Seborrhoische Dermatitis des Säuglings L21.9

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles, Ana Vieira da Silva

Co-Autor: Dr. Sohrab Elahwiesy

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Zuletzt aktualisiert am: 04.09.2026

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Synonym(e)

Dermatitis seborrhoides infantum; Ekzem seborrhoisches des Säuglings; Infantile seborrheic dermatitis; Infantile seborrhoeic dermatitis; Infantile seborrhoische Dermatitis; Seborrheic dermatitis; Seborrhoisches Ekzem; Seborrhoisches Ekzem des Säuglings

Definition

Manifestationsform der seborrhoischen Dermatitis im Säuglingsalter

Vorkommen/Epidemiologie

Häufige Erkrankung des Säuglings die etwa bei 2-5% der Säuglinge auftritt.

Ätiopathogenese

Die Ätiopathogenese der infantilen seborrhoischen Dermatitis ist bislang nicht vollständig geklärt. Als möglicher pathogenetischer Faktor wird die im frühen Säuglingsalter physiologisch erhöhte Talgdrüsenaktivität diskutiert, die unter dem Einfluss adrenaler und gonadaler Androgene steht. Höhere DHEAS- und Testosteronspiegel wurden mit Talgdrüsenhypertrophie und erhöhter seborrhoischer Aktivität im frühen Säuglingsalter in Verbindung gebracht; ein direkter kausaler Zusammenhang mit der infantilen seborrhoischen Dermatitis ist jedoch nicht belegt (Kuiri-Hänninen T et al. 2013).

Daneben werden Veränderungen der epidermalen Lipidzusammensetzung und Barrierefunktion sowie des kutanen Mikrobioms als mögliche pathogenetische Faktoren diskutiert. Bei betroffenen Säuglingen wurden Veränderungen essenzieller Fettsäuren und der Stratum-corneum-Lipide beschrieben. Auch Malassezia spp. wurden teilweise häufiger nachgewiesen; die Befunde sind jedoch nicht einheitlich, sodass ihre kausale Bedeutung bislang nicht gesichert ist (Rau A et al. 2024).

Eine Beteiligung von Candida spp., insbesondere im Rahmen einer intestinalen Besiedlung, wurde in älteren Arbeiten ebenfalls postuliert. Ein gesicherter pathogenetischer Zusammenhang ließ sich jedoch nicht etablieren, sodass Candida nach heutigem Kenntnisstand nicht als gesicherter Bestandteil der Pathogenese gilt (Oranje AP et al. 1987).

Manifestation

Meist in den ersten 3 Lebensmonaten schon manifest. Damit ergibt sich ein deutlicher Unterschied zur atopischen Dermatitis des Säuglings, das erst nach dem 3. Lebensmonat manifest wird.

Lokalisation

Prädilektionsstellen: Kapillitium (Scheitelregion) auch als Gneis bezeichnet, Gesicht, Hals- und Brustregion sowie Intertrigines.

Klinik

Fettige, gelbe Schuppenkrusten auf dem Kopf oder retroaurikulär, auch im Bereich der Augenbrauen, der Nasolabialfalten und der Wangen. Auch trockene Schuppung am Stamm und in den Intertrigines tritt nicht selten auf. Bei Generalisation spricht man von Erythrodermia desquamativa (Begriff der heute weitgehend velassen wurde).

Differentialdiagnose

Atopische Dermatitis: in den ersten Lebensmonaten ist diese DD schwierig zu stellen, da sich das klinische Bild der Atopie erst mit zunehmendem Lebensalter einstellt (nicht vor dem 3 Lebensmonat).

Psoriasis capitis: bei ausgeprägten Formen ist eine Psoriasis (capitis) auszuschließen.

Langerhans-Zell-Histiozytose: Diese seltene Diagnose ist bei therapieresisten klinischen Verläufen zu berücksichtigen.    

Therapie allgemein

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Ausgleich des Körpergewichtes, häufiger Wäschewechsel, leichte Bekleidung.

Externe Therapie

Insgesamt austrocknend und entzündungshemmend.

Kopfherde: Bei leichter Schuppung Kopfwäsche mit blanden Externa (z.B. Dermowas, Satina, Sebamed-flüssig). 

Möglich ist auch eine Abtragung der Schuppung mittels Vaseline oder Mineralöl nach entsprechender Einwirkzeit. 

Bewährt haben sich Gerbstoffe, z.B. Tannolact, zunächst als Lotio, bei Beruhigung des Hautzustandes auch in Cremeform. Nässende Beugen und Falten können mit abtrocknenden Pasten (APP Kindersalbe, Candio Hermal Softpaste) behandelt werden. Alternativ kommt der Einsatz von Zinköl (vor Einsatz gut schütteln) in Frage.

Bei mykotischer Superinfektion des seborrhoischen Ekzems sollten antimykotische Externa eingesetzt werden, aufgrund des Alters bevorzugt Clotrimazol, bei reiner Candidose Nystatin.

Bei bakterieller Überlagerung: Versuch mit topischen Antibiotika wie mit einer Fucidinsäure-haltigen Creme.

Handwarme Bäder mit entzündungswidrigen Zusätzen wie Weizenkleie- und Haferstrohextrakt (Silvapin®).

Interne Therapie

Bei starkem Juckreiz Antihistaminika wie Doxylaminosuccinat (z.B. Mereprine Sirup 1-2mal/Tag 1 Teelöffel) für Säuglinge ab 6 Monaten. Bei positivem Stuhlbefund Sanierung mit Nystatin-haltigen Externa (Candio Hermal Suspension, Moronal) jeweils 4mal/Tag 1 ml p.o.

Eine systemische Therapie mit einem Glukokortikoid (Prednisolon 1,0mg/kgKG) ist nur in Ausnahmefällen notwendig.

Antibiotika sind bei Bedarf (Zeichen der bakteriellen Superinfektion) nach Antibiogramm einzusetzen.

Hinweis(e)

Klinisch. Bei nässenden Veränderungen sollte eine bakterielle/mykotische Überlagerung mittels Abstrich ausgeschlossen werden. Kontrolle Stuhl auf Hefen.

Literatur
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