Heliotherapie

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Dr. med. Norbert Buhles

Co-Autor: Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 21.03.2026

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Definition

Gehört zusammen mit der Phototherapie zu den medizinischen Behandlungen mit Licht. Die Heliotherapie (griechisch: Helios = Sonne) nutzt dabei das natürliche Sonnenlicht. Die Phototherapie bedient sich dagegen künstlicher Lichtquellen wie UV- oder Weißlicht-Lampen.

Heliotherapie (d.h. die natürliche Anwendung des Sonnenspektrums von 280 - 2400 nm Wellenlänge) gilt als nachhaltig und klimaschonend, weil keine fossile Energie-Träger verbraucht werden. Neue und relevante Erkenntnisse aus Photobiologie und Photodermatologie werden stets beachtet. 

Bei der Heliotherapie im engeren Sinne wird die natürliche Sonnenstrahlung - insbesondere das UV-Licht - eingesetzt (als dermatologische Naturheilverfahren). Im weiteren Sinne ist Heliotherapie auch als Wirkung des Tageslichtes (400 - 700 nm/siehe Winterdepression) sowie Infra-Rotlicht (IR: 700 - 900 nm/z.B. Muskelrelaxation/Mucolyse) einsetzbar.

Nota bene: Heliotherapie im engeren Sinne findet heutzutage noch in dermatologischen Reha- oder/und Naturheilverfahren statt. 

Indikation

Die Heliotherapie wird an der See und im Gebirge als Naturheilverfahren oder bei einer Reha-Maßnahme im Rahmen einer Klima- oder Balneotherapie eingesetzt. Heute werden v.a. Hautkrankheiten/chronisch entzündliche Dermatosen (wie atopisches Ekzem oder Psoriasis, Lichen, Prurigo/Pruritus, Parakeratosen, Mb Darier usw.), empirisch auch das Anfangsstadium von (Haut-)Lymphomen heliotherapeutisch behandelt.
Sonnenlicht hat außerdem eine Wirkung auf die Psyche. Ein Mangel kann vor allem in den dunklen nordischen Wintern zu Depressionen führen ("Winterdepression"). Ihnen kann mit künstlichem Licht (z.B. Tageslicht-Lampen: 400 - 700 nm Wellenlänge) begegnet werden. Dieses wie auch die therapeutische IR-Anwendung sind als eigenständige Verfahren anzusehen.

Selbst bei der Heliotherapie im engeren Sinne ist ärztliche Anweisung und Verlaufskontrolle geboten, um relevante kurz- und langfristige Folgen (u.a. Sonnenbrand, aktinische Folgeschäden) zu reduzieren. Dabei bewährt sich die Kooperation mit ortsnahen UV-Messstationen, die zeitnah für die unterschiedlichen Hauttypen (n. Fitzpatrick) unbedenkliche Expositionsdauern empfehlen (exemplarisch siehe unter: https://www.uv-tech.de/Messwerte_Sylt.php).

In der Praxis wird bspw. wegen des i.d.R. guten Ansprechens der Psoriasis auf UV-B (280-320 nm) die einzelfallbezogene Expositionsdauer und - Tageszeit in den UV-B-reichen Mittagsstunden sowie wegen des besseren Wirkens von UV-A (320 - 400 nm) bei Neurodermitis die Vor- oder Nachmittags-Zeit genutzt. Siehe auch Phototherapie.

Nota bene: Nachgewiesener Vit-D-Mangel wird heute nicht mehr mit Heliotherapie, sondern besser mit Vit-D3-Tabletten ausgeglichen.

Kontraindikation

Kontraindikationen für Heliotherapie sind die gleichen, wie bei Phototherapie (siehe dort), insbesondere: 

-Hautkrebs wie Melanom, Basalzellkarzinom oder Plattenepithelkarzinom,

-photosensitive Erkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes, Porphyrien und Xeroderma pigmentosum,

-medikamentös ausgelöste Lichtempfindlichkeit etwa durch Tetrazykline, Thiazide, Amiodaron, Johanniskraut usw.,

-akut-entzündliche Hauterkrankungen wie Sonnenbrand, Herpes simplex oder akute Schübe chronisch-entzündlicher Dermatosen.
-Cave bei Augenerkrankungen (Augenarzt-Konzil) oder einer Vorgeschichte von Hautkrebs (relative Kontraindikation). Ggf. kann vor Durchführung einer UV-Therapie die individuelle UV-Empfindlichkeit mittels Lichttreppen-Test (z.B. nach Wucherpfennig) indiziert sein. Beschreibung des Tests siehe unter MED (Minimale Erythem-Dosis).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Harms V et al. (2002) Die Behandlung der Neurodermitis an Nord- und Ostsee: verwendete Therapien und Quantifizierung der Befundbesserung. Phys Rehab Kuror 12: 89-94
  2. HerzingerTh et al. (2015) S1-Leitlinie zur UV-Phototherapie und Photochemotherapie .AWMF-Leitlinie-Register Nr. 13-029
  3. Stick C et al. (1996) Spektroradiometrische Erfassung der solaren Ultraviolett Strahlung an der Nordseeküste. Phys Rehab Kur Med 6: 1-6
  4. Tronnier H (1984) Balneo- und Balneophototherapie von Dermatosen. Z Phys Baln Med Klim  13: 70-85
  5. Vogl C, Buhles N (1992) Heliotherapie an der Nordsee bei Psoriasis. Hautnah derm 5: 506-511

 

 

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Zuletzt aktualisiert am: 21.03.2026