünf weiteren neuen Genen, die mit hereditären Angioödemvarianten mit normalem C1-INH (nC1-INH-HAE) in Verbindung gebracht werden konnten: ANGPT1 (Angiopoietin-1), PLG (Plasminogen), KNG1 (Kininogen), MYOF (Myoferlin) und HS3ST6 (Heparansulfat-Glucosamin-3-O-Sulfotransferase 6).

Ätiopathogenese

Grundsätzlich kann man bei den hereditären Angioödemen unterscheiden zwischen:

  • hereditären Angioödemen mit Mutation im C1-Esterase-Inhibitor-Gen (SERPING1): C1-INH-HAE (HAE-Typ I/ HAE-Typ II)

und

  • hereditären Angioödeme ohne nachweisbare Mutation im SERPING1-Gen: nC1-INH-HAE (HAE-Typen III - VIII) mit normalem C1-INH (s.u. Einteilung).

Bemerkung: Mutationen in SERPING1, dem Gen, das für C1-INH (C1-Esterase-Inhibitor) kodiert, sind für die ganz überwiegende Mehrzahl der Fälle von hereditärem Angioödem verantwortlich. Der C1-Esterase-Inhibitor (C1-INH) ist ein wichtiger Regulator kritischer Enzyme, der an den Kaskaden der Bradykininbildung beteiligt sind. Diese erhöhten die Gefäßpermeabilität und ermöglichen den Fluss von Flüssigkeiten in den extrazellulären Raum. Störungen in dieser Kasakade kann zu akuten Schwellungszuständen (Angioödem) führen.

 

Lokalisation

Gesicht, Extremitäten (v.a. Arme, seltener Beine), Genitalien;  auch  Lippen, Zunge, Abdomen (Bauchkrämpfe). Lebensbedrohlich: Kehlkopfschwellungen.

Literatur
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  1. Santacroce R et al. (2021) The Genetics of Hereditary Angioedema: A Review. J Clin Med 10: 2023.
  2. Veronez CL et al. (2021) The Expanding Spectrum of Mutations in Hereditary Angioedema. J Allergy Clin Immunol Pract 9: 2229-2234.

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