Weihrauch

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 18.07.2021

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Synonym(e)

Boswellia Carterii Birdw; Boswellia Serrate Extract; Boswellienharz; (e) Frankincense; Olibanum, Salaibaum, Salphalbaum

Definition

Weihrauch oder Boswellienharz ist das Harz des Weihrauchbaumes. Es gibt unterschiedliche Weihrauchbäume (Boswellia) in den Trockengebieten von Afrika und Indien (z.B. in Somalia, Äthiopien und Arabien). Je nach Herkunft unterscheidet man: Somalischen Weihrauch = Boswellia frereana, ostafrikanischen Weihrauch = Boswellia carteri oder indischen Weihrauch = Boswellia serrata. Die unterschiedlichen Boswellia-Arten erreichen Wuchshöhen von 1,0 bis 8 m. Die grünlich-aschfarbene Rinde schält sich in papierdünnen, glatten Stücken ab. Weihrauchbäume fangen an, Harz zu produzieren, wenn sie etwa 8 bis 10 Jahre alt sind. Sie werden 2 bis 3 Mal im Jahr angezapft. Bei dieser Weihrauchernte werden die Bäume an Stamm und Ästen eingeschnitten. Aus den Verletzungen sondert der Baum das Weihrauchharz ab (Olibanum indicum). Die Ernte kann nur bis zum Blattaustrieb und zur Blüte erfolgen, danach müssen die Bäume geschont werden.Gesammelt wird der indische Weihrauch zweimal im Jahr , im März und im Juni). Monate zuvor werden die Verletzungen in den Baum gesetzt. Der indische Weihrauch ist arzneilich interessant.  Das Harz dieses Weihrauches erstarrt zu gelblich bis bräunlichen Klumpen. 

Das gewonnene Weihrauchharz kommt in Form weißlich bestäubter, gelblicher, gelblich-rötlicher oder bräunlicher, unregelmäßiger Stücke oder kleiner Körner in den Handel (s. Abb.). Die Harzausbeute pro Baum liegt bei 3 bis 10 kg. Das Weihrauchharz ist ein körniges getrocknetes Harz (s. Abb.), das sich durch einen balsamisch-würzigen, leicht zitronigen und typischen Weihrauchduft auszeichnet.  Pharmakologische Bedeutung haben v.a. Boswelliasäuren und Tirucallsäuren in den Harzextrakten. Ein Wirkmechanismus der Boswelliasäuren, hier v.a. der  Acetyl-Keto-Boswelliasäure (AKBA) besteht in einer direkten Hemmung der 5-Lipoxygenase (Safayhi H et al. 1992). Die 5-Lipoxygenase stellt ein Schlüsselenzym zur Biosynthese von Leukotrienen dar. Weitere pharmakologische Wirkungen des Weihrauchs beruhen auf der nachgewiesenen Hemmung der Topoisomerasen (Wang L-G et al.1991, Hoernlein RF et al.1999) und Hemmung der Leukozyten-Elastase (Safayhi H et al. 1997). Leukotriene spielen bei vielen allergischen und entzündlichen Erkrankungen eine Schlüsselrolle. Die 5 Lipoxygenase stellt das Schlüsselenzym bei der Synthese von Leukotrienen dar.

Es wird in der Parfumindustrie, in Kosmetikprodukten s. Boswellia serrata extract (INCI) und in Arzneimitteln verwendet.

Ätherisches Weihrauchöl wird mittels Wasserdampf-Destillation aus dem Harz gewonnen.

Die Inhaltsstoffe des Harzes sind überwiegend Monoterpene, Sesquiterpene, Monoterpenole, Sesquiterpenole (s.u. Terpene) und Ketone. Weitere Inhaltsstoffe sind verschiedene Boswelliasäuren und Incensol.  

Phytotherapeutisch wird der indische Weihrauch verwendet, s. unter Boswellia serrata Roxb.

Vom HMPC bisher nicht bearbeitet.
ESCOP-Monographie: bei schmerzhafter Gelenkarthritis, ent­zündliche Darm­erkrankungen.
 

Anwendungsgebiet/Verwendung

Die Hemmung der Leukotriensynthese definiert die Anwendung der Boswellia-serrata-Extrakts für allergische und entzündliche Erkrankungen mit Leukotrien-Aktivierung.

In der klassischen europäischen Naturheilkunde wird Weihrauch hauptsächlich in der Rheumatologie, Gastroenterologie, Pulmologie sowie Neurologie eingesetzt und klinisch untersucht.

Rheumatologie: Bei der rheumatoiden Arthritis gibt es widersprüchliche Studienergebnisse. Einerseits von signifikanten Verbesserungen (Etzel R et al. 1996) bis hin zur keinerlei Beeinflussung von Entzündungswerten und subjektivem Empfinden (Sander O et al. 1998).

Gastroenterologie: Sowohl bzgl. der Colitis ulcerosa (Grupta I. et al 1997 und 2001) wie auch des M. Crohn  (Gerhard H et al. 2001) liegen Studien vor, die eine vergleichbare Wirkung von Boswellia serrata Extrakten und Sulfasalazin nachwiesen.

Pulmologie: Hier gibt es Hinweise auf eine deutliche Verbesserung durch Boswellia serrata Extrakte, die Studie umfasst allerdings eine sehr niedrigen Fallzahl von 40 Patienten (Gupta I et al. 1998) 

Neurologie:  Hier gibt es Hinweise auf eine Beeinflussung des perifokalen Ödems bei Gliomen und Astrozytomen (Heldt MR et al. 1998).

Incensol, ein weiterer Inhaltsstoff des Weihrauchharzes zeigte im Tiermodell angstlösende und antidepressive Effekte. Eine antidepressive Wirkung des Incensols wurde beim Menschen bisher nicht nachgewiesen.

Einige Untersuchungen legen nahe, dass Olibanum möglicherweise die Gedächtnisleistung teilweise verbessert, indem es die Spiegel der Transkriptionsfaktoren CREB-1 und CREB-2 (cAMP response element-binding) über positive/negative Rückkopplungsschleifen reguliert (Jebelli A et al. 2019).

Darüber hinaus konnten für Boswelliasäuren in vitro antiproliferative Effekte auf verschiedene Tumorzelllinien (z.B. malignes Melanom, Glioblastom, Leberkarzinom) gezeigt werden, die auf einer Induktion von Apoptose beruhen.

Traditionell wird Weihrauch antiinflammatorisch und antibakteriell eingesetzt. In Ostafrika bspw. gegen Krankheiten wie Syphilis, Bilharziose und Magenleiden.

Präparate

Boswellia-serrata-Extrakt H15® (Pharmasan GmbH Freiburg),   H 15 Ayurmedica®Kapseln, Trisana® Dermal C, boswellia‑Loges® Weihrauch-Kapseln

Hinweis(e)

Das Committee for Orphan Medicinal Products der europäischen Zulassungsbehörde EMEA in London hat am 11. Dezember 2002 eine positive Stellungnahme zum Einsatz von Boswellia-serrata-Harzextrakt der Firma Pharmasan GmbH  veröffentlicht. Diese beinhaltet eine europaweite Zulassung von Boswellia-serrata-Harzextrakt der Firma Pharmasan GmbH, Freiburg, zur Behandlung von perifokalen Ödemen, die durch Hirntumore bedingt sind (EMEA 2002).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Ammon H P (2002) Boswelliasäuren (Inhaltsstoffe des Weihrauchs) als wirksame Prinzipien zur Behandlung chronisch entzündlicher Erkrankungen. Wiener Medizinische Wochenschrift 152: 373–378.
  2. Bertsche T el al. (2002) Therapie mit Weihrauchextrakten. Pharmazeutische Zeitung 51.
  3. Etzel R (1996) Special extract of Boswellia serrata (H15) in the treatment of rheumatoid arthritis. Phytomed 3: 91 - 94.
  4. Gerhard H et al. (2001) Therapie des aktiven Morbus Crohn mit Boswellia serrata Extrakt H15. Z Gastroenterol 39: 11 - 17.
  5. Gilbert NC  et al. (2020) Structural and mechanistic insights into 5-lipoxygenase inhibition by natural products, Nature Chemical Biology volume 16 : 783–790.
  6. Gupta I et al.(1997) Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with ulcerative colitis. Eur J Med Res 2: 3743.
  7. Gupta I et al. (1998) Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with bronchial asthma: results of a double-blind, placebo-controlled, 6-week clinical study. Eur J Med Res 3: 511 – 514.
  8. Gupta I et al. (2001) Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with chronic colitis. Planta Med 67: 391 - 395.
  9. Heldt MR et al. (1997) Boswellic acids exhibit cytotoxic effects on brain tumor cells independent from 5-lipoxygenase inhibition. Naunyn Schmiedeberg’s Arch Pharmacol 355: 30
  10. Hoernlein RF et al. (1999) Acetyl-11-keto-beta-boswellic acid induces apoptosis in HL-60 and CCRF-CEM cells and inhibits topoisomerase I. J. Pharmacol Exp Ther 288: 613 – 619.
  11. Jebelli A et al. (2019) Beta-Boswellic Acid and Ethanolic Extract of Olibanum Regulating the Expression Levels of CREB-1 and CREB-2 Genes. Iran J Pharm Res Spring 18:877-886.
  12. Safayhi H et al. (1992) Boswellic acids: novel, specific, nonredox inhibitors of 5-lipoxygenase. J Pharmacol Exp Ther 261: 1143 - 1146.
  13. Safayhi H et al. (1997) Inhibition by boswellic acids of human leukocyte elastase. J. Pharmacol Exp Ther 28: 1460 - 463.
  14. Sander O et al. (1998) Is H15 (resin extract of Boswellia serrata incense) a useful supplement to established drug therapy of chronic polyarthritis? Results of a double-blind pilot study. Z Rheumatol 57: 11 - 16.
  15. Wang L-G et al. (1991) Determination of DNA topoisomerase II activity from L1210 cells – a target for screening antitumor agents. Acta Pharmacol Sinica 12: 108 - 114.
  16. Warnke et al. (1998): Die Rolle von Boswellia-Säuren in der Therapie maligner Gliome: Methodische Mängel. Deutsches Ärzteblatt 95: 220
  17. https://arzneipflanzenlexikon.info/index.php?de_pflanzen=97
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