Pyodermie vegetierende L08.0

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Zuletzt aktualisiert am: 11.10.2021

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Synonym(e)

Chronisch vegetierende Pyodermie; Chronisch-vegetierende Pyodermie; Pyoderma vegetans; Pyodermia chronica papillaris et exulcerans; Pyodermie chronisch vegetierende; Pyodermites végétantes et verruqueuses; Schankriforme Pyodermie; Vegetierende Pyodermie

Erstbeschreiber

Hallopeau 1898; Nanta und Bazex 1937 

Definition

Zunehmend seltener gebräuliche, nur unscharf definierte Bezeichnung für eine "chronische, fistulierende, peripher fortschreitende,  therapieresistente Pyodermie", die nach banalen Verletzungen auftreten kann und dann eine Eigendynamik entfaltet. Derartige chronische, auch fistulierende Pyodermien finden sich v.a. bei abwehrgeschwächten Patienten. Auch im Gefolge eines therapieresistenten Ulcus cruris können derartige vegetierende Hautvereiterungen auftreten. Die Abgrenzung zum Pyoderma gangraenosum erscheint "fließend" zumal das Auftreten einer vegetierenden Pyodermie ebenso wie das Pyoderma gangraenosum bei Colitis ulcerosa beschrieben wurde ( Bianchi L et al. 2001).

 

Erreger

Meist beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A oder Staphylococcus aureus. Seltener sind gramnegative Keime oder eine Mischflora der Auslöser (Molodoi AD et al. 2015). 

Ätiopathogenese

Defekte der humoralen oder zellulären Immunität, prädisponierende Lokalfaktoren, virulente Erreger, Infektion einer zugrunde liegenden Hautverletzung.

Lokalisation

Vor allem an den Extremitäten, insbes. an den Unterschenkeln lokalisiert.

Klinisches Bild

Sich peripher ausdehnende, schwammige, lividrote Knötchen mit zahlreichen Pusteln und Fisteln; zunächst siebartiger Aspekt. Später Ausbildung von unterschiedlich großen, schmierig belegten Ulzera mit bogenförmiger Berandungen. Vereinzelt bilden sich auch überlagernde, verruköse Epithelproliferate mit  Entleerung eines serös-eitrigen Sekrets auf Druck. Die Herde können bis handtellergroß werden. Häufig entsteht diese Form der Pyodermie als vegetierender Einzelherd. Multiples Auftreten ist jedoch möglich. Beschrieben wurden derartige Pyodermieformen z.B. in der Necrobiosis lipoidica oder in Strahlennarben, d.h. in vorgeschädigten bradydrophen Geweben.   

Die Abheilung erfolgt bei adäquatem Wundmangement unter Ausbidung unregelmäßig konfigurierter Narben. Auch Brücken- und Zipfelnarben.  

Externe Therapie

Konsequentes Wundmanagement (Bemerkung: ursächlich ist bei derartigen chronischen Pyodermien häufig ein ungenügendes Pflegemanagement anzuschuldigen).

Feuchte Umschläge mit desinfizierenden Lösungen wie Polihexanid (Serasept, Prontoderm, Prontosan), Chinolinol (z.B. Chinosol 1:1000 oder R042 ).

Salbenverbände mit desinfizierenden Zusätzen wie Polyvidon-Jod-Salbe (z.B. Betaisodona Salbe).

Bei tieferen Defekten stadiengerechte Wundbehandlung.

Interne Therapie

Antibiotika nach Antibiogramm.
  • Mittel der Wahl bei β-hämolysierenden Streptokokken ist Benzylpenicillin (Penicillin G) Dosierung 10 Mio. IE über 10 Tage. Alternativ Erythromycin (z.B. Erythrocin) 3mal/Tag 500 mg p.o., Doxycyclin (z.B. Doxy Wolff) 2mal/Tag 100 mg p.o.
  • Bei Staphylokokkeninfektionen Cephalosporine wie Cefuroxim (z.B. Elobact 2mal/Tag 250 mg p.o. oder Flucloxacillin (z.B. Staphylex Kps.) 3-4mal/Tag 0,5-1,0 g p.o.

Verlauf/Prognose

Keine Spontanrückbildung.

Hinweis(e)

Abzugrenzen ist die vegetierende (bakterielle) Pyodermie von dem ätiologisch ungeklärten Krankheitsbild des Pyoderma gangraenosum bei dem komplikativ weitere Organmanifestationen (z.B. Paraproteinämien, Polycythaemie vera, Colitis ulcerosa u.a.) hinzutreten können.

Einige Autoren führen die Schankriforme Pyodermie als eigenständiges Krankheitsbild. Klinisch und therapeutisch unterscheidet sich dieses Krankheitsbild jedoch nur unwesentlich von einer chronisch vegetierenden Pyodermie.   

Literatur
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  12. Shanavas S et al. (2019) Pyoderma Vegetans of the Perineum in the Setting of Ulcerative Colitis. ACG Case Rep J 6:e00170.
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