Ochronose exogene E70.2

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Zuletzt aktualisiert am: 15.07.2024

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Synonym(e)

Erworbene exogene Ochronose; Exogene Ochronose; Exogene Ochronosis

Erstbeschreiber

Pick, 19o3 (Arch Derm Syph 1903: 160)

Definition

Exogen induzierte, durch Bleichmittel hervorgerufene, (kosmetische) Ochronose-Variante (exogene Dyschromie), die besonders häufig in dunkelhäutigen Ethnien auftritt. Das Krankheitsbild wird v.a. nach >3Monate andauernder Anwendung von Hydrochinon-haltigen Bleichmitteln in Konzentrationen von > 4 % beobachtet. 

Vorkommen/Epidemiologie

Ochronose wurde am häufigsten bei Frauen mittleren Alters (53,2 %), afrikanischer Abstammung (45,2 %), schwarzer Ethnie (55,5 %) und Fitzpatrick-Hauttypen V-VI (52,4 %) nachgewiesen (Ishack S et al. 2022).

In Europa istt die externe Ochronose ein seltener Befund.

Für Südafrika wird bei der dunkelhäutigen Bevölkerung eine Prävalenz von 28-35% angegeben. 

Ätiopathogenese

Ein Zusammenhang mit Hydrochinon-haltigen Bleichmitteln ist anzunehmen! Es wird postuliert, dass das in Bleich-Cremes enthaltene Hydrochinon, ein Pehnolderivat, die gewebeständige Homogentisinsäure-Oxydase blockiert. Insofern kommt es zu einer Ansammlung und Ablagerung von Homogentisinsäure-Polymerisaten. 

In einer größeren Querschnittsuntersuchung (n=126) wurden am häufigsten Externa mit Hydrochinon-Konzentrationen von > 4 % verwendet (32,5 bzw. 35,7 % der Fälle). Die mittlere Anwendungsdauer betrug 5 Jahre, wobei nur wenige Fälle mit einer Anwendungsdauer von 3 Monaten oder weniger und lediglich acht Fälle mit einer Anwendungsdauer von 1 Jahr oder weniger gemeldet wurden (Ishack S et al. 2022).

Weitere Risikofaktoren für die Manifestation der Erkrankung sind Hauttyp V/VI, UV-Exposition und ethnische Besonderheiten (Langzeitbleaching ist ein kulturelles Phänomen bestimmter Volksgruppen für die ein helleres Hautbild ein erstrebenswertes Schönheitsideal ist).  

Manifestation

Die Langzeitanwendung von Bleachingssubstanzen bei dunkelhäutigen afrikanischen Frauen wird mit 25-96% angegeben.  

Lokalisation

Gesicht mit Betonung der Jochbeinbögen und der besonders UV-exponierten Areale. 

Klinisches Bild

Asymptomatische, flächige, konfluierende, unregelmäßige, braune bis schiefergraue Hyperpigmentierungen, teils mit unterlagerndem Erythem. Die Veränderungen treten insbes. über Knochenvorsprüngen (Stirn, Nase, Jochbeine) hervor. 

Histologie

In der oberen Dermis gruppiert liegende, gräulich-basophil tingierte feinfiedrige kollagene Fasern. Im Papillarkörper leicht verklumpt erscheinende gelblich-bräunliche, bananen-förmige, "ochronotische" Fasern. Vereinzelt Makrophagen.

Differentialdiagnose

Die Erkrankung ist abzugrenzen von der extrem seltenen, autosomal-rezessiven endogenen Ochronose (Alkaptonurie) mit Defekt der Homogentisinsäureoxidase.     

Therapie

Vermeidung Hydrochinon-haltiger Bleichmittel. Konsequenter Lichtschutz. 

Fallberichte zu erfolgreichenTherapieansätzen mit Tretinoin, Trichloressigsäure und Kryotherapie liegen vor.

Weiterhin wurde über den erfolgreichen Einsatz versch. Lasersysteme CO2-, Rubin-,Alexandrit-, Nd-YAG-Laser berichtet evtl. in Kombinatione mit Dermabrasion.     

Hinweis(e)

Die exogene Ochronose ist seit 1903 im Schrifttum verankert. Dei damals beschriebenen Fällen rührten auf der lang dauernden Verwendung von "Karbolsäure", ein damals gebräuchlicher Name für Phenol, die oftmals zu "Karbolsäurevergiftungen" führten. Phenol wurde in unterschiedlichen Konzentrationen als Ätz- und Desinfektionsmittel breit angewendet. Die Resorptionsgefahr ist immens. Bereits 20g äußerlich aufgepinselt führen schon zu schwerer Vergiftung.    

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Azami A et al.(2014)  Alkaptonuric ochronosis: a clinical study from
  2. Ardabil, Iran. Int J Rheum Dis 17:327-332.
  3. Bhattar PA et al.(2015) Exogenous Ochronosis. Indian J Dermatol 60:537-543.
  4. Blumeyer A et al. (2016) Progrediente Hyperpigmentierungen im Gesicht. Hautarzt 67: 922-924

  5. Haas N et al. (1988) Ochronoseartige Pigmentierung nach hydrochinonhaltiger Bleichcreme bei einer Schwarzafrikanerin. Akt Dermatol 14: 173-176
  6. Ishack S et al. (2022) Exogenous ochronosis associated with hydroquinone: a systematic review. Int J Dermatol 61:675-684.

  7. Pick L (1906) Ueber die Ochronose. Berl Klin Wochenschrift 43: 478-480 
  8. Simmons BJ et al.(2015) Exogenous ochronosis: a comprehensive review of the diagnosis, epidemiology, causes, and treatments. Am J Clin Dermatol 16:205-212.
  9. Tan SK (2011) Exogenous ochronosis in ethnic Chinese Asians: a clinicopathological study, diagnosis and treatment. J Eur Acad Dermatol Venereol 25:842-850.

Weiterführende Artikel (3)

Dyschromie; Hydrochinon; Phenol;

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