Fanconi-Anämie D61.0

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Co-Autor: Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 30.06.2026

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Synonym(e)

Anämie familiäre infantile perniziosaähnliche; Familiäre infantile perniziosaähnliche Anämie; Fanconi anemia; Fanconi Panmyelopathie; Fanconi-Panmyelopathie; Fanconi Panzytopenie; Fanconi-Panzytopenie; Konstitutionelle familiäre Panmyelopathie; Panmyelopathie konstitutionelle familiäre

Erstbeschreiber/Historie

Fanconi, 1927

Definition

Die Fanconi-Anämie (FA) ist ein seltenes, vererbbares, in der Regel autosomal-rezessives Syndrom, das jedoch bei bestimmten Genen eine X-chromosomale oder dominant-negative Vererbung aufweist. Klinisch steht eine aplastische Anämie mit progredientem Knochenmarksschwund und multiplen assoziierten Missbildungen im Vordergrund.

Vorkommen/Epidemiologie

Selten, weltweit sind 1000-1500 Erkrankungen beschrieben. Häufigkeit: ca. 0.5/100.000 Einwohner. Gehäuft bei Ashkenazi Juden und einigen Populationen in Südafrika.

Ätiopathogenese

Autosomal-rezessiv vererbte Defekte der Fanconi Anämie Komplementationsgruppengene.

  • FANCA (Genlokus: 16q24.3)
  • FANCB (Genlokus: 13q12.3)
  • FANCC (Genlokus: 9q22.3)
  • FANCD1 (Genlokus: 13q12.3)
  • FANCD2 (3p25.3)
  • FANCE (Genlokus: 6p22-p21)
  • FANCF (Genlokus: 11p15)
  • FANCG (Genlokus: 9p13) oder
  • FANCL (Genlokus: 2p16.1). 

Grubndsätzulich ist die FA ist durch einen Defekt bei der Reparatur von DNA-Schäden gekennzeichnet, der zu einem Knochenmarkversagen sowie zu einem erhöhten Risiko für verschiedene epitheliale Tumoren führt, am häufigsten Plattenepithelkarzinome im Kopf- und Halsbereich (HNSCC) sowie der Speiseröhre, des Anogenitaltrakts und der Haut. Bei Personen mit FA ist eine erhöhte Prävalenz des humanen Papillomavirus (HPV) festzustellen. Darüber hinaus weist eine Untergruppe der FA anogenitalen Plattenepithelkarzinome (SCCs) bei FA HPV-Sequenzen auf (Chihanga T et al. 2022).

 

Manifestation

4. bis 7. Lebensjahr.

Klinik

Hautveränderungen: Schmutzig-braune, flächige Hyperpigmentierungen der Intertrigines, am Hals, perioral, perianal, perigenital, daneben fleckförmige Hypopigmentierungen ("regentropfenförmig"). Seltener vereinzelte Café-au-lait-Flecken. Erhöhte Neigung an Karzinomen der Haut sowie an HPV-Infektionen (Chihanga T et al. 2022). 

Extrakutane Manifestationen: Chronisch progrediente Anämie (meist hyperchrom-makrozytär) sowie erhöhte Infektanfälligkeit. Außerdem Minderwuchs, Mikrozephalie, Hypogenitalismus, Hypo- bis Aplasie des radialen Unterarm- und Handanteils, vielfältige Missbildungen innerer Organe.

Labor

Makrozytäre Anämie, Leuko- und Thrombopenie, hypo- bis aplastisches Knochenmark, in der Chromosomenanalyse erhöhte Chromosomenfragilität.

Komplikation(en)/Assoziierte Erkrankungen

Vermehrte Entwicklung von Malignomen, insbes. ALL, Lebertumoren, Plattenepithelkarzinomen der Haut oder Schleimhäute (Oropharyngealtrakt), M. Bowen. Vermehrt Infekte (Respirationstrakt) u. Blutungen.

Externe Therapie

Pflegende Externa. Hypopigmentierungen können ggf. mit Hilfe einer Camouflage (z.B. Dermacolor) abgedeckt werden.

Bei Hyperpigmentierungen ggf. Ausbleichen mit Hydrochinon-Salbe (z.B. Pigmanorm). Bei der Therapie können unerwünschte Arzneimittelreaktionen und Nephropathien als Nebenwirkung auftreten, während Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert!

Interne Therapie

Therapie durch Onkologen und Internisten.

Verlauf/Prognose

Tod meist vor dem Erwachsenenalter.

Literatur
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  1. Chihanga T et al. (2022) Head and Neck Cancer Susceptibility and Metabolism in Fanconi Anemia. Cancers (Basel) 14:2040.
  2. Fanconi G (1927) Familiäre, infantile perniziosaähnliche Anämie. Jahrbuch Kinderheilk 117: 257-280
  3. Helbling-Leclerc A et al. (2021) Beyond DNA repair and chromosome instability-Fanconi anaemia as a cellular senescence-associated syndrome. Cell Death Differ 28:1159-1173.
  4. Ogilvie P et al. (2002) Skin manifestations of Fanconi anemia. Hautarzt 53: 253-257

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