Flaviviridae

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Zuletzt aktualisiert am: 13.02.2021

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Synonym(e)

Flaviviren

Definition

Die Flaviviridae oder Flaviviren (von lat. flavus, „gelb“ – ausgehend von dem Gelbfiebervirus) stellen eine Familie von Viren dar, die alle einsträngige RNA enthalten und daher taxonomisch den RNA-Viren zugeordnet werden. Die Typspezies der gesamten Familie ist das Gelbfieber-Virus. Alle Vertreter dieser Familie besitzen eine genomische RNA (gRNA) die in einem Kapsid verpackt sind, das durch das C-Protein gebildet wird. Ihn der Hülle befinden sich Homodimere des E-Proteins , die Spike-artig ausgebildet sind und zur Adsorption an die Wirtszelle dienen. Weiterhin finden sich in der Virushülle Lipide der ursprünglichen Wirtszelle und weitere eingelagerte virale Proteine wie das M-Protein. Die Viren vermehren sich im Cytoplasma der Wirtszelle. Sie sind im pH-Wert-Bereich von 7 bis 9 stabil.

Die genomische RNA (gRNA) ist in einem Kapsid verpackt, die durch das C-Protein ausgebildet wird. In der Hülle finden sich Homodimere des E-Proteins, die zur Adsorption an die Wirtszelle dienen. Ebenfalls in der Hülle ist das Matrixprotein M lokalisiert. Es ist mit dem E-Protein zu einem Heterodimer zusammengelagert.

Allgemeine Definition

Die genomische lineare ss (+) RNA (9,5-107 Kb) hat eine Größe von 40-50nm und ist in einem ikosaedrische Kapsid verpackt, dass durch das C-Protein ausgebildet wird. In der Kapsel des Virions befinden sich Homodimere des E-Proteins. Diese knospenartigen Vorwölbungen dienen zur Absorption an das Wirtsprotein. Ebenfalls in der Kapsel des Virions befinden sich die M-Matrixproteine, die mit den E-Proteinen zu Heterodimeren zusammengelagert sind. Die Replikation des Virus erfolgt nach Adsorption an der Zelloberfläche endozytotisch. Anschließend kommt es zur Fusion der Virushülle mit der endosomalen Membran der Wirtszelle. Nach Freisetzung der positivsträngigen RNA wird diese in ein einziges Polyprotein an Ribosomen translatiert. Dieses wird im endoplasmatischen Retikulum gespalten. Ausgehend von dem eingedrungenen RNA-Genom wird über verschiedene Kopiervorgänge neue Virus-RNA sowie Hüllproteine gebildet, sodass ein neues Virus entstehen kann.

Erreger

Zur Familie Flaviviridae zählen die Gattungen (International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV), Stand November 2018):

  • Flavivirus (früher Arbovirus B)
  • Hepacivirus
  • Pegivirus und
  • Pestivirus

Gattung Flavivirus: Die Erreger der Gattung Flavivirus rufen sowohl beim Menschen als auch beim Tier eine große Anzahl an Virusinfektionen hervor. Folgende Spezies sind von pathogener Relevanz:

  • Yellow fever virus: Gelbfieber-Virus (YFV) Erkrankung - Gelbfieber
  • Dengue virus:  (DENV)  Erkrankung - Dengue-Fieber
  • Tick-borne encephalitis virus (FSME-Virus, TBEV) Erkrankung – Frühsommer-Meningoenzephalitis
  • Japanese encephalitis virus (JEV) Erkrankung – Japanische B-Enzephalitis
  • Louping ill virus (Louping-ill-Virus, LIV) Erkrankung - Enzephalitis
  • Spezies Usutu virus (USUV) Erkrankung – bei Vögeln oft tödlich, beim Menschen geringe oder keine Symptome
  • West Nil virus (West-Nil-Virus, WNV) Erkrankung − West-Nil-Fieber
  • Zika virus (ZIKV) Erkrankung − Zika-Fieber

Gattung Hepacivirus

  • Hepacivirus A
  • Hepacivirus B (GB-Virus B)
  • Hepacivirus C (Hepatitis-C-Virus, HCV) – bedeutendster Vertreter; Erkrankung:  Hepatitis C
  • Hepacivirus D bis N        

Gattung Pegivirus (bei Drogenabhängigen; in Assoziation mit einem erhöhten Lymphomririko (Fama A et al. 2020)

  • Pegivirus A-K (GB-Virus A-K), befällt Neuweltaffen, vereinzelt auch Menschen
  • Pegivirus C (GBV-C, auch Human pegivirus, HPgV und Hepatitis-G-Virus) Erkrankung -  beim Menschen wurde das Virus in Zusammenhang mit einer Hepatitis-C-Infektion gefunden; v.a. unter Drogenabhängigen verbreitet.
  •  Pegivirus H (veraltet: Human hepegivirus, HHPgV oder HPgV-2) Erkrankung – wurde bei Drogenabhängigen entdeckt. Bedeutung unklar (Kandathil AJ et al. 2017).
  • Pegivirus I bis Pegivirus K (unklare Bedeutung)

Gattung Pestivirus (ausschließlich für Tiere pathogen - Schweizer M et al. 2014)  

  • Pestivirus C (Klassisches Schweinepest-Virus, SP-Virus) Erkrankung: Auslöser der Klassischen Schweinepest

 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Fama A et al. (2020) Human Pegivirus Infection and Lymphoma Risk: A Systematic Review and Meta-analysis. Clin Infect Dis 71:1221-1228. 
  2. Hof H et al. (2019) Medizinische Mikrobiologie. Thieme Verlag Stuttgart S 212-213
  3. Kandathil AJ et al. (2017) Presence of Human Hepegivirus-1 in a Cohort of People Who Inject Drugs. Ann Intern Med 167:1-7.
  4. Schweizer M et al. (2014) Pestiviruses. Annu Rev Anim Biosci2:141-163.

Verweisende Artikel (3)

Hepatitis C; Hepatitis-C-Virus; Zika-Fieber;

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