Levistici radix

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 23.04.2021

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Synonym(e)

Levisticum officinale Koch, radix; Liebstöckelwurzel

Definition

Levistici radix, auch Liebstöckelwurzel genannt, ist eine von der Kommission E monographierten Droge, die in pflanzlichen Arzneimitteln vorbeugend gegen Nierengrieß und bei einer Durchspülungstherapie zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen der ableitenden Harnwege Anwendung findet.

Liebstöckel hat eine lange Geschichte: Tausende von Jahren traditioneller medizinischer Verwendung zur Behandlung einer breiten Palette von Beschwerden (Colombo et al. 2011; De Voss 2010). Die traditionelle Anwendung von Levisticum officinale bei verschiedenen Krankheiten ist in mehreren Handbüchern und in der Volksüberlieferung ausführlich dokumentiert. Seine Anwendung wird bereits in der Antike von Dioskurides als griechisch: ligusticon, lateinisch: ligusticum erwähnt, die Pflanze in der Alpenregion Ligurien in Italien angebaut wurde (Dioskurides).

Liebstöckelzubereitungen wurden im Mittelalter vor allem als Emmenagogum, Karminativum diureticum und als Heilmittel für verschiedene Hautkrankheiten verwendet und wurden von Lonicerus (1564) und Matthiolus (1501-1577) nach Madaus  erwähnt.

Das mittelalterliche Quellenbuch: das Capitulary de Villis (9. Jahrhundert) enthält Liebstöckel als eine von vielen Speise- und Heilpflanzen, die in jedem kaiserlichen Garten angebaut werden sollten . Seit Jahrhunderten ist er als karminatives und krampflösendes Volksmittel bekannt. In der kosmetisch-medizinischen Abhandlung von Trotula de Ruggiero von der Schola Medica Salernitana aus dem 11. Jahrhundert wird Liebstöckel zur Hautaufhellung angegeben. In Deutschland wurde er bei entzündlichen Zuständen der Harnwege und bei Nierensteinen zugelassen. In Frankreich wurde Liebstöckel als Verdauungs- und Karminativum verwendet und als Zutat für Süßwaren. Die therapeutische Wirkung von Liebstöckel ist bei Madaus (1938) und in vielen anderen Quellen beschrieben (Madaus 1938). 

Inhaltsstoffe

Levistici radix enthält 0,4 bis 1,7 % ätherisches Öl mit den Hauptinhaltsstoffen Ligustilid (24 bis 62 %), 3-Butylphtalid und alpha-Terpinylacetat als charakteristische Gewürzkomponenten.

Darüber hinaus Cumarinderviate sowie die photoensibilisierenden Furanocumarine (Bergapten, Psoralen), Phenolcarbonsäuren, chemo- und thermolabiles Polyacetylen (+)-Falcarindiol und Vitamin C.

Wirkungen

Levistici radix weist spasmolytische, diuretische und karminative Wirkungen auf.

Anwendungsgebiet/Verwendung

Liebstöckelwurzel findet vorbeugend gegen Nierengrieß und bei einer Durchspülungstherapie zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen der ableitenden Harnwege Anwendung (HMPC-Monographie). 

Dosierung

Die Tagesdosis liegt entsprechend der Zubereitung, zwischen 4 und 8 g.

Unerwünschte Wirkungen

Es sind keine unerwünschten Wirkungen bekannt. Aufgrund photosensibler Eigenschaften der Furanocumarine sollte während der Therapie auf intensive UV-Bestrahlung und intensives Sonnenbaden verzichtet werden. Selten sind Kontaktallergien.

Kontraindikation

Bei akuten entzündlichen Erkrankungen des Nierenparenchyms; kardiale oder nephrogene Ödeme.

Wechselwirkungen

Es sind keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt.

Handelsnamen

im Handel erhältlich ist eine fixe Kombination von Liebstöckelwurzel+Rosmarinblätter+Tausendgüldenkraut.

  • Levistici radix (Liebstöckelwurzel)
  • Rosmarini folium (Rosmarinblätter)
  • Centaurii herba (Tausendgüldenkraut) = Canephron ®N Dragees (Erwachsene: 2-2-2(Kinder: 1-1-1)

Hinweis(e)

Bei einer Durchspülungstherapie sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 l/Tag geachtet werden.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Ashwood-Smith MJ et al. (1992) Photosensitivity from harvesting lovage (Levisticum officinale). Contact Dermatitis 26:356-357.
  2. Gijbels MJ et al. (1982) Phthalides in the essential oil  from roots of Levisticum officinale. Planta Med 44:207-211. 
  3. Lapeere H et al. (2013) Contact dermatitis caused by lovage (Levisticum officinalis) essential oil. Contact Dermatitis 69:181-182.
  4. Madaus G (1938) Levisticum officinale Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Georg Thieme Verlag S 1746-1749
  5. Schilcher H (2016) in: Leitfaden Phytotherapie, Urban & Fischer Verlag München, S. 205.
  6. Schinkovitz A et al. (2008) Antimycobacterial polyacetylenes  from Levisticum officinale. Phytother Res 22:681-684.
  7. Segebrecht S et al. (1989) Ligustilide: Guiding Component for Preparations of  Levisticum officinale Roots. Planta Med 55:572-573. 
  8. Sertel S et al. (2011) Chemical Composition and antiproliferative activity of essential oil from the leaves of a medicinal herb,  Levisticum officinale, against UMSCC1 head and neck squamous carcinoma cells. Anticancer Res 31:185-191.
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