Cannabis sativae indicae summitates et resina

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Zuletzt aktualisiert am: 27.04.2022

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Synonym(e)

Cannabis sativa; Gewöhnlicher Hanf; Hanf

Definition

Cannabis sativae indicae summitates et resina bezeichnet medizinische Zubereitungen aus der Hanfpflanze (Cannabis sativa und Cannabis indica).

Cannabis, Hanf, ist eine einjährige krautige Pflanze, die ursprünglich in Zentralasien heimisch war. Heute ist sie weltweit in allen gemäßigten bis tropischen Zonen zu finden, manchmal kultiviert, aber auch verwildert. Die Blätter der Hanfpflanze sind groß, gezahnt, lanzettförmig und auf beiden Seiten mit Drüsen und Haaren besetzt.

Die Drüsen sezernieren ein Harz, das zum allergrößten Teil aus Cannabinoiden sowie aus ätherischen Ölen besteht; weiterhin aus hochpolymeren Phenolen, Terpenen und Wachsen. Zur Zeit sind etwa 60 verschiedene Cannabinoide analysiert. Weit über hundert werden vermutet. Anteilsmäßig am stärksten vertreten sind:

Vorkommen

Ursprünglich wahrscheinlich in Zentralasien beheimatet, ist Hanf heute in nahezu allen gemäßigten bis tropischen Zonen verbreitet. Hanf wurde in China seit Jahrtausenden als Heilmittel gegen Malaria und rheumatische Erkrankungen eingesetzt. Vom Mittelalter bis in die Neuzeit wurden aus Hanf medizinische Produkte v.a. gegen Schmerzen gewonnen.

In Europa waren Hanf und Flachs lange Zeit wichtige Faserpflanzen mit Anwendungen bei der Papierherstellung (die Gutenberg – Bibel wurde auf Hanfpapier gedruckt), beim Handwerk und bei der Seefahrt (Hanfseile, Hanfstoffe, Schiffssegel usw.). Hanfsamen fand auch als Futtermittel Verwendung.

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Wirkungsspektrum

Die in der Cannabispflanze enthaltenen Cannabinoide:

  • Delta-9-Tetrahydocannabinol (Delta-9-THC) und
  • Cannabidiol (CBD)

sind am besten erforscht. Sie wirken über körpereigene Rezeptoren. Die bekanntesten Cannabinoid-Rezeptoren sind:

  • Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1)
  • Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2).

CB1 wird im ZNS und im Nervensystem des Darms exprimiert. Der CB2-Rezeptor findet sich auf Zellen des menschlichen Abwehrsystems und auf Zellen, die den Knochenstoffwechsel regulieren.

Cannabinoide wurden beispielsweise eingesetzt, um typische Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu lindern. Dazu zählen unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Weiterhin zählen neuropathische Schmerzen (Lee G et al. 2018), depressive Verstimmungen, Gewichtsverlust und Ängste zu den Indikationen einer Cannabis-Therapie. Insbesondere Delta-9-Tetrahydocannabinol und seine Metabolite 11-hydroxy-delta-9-Tetrahydrocannabinol und 11-nor-9-carboxy-Tetrahydrocannabinol sind für die psychogenen Effekte der Hanfpflanze verantwortlich (Huestis MA 2005).

 

Anwendungsgebiet/Verwendung

Hanfsamenöl: Aus den Samen von Cannabis wird Hanfsamenöl gewonnen. Dieses wird als Speiseöl und als gut verträgliches Hautpflegeöl genutzt. Hanfsamen enthalten nur unwesentliche Mengen an Tetrahydrocannabinol. Extrakte haben daher auch keine psychoaktive Wirkung. Bemerkung:  Alternativ zu Hanfsamenöl in der Hautpflege können Borretschsamenöl oder Nachtkerzenöl angewendet werden. Hanfsamenöl ist abzugrenzen von dem aus Blättern und Blüten des Hanfs destillierten ätherischen, psychotrop wirksamen Hanföl.

Haschischöl: Weiterhin abzugrenzen ist das Haschischöl, das aus dem Harz des Hanfs destilliert wird.

Unerwünschte Wirkungen

Cannabis-Allergie. Hanffasern und Stäube können aufgrund der glykosidischen Bindung von Menschen nicht abgebaut werden. Das intensive Einatmen dieser Stäube kann zu einer Akkumulation in der Lunge führen (Krankheitsbild der Byssinose).
Sensibilisierungen durch Cannabisprodukte sind bekannt, derzeit noch relativ selten, zukünftig aber häufiger als bisher zu erwarten. Beschrieben sind allergische Rhinokonjunktivitiden bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen, von denen einige schwer verliefen. Kreuzreaktionen durch das Lipidtransferprotein Can s 3 sind mit versch. Früchten und Gemüsesorten beschrieben (cannabis-fruit-vegetable syndrome) (Drouet M et al. 2017).

Gefäßschäden: Delta-9-Tetrahydrocannabinol kann bei längerem Konsum von Cannabisprodukten (evtl. in Kombination mit Zigarettenkonsum) zum Raynaud-Syndrom und evtl. zu einer "Cannabis-Arteriitis" führen (El Omri N et al. 2017) - einem Krankheitsbild, das der Thrombangiitis obliterans zugeordnet werden kann.

Hinweis(e)

Cannabis wurde zur „Heilpflanze des Jahres“ 2018 gekürt. Sie wird seit Tausenden von Jahren zur Schmerzlinderung eingesetzt. Pflanzliches Cannabis wird derzeit von einigen Patienten und ihren Befürwortern stark beworben, um jede Art von chronischen Schmerzen zu behandeln (Mücke M et al. 2018).

Marihuana: Die getrockneten und zerkleinerten harzhaltigen Blütentrauben und blütennahen, kleinen Blätter der weiblichen Pflanze werden als Marihuana (Gras) bezeichnet.

Haschisch: Harz der Triebspitzen, das durch Abstreifen von der Oberfläche der Triebspitzen gewonnen wurde.

Spice: Cannabinoid-haltige Modedroge  

In Deutschland ist Cannabis die am häufigsten konsumierte Droge.

Literatur
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  1. Bakirci N et al. (2007) Natural history and risk factors of early respiratory responses to exposure to cotton dust in newly exposed workers. J Occup Environ. Med 49:853-861
  2. Bar-Lev Schleider L et al. (2018) Prospective analysis of safety and efficacy of medical cannabis in large unselected population of patients with cancer. European journal of internal medicine 49:37–43.
  3. Decuyper II et al. (2017) Cannabis sativa allergy: looking through the fog. Allergy 72: 201–206.
  4. Drouet M et al. (2017) Cannabis et allergie croisée alimentaire Cannabis and crossed allergy with food. Revue de pneumologie clinique 73:290–293.
  5. Ebo DG et al. (2013)  New food allergies in a European non-Mediterranean region: is Cannabis sativa to blame? Int Arch Allergy Immunol  161:220-228 Epub 2013 Mar 15. PubMed PMID: 23549061.
  6. El Omri N et al. (2017) Cannabis arteritis. The Pan African medical journal 26:53.
  7. Mücke M et al. (2018) Cannabis-based medicines for chronic neuropathic pain in adults. Cochrane Database Syst Rev 3:CD012182.
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