Depigmentierungsmittel

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Zuletzt aktualisiert am: 01.08.2019

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Synonym(e)

Bleaching-Produkte; Butylresorcinol; Hautaufhellungsmittel; Hautbleichmittel; Hautbleichmittel. Whitening-Produkte

Definition

Mittel oder Verfahren zur kosmetischen Behandlung der Haut, die dazu bestimmt sind, die Haut und / oder die Körperbehaarung aufzuhellen und / oder um Pigmentunregelmäßigkeiten der Haut zu beseitigen.

Unerwünschte Pigmentierung und Hyperpigmentierungen der Haut (häufige Störungen der Pigmentierung treten bei Frauen v.a. in und nach der Schwangerschaft als dunkle Verfärbungen im Gesicht auf: Melasma). Sie können medizinisch und kosmetisch behandelt werden (nicht alle in der medizinischen Anwendung erlaubten Mittel sind für Kosmetika zugelassen so z.B. Hydrochinon).  

Für die Aufhellung der Haut kommen physikalische Verfahren wie verschiedene Laserverfahren, Mikrodermabrasionen und kryotherapeutische Verfahren in Frage. Weiterhin werden chemische Therapieverfahren eingesetzt wie keratolytische, Oxydationsmittel und Reduktionmitttel (Bleichmittel) sowie Mittel die in die Biosynthese der Melaninbildung (z.B. Tyrosinase-hemmende Präparate) eingreifen. 

 

Präparate

Physikalische  Verfahren

Laser- und IPL- Behandlungen (Rubinlaser, Alexandritlaser, Nd:YAG-Laser,  Erbium-YAG-Laser): Bei Laserbehandlungen kommt hochenergetisches Licht zum Einsatz. Dabei werden Pigmentzellen und pigmenttragende Keratinozyten in der Epidermis zerstört. Je nach Laserart können auch dermale Melanozyten zerstört werden. Die „Q-switched“ Laser mit extrem kurzen Pulsen im Bereich von Nanosekunden können Melanin zerstören. Zu diesen Lasersystemen gehören der 694-nm-Rubin-Laser, der 755-nm-Alexandrit-Laser, der 532-nm-Nd:YAG-Laser und der 1.064-nm-Nd:YAG-Laser. Eine oberflächliche Ablation die zur Pigmentabtragung führt, (Resurfacing) ist mit 2940-nm- Erbium-YAG- und 10.600-nm- CO2-Lasern möglich.

Kryopeeling: Die ablative oberflächliche Kryotherapie ist in der Hand des erfahrenen Therapeuten eine elegante Methode um Hyperpigmengtierungen der Haut zu beseitigen. i.A. genügt eine einmaliger Gefrierzyklus um einen ausreichenden Effekt zu erreichen.

Chemische Verfahren

Fruchtsäurepeeling: AHA-Säuren (Alphahydroxysäure) wie Glykolsäure entfernen oberflächliches, melaninhaltiges Zellmaterial. Weiterhin führt die Stimulierung der Zellproliferation zu einem schnelleren Austausch melaninhaltiger Zellen.

Sonstige Säurepeeling: Salicylsäure und hochkonzentriertes freies Vitamin C (Ascorbinsäure) wirken ebenfalls keratolytisch und damit haufhellend.

Chemische Verfahren: Melanophobe Wirkstoffe

  • Liposomales Vitamin C: Liposomales Vitamin C (Ascorbyl Phosphate) hemmt die Tyrosinase und zugleich die mit Oxidationen verbundenen Folgeschritte der Melanogenese. Freies Vitamin C ist wegen seiner Instabilität gegenüber Luftsauerstoff und seiner geringen Penetrationsfähigkeit weniger geeignet.
  • Antioxydanzien: Die antioxidative Wirkung der Polyphenole ist begrenzt. Dies gilt insbesondere für polyphenolische Verbindungen wie Katechine, Resorcine, Flavone, Isoflavone und Gallate bzw. die Extrakte aus grünem und schwarzem Tee, Kaffee, Soja u.a..

Tyrosinasehemmer

  • Rucinol: Rucinol (4-Butyl-benzol-1,3-diol) ist ein ein Tyrosinasehemmer vom Resorcintyp. Rucinol wird sowohl in topisch pharmazeutischen als auch kosmetischen Präparaten verwendet.
  • Butylresorcinol: B-Resorcinol gehört zu den Tyrosinasehemmer und wird in kosmetischen Präparaten angewandt.  Hautirritationen treten nur selten auf und das B-Resorcinol wirkt gegen die häufigsten Formen der Hyperpigmentierung wie Melasma und Altersflecken.
  • Azelainsäure: Azelainsäure, ein kompetitiver Hemmer der Tyrosinase ist eine natürlich vorkommende, untoxische Dicarbonsäure. Topische Azaleinsäure wirkt erst in hoher Dosierung, die nur in pharmazeutischen Präparaten möglich ist.  In kosmetischen, liposomaler Applikationsform zeigen jedoch längerzeitig applizierte 1%ige Azaleinpräparate eine aufhellende Wirkung. Azelainsäure wirkt bei Akne- und Rosacea antimikrobiell wirkt.
  • Arbutin in hautaufhellende pflanzlichen Extrakten: Zum präventiven Einsatz von hautaufhellenden kosmetischen Wirkstoffen dienen häufig pflanzliche Extrakte. Ihre Wirkweise ist nicht immer im Einzelnen bekannt.  Diese enthalten als wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoff häufig das Hydrochinonderivat Arbutin. Beispiele sind folgende Pflanzenextrakte: 
  • Malve (Malva sylvestris)
  • Pfefferminz (Mentha piperita)
  • Schlüsselblume (Primula veris)
  • Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)
  • Echtem Ehrenpreis (Veronica officinalis)
  • Melisse (Melissa officinalis)
  • Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Arbutin (Hydrochinon-beta-D-glucosid): Die meisten hautaufhellend wirksamen Pflanzenextrakte enthalten Arbutin, eine natürlich vorkommende glykosidische Hydrochinonverbindung. Arbutin wird v.a. aus Uvae uris folium, den Blättern der Bärentraube gewonnen. Gegenüber Hydrochinon hat Arbutin den Vorteil, dass es weniger sensibel auf den Luftsauerstoff reagiert. Nur geringe Anteile des Arbutins werden in die Einzelkomponenten (Hydrochinon) gespalten. Trotzdem wird die Freisetzung von Hydrochinon vom BfR als bedenklich eingestuft.
  • Hydrochinon (in Europa in Kosmetika nicht erlaubt): Hydrochinon ist  in kosmetischen Aufhellern nicht erlaubt.  Hydrochinon ist nur noch in Haarfärbemitteln (max. 0,3%) mit dem Warnhinweis "enthält Hydrochinon". Hydrochinon ist in den USA in Kosmetika bei Konzentrationen < 2 %  frei erhältlich.
  • Hydrochinon (in medizinischen Präparate erlaubt): Hydrochinon (2%-4%) wird in medizinischen Präparaten bei Hyperpigmentierungen eingesetzt. Die Substanz hemmt die Tyrosinase. Dementsprechend kann man eine präventive Wirkung und die Aufhellung einer bereits bestehenden Pigmentierung beobachten. In topischen, aufhellenden Pharmazeutika wird Hydrochinon unter anderem mit Hydrocortison und Retinoiden wie Vitamin-A-Säure kombiniert (s.u. Hydrochinon-Salbe 3%). Vitamin-A- Säure provoziert dabei einen intensiven Zellerneuerungsprozess und führt zur schnelleren Abtragung von Pigmenten. Hydrocortison in medizinischen Bleichmittel reduziert die Pigmentbildung der Melanozyten.
  • Topische Retinoide
  • Topisches Tretinoin in Konzentrationen von 0,05–0,1 % ist ebenfalls wirksam. Entzündliche Reizungen sollten nach Möglichkeit vermieden werden (Gsfahr der postinflammatorischen Hyperpigmentierung). Der Mechanismus der Melaninreduzierung ist unbekannt. Wichtig: Die Behandlung mit Tretinoin muss konsequent über einen Zeitraum von 20 bis 40 Wochen durchgeführt werden. Alternativ kann 0,1 %iges Tazaroten wirksam eingesetzt werden.
  • Kojisäure: Kojisäure (5-Hydroxy-2-hydroxymethyl-4H-pyran-4-on) ist wie Hydrochinon ein starkes Reduktionsmittel und hemmt die Tyrosinase. Kojisäure bleicht sehr effektiv und ist in Asien verbreitet. Der auf Bakterien mutagen wirkende Stoff stand in Europa lange unter dem Verdacht, karzinogen zu sein. Studien konnten diese Vermutung allerdings nicht belegen. Allerdings ist Kojisäure in der Schweiz in Kosmetika verboten.
  • Süßholzwurzel-Extrakt (Wirkstoff: Glabridin). Lakritzextrakte haben eine ähnliche Wirkung wie die von Kojisäure. Der wesentliche Bestandteil ist Glabridin. Glabridin ist ebenfalls ein Inhibitor der Tyrosinase in den Melanozyten
  • Tranexamsäure: Tranexamsäure wird in asiatischen Ländern als Depigmentierungsmittel eingesetzt (in Deutschland wird die Substanz als Antifibrinolytikum genutzt). Tranexamsäure hemmt effektiv die Tyrosinase und führt zu einer Hautaufhellung. Bei Melasmen sind liposomale Dispersionen besonders effektiv.
  • Dibenzoylperoxid: Die Hautaufhellung ist als Nebenwirkung bei Dibenzoylperoxid bekannt, das in pharmazeutischen Cremes zur Aknebehandlung enthalten ist. Auch Wasserstoffperoxid führt zur Depigmenterung (Haarblondierung).

Präventiver Einsatz von Lichtschutzpräparate

Der Gebrauch von physikalischen und chemischen Sonnenschutzmitteln ist bei der Anwendung hautaufhellender Präparate die wichtigste begleitende Maßnahme. Da der natürliche Schutz durch Melanin fehlt, erhöht sich naturgemäß die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlen.

 

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