Sofpironiumbromid

Zuletzt aktualisiert am: 27.08.2026

Synonym(e)

Sofpironium bromide

Definition

Sofpironiumbromid (Summenformel: C₂₂H₃₂BrNO₅)  ist ein lokal anzuwendendes Anticholinergikum (wird als Gel angeboten) zur Behandlung der primären axillären Hyperhidrose, also des krankhaft gesteigerten Schwitzens in den Achselhöhlen.

Wirkungsspektrum

Sofpironium ist ein Ligand des M3-Muskarinrezeptors, der als retro-metabolisch konzipiertes Arzneimittel entwickelt wurde. Es blockiert kompetitiv vor allem muskarinische M3-Acetylcholinrezeptoren an den ekkrinen Schweißdrüsen (Fujimoto T et al. 2021; Oshima Y et al. 2026). Dadurch wird das cholinerge Signal zur Schweißsekretion unterbrochen und die Schweißproduktion vermindert.

Die Substanz wurde als sogenanntes „Soft Drug“ entwickelt. Nach seiner lokalen Wirkung soll es durch Esterasen rasch in deutlich weniger aktive Metaboliten umgewandelt werden. Damit sollen systemische anticholinerge Nebenwirkungen begrenzt werden.

Unerwünschte Wirkungen

Aufgrund seines Wirkmechanismus gegen Hyperhidrose über M3-Rezeptoren birgt Sofpironium das Risiko anticholinerger unerwünschter Wirkungen. In studieen waren die meisten anticholinergen unerwünschten Wirkungen je nach Schweregrad leicht oder mittelschwer, wobei das Risiko in randomisierten kontrollierten Studien kontrollierbar war.

In einer RCT (Pariser 2025) wurde über schwere Mundtrockenheit berichtet (Inzidenz: 0,8 %). In der Metaanalyse traten anticholinergische unerwünschte Ereignisse häufiger bei Patienten auf, die mit höheren Konzentrationen von Sofpironium behandelt wurden, was darauf hindeutet, dass das Risiko dosisabhängig ist.

Weiterhin wird über lokale Reaktionen wie Brennen, Rötung, Juckreiz oder Dermatitis berichtet (Oshima Y et al. 2026). Prinzipiell sind durch systemische Resorption auch anticholinerge Wirkungen möglich.

Kontraindikation

Kontraindikationen bestehen unter anderem bei Engwinkelglaukom, Myasthenia gravis, paralytischem Ileus, schwerer Colitis ulcerosa und Sjögren-Syndrom. Nach der Anwendung müssen die Hände sorgfältig gewaschen werden.

Präparate

Anwendung und Zulassung: als Gel einmal täglich abends auf beide Achselhöhlen

in den USA als Sofdra® 12,45 % Sofpironium – entsprechend 15 % Sofpironiumbromid – seit 2024 zugelassen. Zugelassen ab dem 9. Lebensjahr. 

In Japan bereits seit 2020 als Ecclock® 5 % verfügbar. Nach gegenwärtigem Stand keine reguläre EU-Zulassung.

Hinweis(e)

Bei der Verabreichung des Arzneimittels sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden: Das Arzneimittel sollte nicht direkt mit der Hand aufgetragen werden; sollte das Arzneimittel an die Hand gelangen, ist es unverzüglich abzuwaschen, damit es nicht versehentlich in die Augen gelangt. Um die Exposition gegenüber Anticholinergika zu verringern, wurde eine topische Formulierung von Sofpironium für eine bequeme Anwendung entwickelt.

In klinischen Studien war der Schweregrad der gemeldeten unerwünschten Wirkungen an der Anwendungsstelle im Zusammenhang mit der Behandlung mit Sofpironium überwiegend leicht oder mäßig, mit einem akzeptablen oder kontrollierbaren Profil. Sofpironium ist mit einem Risiko für Dermatitis und Erytheme an der Anwendungsstelle verbunden; dieses Risiko ist jedoch plausibel, da es für die topische Anwendung vorgesehen ist.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Abd-Alaziz Saad A et al. (2025) Impact of primary hyperhidrosis on patients' quality of life in Damietta governorates. Arch Dermatol Res 317:551.
  2. Behinaein P et al. (2024) A Review of the Etiologies and Key Clinical Features of Secondary Hyperhidrosis. Am J Clin Dermatol 26:97-108.
  3. Del Rosso JQ et al (2025) Sofpironium targets M3 receptors and results in early clinical meaningful improvement in primary axillary hyperhidrosis (PAH).  Poster presented at the 2025 Fall Clinical Dermatology Conference; October 23-26, 2025; Las Vegas, NV.
  4. Fujimoto T et al. (2021) A phase III, 52-week, open-label study to evaluate the safety and efficacy of 5% sofpironium bromide (BBI-4000) gel in Japanese patients with primary axillary hyperhidrosis. J Dermatol 48:1149-1161.
  5. Hristakieva E et al. (2023) Hidradenitis suppurativa from the typical patient to the new clinical phenotypes. Clin Dermatol 41:584–591.
  6. Odat RM et al. (2025) Efficacy and safety of sofpironium in treatment of primary hyperhidrosis: a systematic review. J Dermatolog Treat 36:2441258.
  7. Oshima Y et al. (2026) Efficacy and safety of topical sofpironium bromide in treating primary axillary hyperhidrosis: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Dermatol Reports doi: 10.4081/dr.2026.10853.
  8. Pariser D et al. (2025) Sofpironium topical gel, 12.45%, for the treatment of axillary hyperhidrosis: Pooled efficacy and safety results from 2 phase 3 randomized, controlled, double-blind studies. J Am Acad Dermatol 93:82-8.
  9. Yokozeki H  et al. (2021) A phase 3, multicenter, randomized, double-blind, vehicle-controlled, parallel-group study of 5% sofpironium bromide (BBI-4000) gel in Japanese patients with primary axillary hyperhidrosis. J Dermatol 48:279-288.

Verweisende Artikel (2)

Glcopyrronium; Hyperhidrosis axillaris;
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Zuletzt aktualisiert am: 27.08.2026