Synonym(e)
Erstbeschreiber/Historie
Kuijpers TW et al. (2017); Kahr WH et al. (2017). Im Jahr 2017 beschrieben Kuijpers et al. erstmals den autosomal-rezessiven ARPC1B-Mangel als Ursache einer neuen Form der kombinierten Immundefizienz (CID). Dabei handelt es sich bislang um die klinisch wichtigste Erkrankung des ARP2/3-Komplexes.
Definition
Die Immundefizienz 71 mit entzündlichen Erscheinungen und kongenitaler Thrombozytopenie und kombinierte T- und B-Zell-Immunschwäche (IMD71) ist eine autosomal rezessiv vererbte Immunstörung, die durch das Auftreten rezidivierender bakterieller und viraler Infektionen sowie entzündlicher Erscheinungen wie Vaskulitis, Asthma bronchiale, Ekzeme im Säuglingsalter oder in der frühen Kindheit gekennzeichnet ist.
Die Laborbefunde sind unterschiedlich, zeigen aber in der Regel eine Thrombozytopenie, manchmal mit abnormaler Thrombozytenmorphologie, erhöhte IgE-, IgA- oder IgM-Serumwerte, Leukozytose, verringerte oder erhöhte T-Lymphozyten und erhöhte Eosinophile.
Detaillierte Studien zeigen eine gestörte Chemotaxis von Neutrophilen und T-Zellen sowie eine gestörte T-Zell-Aktivierung aufgrund von Defekten bei der Polymerisation von F-Actin.
Auch interessant
Labor
Typisch sind:
- T-Zell-Lymphopenie
- verminderte naive T-Zellen
- gestörte T-Zell-Proliferation
- verminderte Immunologische Synapse
- gestörte Chemotaxis
- verminderte NK-Zell-Funktion
- reduzierte class-switched Memory-B-Zellen
- Hyper-IgE
Diagnose
Next-Generation-Sequencing (bzw. Whole-Exome/Genome-Sequencing)
Nachweis biallelischer ARPC1B-Mutationen
Fehlende oder stark verminderte ARPC1B-Proteinexpression
Untersuchungen der Aktinpolymerisation
Analyse der T-Zell-Funktion
Therapie allgemein
Immunglobulinsubstitution
antiinfektiöse Prophylaxe
Symptomatische Behandlung entzündlicher Manifestationen
Behandlung der Thrombozytopenie
Allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSZT) als derzeit einzige kurative Therapie
Experimentell wird eine Gentherapie untersucht. In vitro konnte eine lentivirale Genkorrektur die T-Zellfunktion wiederherstellen.
Hinweis(e)
Einordnung innerhalb der IEI. Der ARPC1B-Mangel gehört zu den:
- Kombinierten Immundefekten (CID)
- Primären atopischen Erkrankungen (IEIwA /PADs)
- Erkrankungen mit Defekten der Zytoskelettregulation
- Er stellt neben dem Wiskott-Aldrich-Syndrom und dem DOCK8-Mangel einen wichtigen Vertreter der Actinopathien des Immunsystems dar.
LiteraturFür Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio
Kopernio- Brigida I et al. (2018) T-cell defects in patients with ARPC1B germline mutations account for combined immunodeficiency. Blood 132: 2362-2374.
- Kahr WH et al. (2017) Loss of the Arp2/3 complex component ARPC1B causes platelet abnormalities and predisposes to inflammatory disease. Nature Commun. 8: 14816
- Kuijpers TW et al. (2017) Combined immunodeficiency with severe inflammation and allergy caused by ARPC1B deficiency. J Allergy Clin Immun 140: 273-277.
- Somech R et al. (2017) Disruption of thrombocyte and T lymphocyte development by a mutation in ARPC1B. J Immunol 199:4036–4045.
- Thaventhiran JED et al. (2020) Whole-genome sequencing of a sporadic primary immunodeficiency cohort. Nature 583: 90-95.
Verweisende Artikel (1)
ARPC1B-Gen;Weiterführende Artikel (8)
Antibiotika (Übersicht); CID; DOCK8-Gen; IEIwA; Immunsuppressiva; IVIG; Whole-Genome Sequencing ; Wiskott-Aldrich-Syndrom;Disclaimer
Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.




