Eosinophile Ösophagitis K20

Autor: Prof. Dr. med. Guido Gerken

Co-Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Zuletzt aktualisiert am: 23.01.2023

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Synonym(e)

EoE; Eosinophile Ösophagitis, eosinophile; Eosinophilic esophagitis (engl.)

Erstbeschreiber

Attwood SE et al., 1993

Definition

Chronisch-entzündliche, immunvermittelte, ösophageale, eosinophile Mukositis mit ösophagealer Dysfunktion und eosinophiler Schleimhautinfiltration  (>15% eosinophile Granulozyten/Gesichtsfeld) 

Vorkommen/Epidemiologie

Prävalenz 50/100.000 Einwohner (bezieht sich auf die industrialisierten Länder); m:f=3:1

Ätiopathogenese

Ungeklärt; Nahrungsmittelallergene und aerogene Allergene setzen eine Entzündungsreaktion mit Aktivierung des Th2-Signalweges in Gang. Die Th-2 Zytokine (IL-13, IL-9, IL-5 ) stimulieren die Produktion von Eotaxin-3 sowie Periostin aus hyperplastischen Epithelzellen mit Adhäsion und Rekrutierung von Eosinophilen und Mastzellen. 

In etwa 50% der Fälle können Nahrungsmittelallergien nachgewiesen werden (Weizenallergie, Kuhmilchallergie).

Bei Kindern werden v.a. Nahrungsmittelallergien nachgewiesen, bei Erwachsenen stehen eher aerogene Allergene unter Verdacht.

 

Manifestation

In jedem Lebensalter möglich. Häufung zwischen dem 30.-50. LJ

Klinisches Bild

Unterschiedlich intensiv ausgeprägte Dysphagie, Bolusobstruktion, evtl. Sodbrennen oder andere Symptome des gastroösophagealen Refluxes (GERD). 

Bei Kindern: häufig abdominelle Schmerzen.

In manchen Fällen kann eine Bolusobstruktion das erste klinische Zeichen der Erkrankung sein.  

Häufig ist die eosinophilie Ösophagitis von Erkrankungen des atopischen Formenkreises begleitet wie:

Exakte Vergleichszahlen ergaben sich in einer größeren Studie von Mohammad AA et al. (2017), der die Prävalenzen von Patienten mit eosinophiler Ösophagitis hinsichtlich Komorbitäten von Asthma, allerg. Rhintis und atopischer Dermatitis, mit atopischen Patienten ohne eosinophile Ösophagitis verglich.  In den Vereinigten Staaten wird die Prävalenz von:

  • Asthma auf 22,3 %
  • allergischer Rhinitis auf 19,1 %
  • atopischer Dermatitis auf 8,3 %

geschätzt. Im Gegensatz dazu liegen ihre Prävalenzen bei Patienten mit eosinophiler Ösophagitis + :

  • Asthma bei (22,3) 39,0 %
  • allergischer Rhinitis bei (19,1) 61,9 %
  • bei atopischer Dermatitis bei (8,3) 46,1 %.

Diese Konstellationen deuteen auf einen starken Zusammenhang zwischen atopischen Erkrankungen und eosinophiler Ösophagitis hin. Darüber hinaus wiesen Patienten, bei denen eine eosinophile Ösophagitis + eine dieser 3  atopischen Erkrankungen gleichzeitig auftraten, signifikant höhere periphere Eosinophilenzahlen und höhere IgE-Werte auf.

 

Labor

Gehäuft Hämatoeosinophilie (5-50%), IgE erhöht (bei bis zu 70% der Patienten - s. zuvor).

Diagnose

Klinische Symptomatik 

Hämatoeosinophilie (in 5-50% der Fälle), erhöhtes Gesamt IgE (70% der Fälle).

Endoskopie des oberen Intestinaltraktes mit bioptischer Klärung (Nachweis von >15 eosinophilen Granulozyten pro HPF (High Power Field = Gesichtsfeld pro 400-fache Vergrößerung).  

Mögliche endoskopische Befunde: rötliche Längsfurchen, Krepppapier-Mukosa = unelastische fragile Mukosa, durch solitäre oder multiple Ringe (bei 82% der Pat. nachweisbar) erhält der Ösophagus einen Trachea-artigen Aspekt, Gabe von Protonenpumpeninhibitoren (PPI); 2/3 der Pat. mit EoE spricht nicht auf PPI an.

 

Differentialdiagnose

Gastroösophagealer Reflux (K21.9);

Malignome;

Motilitätsstörungen z.B. bei progressiver systemischer Sklerodermie (M34.0).   

Therapie


Therapeutisch kommen die sog. "3 Ds" (Diät - Allergenkarenz-, Drugs (topische Anwendung von Budenosid-Sprays), Dilatation (bei fixierten Fibrostenosen) in Frage. Bei Therapieresistenz systemische Therapie mit Glukokortikoide. 

Eine two-food-group elimination (glutenhaltiges Getreide, Milch) führt bei rund 40% der Betroffenen zu einer Remission der Ösophagitis (Molina-Infante et al. 2018)

 

Therapie allgemein

In größeren Studien konnte nachgewiesen werden, dass Auslassdiäten (Vermeidung der nutritiven Allergene) eine spürbare Reduktion der Eosinophilen-Infiltration (mit Besserung der klinischen Symptomatik) des Ösophagus bewirken kann. 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Arias a et al. (2014) Efficacy of dietary interventions for inducing histological remission in patients with eosinophilic esophagi is: a systematic review and meta-analysis. Gastroenterology 146:1639-1648. 
  2. Attwood SE et al. (1993) Esophageal eosinophilic with dysphasia. A distinct clinopahtologic syndrome. Dig Dis Sci 38: 109-116  
  3. Collins MH (2014) Histopathology of eosinophilic esophagitis. Dig Dis. 32:68-73.
  4. Hiremath GS et al. (201)  Esophageal Food Impaction and Eosinophilic Esophagitis: A Retrospective Study, Systematic Review, and Meta-Analysis. Dig Dis Sci 60:3181-3193.
  5. Mohammad AA et al. (2017) Prevalence of atopic comorbidities in eosinophilic esophagitis: A case-control study of 449 patients. J Am Acad Dermatol 76:559-560.
  6. Molina-Infante J et al. (2018) Step-up empiric elimination diet for pediatric and adult eosinophilic
  7. esophagitis: The 2-4-6 study. J Allergy Clin Immunol 141:1365-1372.
  8. Kinoshita Y et al. (2015)  Systematic review: Eosinophilic esophagitis in Asian countries. World J Gastroenterol. 21:8433-8440.
  9. Lin SK et al. (2015)A review of the evidence linking eosinophilic esophagitis and food allergy. Allergy Asthma Proc 36:26-33. 
  10. Merves J et al. (2014) Eosinophilic esophagitis. Ann Allergy Asthma Immunol 112:397-403.
  11. Philpott H et al.(2015) Eosinophilic esophagitis: a clinicopathological review. Pharmacol Ther 146:12-22.
  12. Tan ND et al.(2015) Steroids therapy for eosinophilic esophagitis: Systematic review and meta-analysis. J Dig Dis 16:431-442.

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