Lipidstoffwechselstörungen/Dyslipidämie E78.9

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

Co-Autor: Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 27.07.2026

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Synonym(e)

Cholesterinerhöhung; Dyslipidämien; Dyslipoproteinämien; Fettstoffwechselerkrankungen; Fettstoffwechselstörungen; Hyperchoelsterinämien; Hyperlipidämien; Hyperlipoproteinämien; Hypertriglyzeridämie

Definition

Lipide (Fette und Fettsäuren) und der Lipidstoffwechsel sind lebensnotwendig für normale Körperfunktionen, sowie Aufbau und Aussehen des Körpers:

  • wichtige Energiequelle, Energiespeicherfunktion,
  • Schutz- und Stützfunktion,
  • Gallensäuren/enterohepatischer Kreislauf, Verdauung, Aufnahme lipidlöslicher Vitamine, Nähr- und Geschmacksstoffe (sekundäre Pflanzenstoffe/Antioxidantien), Elimination von Cholesterin und lipophilen Stoffen und Toxinen.
  • Zellstruktur, Aufbau und Funktion von Zellmembranen
  • unerläßlich für wichtige zelluläre Funktionen und Signalübertragung (u.a. Leitfähigkeit elektrischer Impulse, Hormonstoffwechsel, Fertilität)
  • elementare Rolle bei Immunantwort (angeboren und erworben), Immunmodulation

Daneben sind Lipide und deren Zusammensetzung insb. elementar für Aufbau und Funktion des Gehirns und ZNS sowie der Augen (höchster Lipidanteil; unabdingbar sind für die Organfunktion essentielle mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3, insb. DHA (Docosahexaensäure)); sowie in Form von  Körperspeicherfett oft unterschätzt aber bedeutsam als Organ mit eigener Hormonproduktion und Bedeutung für die Stoffwechselregulation.

Hieraus ergeben sich wichtige Bezüge zu chronischen Erkrankungen insb. kardiovaskuläre, metabolische, neurodegenerative Erkrankungen, chronische Inflammation, Adipositas und Autoimmunerkrankungen, Nephropathie sowie Krebserkrankungen.

Die überragende klinische Relevanz der Lipidstoffwechselstörungen ergibt sich aus den Folgen des kardiovaskulären Risikos aufgrund Erhöhung atherogener Lipoproteine (LDL-C, Triglyceride, Lp(a), daneben häufig zusätzl erniedrigtes HDL mit Entwicklung der Atherosklerose großer und kleiner Gefäße, KHK, pAVK, Karotisstenose mit den Folgen lebensbedrohlicher akuter Ereignisse (MI, Schlaganfall), sowie der Bedeutung bei der Entwicklung der Aortenstenose. Aufgrund des kausalen und kumulativen Lebenszeitrisikos atherogener Lipoproteine (insb. LDL-C, Lp(a)) (Ference BA et al 2018), sind diese auch in der Risikobestimmung und Prävention dieser Erkrankungen bedeutsam (siehe ESC/EAS Leitlinien 2019 und 2025, Mach F et al 2019, Mach F et al 2025). Atherosklerose und Folgen sind global und auch in Deutschland mit 40% der Todesfälle die Todesursache Nr. 1.

Allgemeine Information:

Am Lipidstoffwechsel beteiligte Lipide und Lipidverbindungen kommen aus exogener Zufuhr über die Nahrung und Resorption im Darm und aus endogener Synthese hauptsächlich in der Leber (de novo Cholesterinsynthese, Triglyzeride aus Lipid- und Glukosemetabolismus/Energiestoffwechsel) und sind in der Summe das Ergebis eines komplexen und dynamischen Zusammenspiels von genetischen, interindividuell heterogenen Regulationsmechanismen, Mechanismen des Energiestoffwechsels und Lebensstilfaktoren.

Dyslipidämie/Dyslipoproteinämie bezeichnet jede Art von Verschiebung der Lipidwerte und umfaßt sowohl Erhöhung (z.B. LDL-C, Triglyzeride, Chylomikronen sowie gemischte Formen) als auch Erniedrigung (z.B. HDL-C) der Lipide bzw. Verschiebung des Anteils, Zusammensetzung der Lipoproteine.

Unter Hyperlipoproteinämien oder Hyperlipidämien versteht man allgemein eine erhöhte Konzentration des Cholesterins, der Triglyceride, Chylomikronen bzw. der Lipoproteine mit Verschiebung des relativen Anteils der LDL- bzw. VLDL-Fraktion im Blut.

Lipide sind wasserunlöslich (hydrophob) und können daher im Plasma nur an Proteine gebunden in Form von Lipoproteinen transportiert werden. Diese haben zentrale Bedeutung fūr den Stoffwechsel der Lipide und für das Verständnis von Lipidstoffwechselstörungen.

Die Lipoproteine des Plasmas bestehen aus einem zentralen Kern aus Lipiden (Triglyzeriden, Cholesterin, Cholesterinester) und einer äußeren Hülle aus Phospholipiden und Apolipoproteinen in unterschiedlicher Zusammensetzung). Apolipoproteine und Phospholipidverbindungen dienen daneben der rezeptorvermittelten Aufnahme in die Zelle, sowie der Regulation von Transport und Stoffwechsel über u.a. Enzyminduktion und haben daher eine eigene zentral wichtige Funktion im Lipidstoffwechsel.

Es lassen sich anhand der Dichte, Größe, Zusammensetzung und Gehalt an Lipiden sowie der verschiedenen Apolipoproteine 7 versch. Formen von Lipopoproteinen unterscheiden:

Chylomikronen, Chylomikronen remnants, VLDL, VLDL remnants (IDL), LDL, HDL und Lp (a).

 

Lipoprotein Klassen (Feingold KR 2024) :

(Lipoprotein; Dichte (g/ml); Größe (nm); haupts Lipid; haupts. Apolipoproteine)

Chylomikronen ; <0.930; 75-1200; geringste Dichte, größte Partikel; haupts. Triglyzeride; Apo B-48, Apo C, Apo E, Apo A-I, A-II, A-IV; Transport von im Darm resorbierten exogenen Nahrungsfetten zu Muskel- und Fettgewebe (Abbau und Freisetzung von Fettsäuren durch Lipoprotein Lipase) Umwandlung zu Chylomikron Remnants. Größe und Triglyzeridgehalt der Chylomikronen ist stark nahrungsabhängig.

Chylomikron Remnants; 0.930- 1.006; 30-80; Triglyzeride, Cholesterol; Apo B-48, Apo E; Aufnahme durch die Leber und weitere Metabolisierung (endogene Synthese) Bildung von VLDL. Chylomikron Remnants sind aufgrund des erhöhten Anteils an Cholesterol pro-atherogen.

VLDL; 0.930- 1.006; 30-80; Triglyzeride; Apo B-100, Apo E, Apo C; Transport von Triglyzeriden von der Leber zu Muskel und Fettgewebe, Freisetzung von FS (Lipoprotein Lipasen) für Energie od. Speicherfett, es entstehen IDL.

IDL; 1.006- 1.019; 25-35; Triglyzeride, Cholesterol; Apo B-100, Apo E, Apo C; weitere Umwandlung zu LDL.

LDL; 1.019- 1.063; 18- 25; Cholesterol; Apo B-100; über LDL Rezeptor Aufnahme haupts. in Leber, Bildung von unreifem HDL durch Leber und Darm und Beginn d. reversen Transportes von Cholesterin.

HDL; 1.063- 1.210; 5- 12; Cholesterol, Phospholipide; Apo A-I, Apo A-II, Apo C, Apo E; Transport von Cholesterin und Phospholipiden aus peripheren Gewebezellen zurück zur Leber (mature HDL) (od. indirekter Rücktransport durch Transfer zu VLDL od. IDL; Ausscheidung von Cholesterol aus Makrophagen und Aufnahme durch HDL u.a. wichtige Rolle bei Entstehung von Atherosklerose; anti-atherogen.

Lp (a); 1.055- 1.085; ~30; Cholesterol; Apo B-100, Apo (a). Funktion noch weitestgehend unbekannt, aber stark atherogen mit stark potenzierendem Effekt auf das kardiovaskuläre Risiko.

Apo-B haltige Lipoproteine (VLDL, TG-reiche Remnantpartikel (IDL) und LDL sowie Lp (a)) haben eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Progression der Atherosklerose (insb. Apo B haltige Parikel70nm zu 90% LDL-C) (Ference BA et al 2018, Ference BA et al 2019).

 

Vorkommen/Epidemiologie

Laut Ergebnisse einer Metaanalyse aus ≥200 Populationsstudien weltweit  (Ballena-Caicedo et al 2025):

Häufigkeit: 1 von 3 Menschen von Dyslipidämie betroffen weltweit

Epidemiologische Veränderungen in den letzten Jahren (2000-2025):

reiche Industrienationen verzeichnen nach langanhaltendem Anstieg einen geringfügigen Rückgang von durchl. Cholesterinwerten (med. Maßnahmen) kaum Veränderungen der TG Werte;

Mittlerer Osten, Lateinamerika und Asien (wachsende Industrialisierung) verzeichnen hingegen einen deutlichen Anstieg der mittleren Cholesterinwerte, sowie Anstieg der TG Werte (veränderte Ernährungsgewohnheiten und vermehrt Bewegungsarmut im Lebensstil), insb. Städte zeigen erhebliche Zunahme ungesunder Lipidwerte aufgrund Zuhnahme von westlichem Lebensgewohnheiten mit stark verarbeiteten Lebensmitteln, Süßwaren, zuckerhaltigen Softdrinks und tierischen Produkten.

Prävalenz zeigt insgesamt starke regionale Unterschiede (.B. Ost- und Westeuropa), sowie Alters- und Geschlechtsunterschiede (Ballena-Caicedo et al 2025).

Deutschland findet sich laut dieser Metaanalyse global auf Platz 2 hinter Litauen für hohes LDL-C (58,70%) (Für D spielt hier wohl, neben der Genetik, der ungebrochen extrem starke Einfluß von Auto-, Fleisch- und Süsswarenindustrie auf unseren Lebensstil eine Rolle, die wohl unsere guten Vorsätze immer wieder zunichte macht oder schon im Keim erstickt! Anm. der Autorin).

Auch in Deutschland werden Fettstoffwechselstörungen viel zu spät, meist erst bei akuten kardiovaskulären Ereignissen (MI, Stroke u.a.) diagnostiziert. Durch frühzeitige regelmäßige Kontrolle der Blutfettwerte (z.B. bei Vorsorgeuntersuchungen, gezieltes Screening) könnte das Risiko frühzeitig erkannt und adressiert werden (siehe Dyslipidämien/Behandlungsoptionen) werden. Hierdurch wären eine Vielzahl von schwerwiegenden Erkrankungen und Todesfällen vermeidbar.

Nicht nur werden Lipidstoffwechselstörungen nicht ausreichend oder zu spät diagnostiziert, sie werden auch unzureichend behandelt. Nur ca. 1/3 der erkannten Fälle erhält eine ausreichende lipidsenkende Therapie (Referenz ...).

Global geht der Trend weg von der bisher vorherrschenden Hypercholesterinämie in Richtung vermehrter Hypertriglyzeridämie in Kombination mit vermindertem HDL-C, typischerweise assoziiert mit extrem zunehmender Häufigkeit von Übergewicht/Adipositas, Insulinrestistenz, MetS und T2DM. Auch weiterhin besteht daher ein erhebliches pro-atherogenes Risiko und ungebrochen ein erhebliches Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen, das dringend durch weitergehende Interventionen im Bereich Prävention und Public Health adressiert werden muß (Ballena-Caicedo et al 2025).

 

 

Diagnose

Fundamentale Basisdiagnostik ist das Lipidprofil in der Labordiagnostik, da Fettstoffwechselstörungen meist bis zum Auftreten von schwerwiegenden Folgen wie symptomatische KHK, MI, pAVK und Schlaganfall typischerweise keine klinischen Symptome zeigen (versteckte, progrediente, chronische Erkrankung).

Bestimmung des vollständigen Standard Lipidprofils:

  • spätestens bei Vorliegen kardiovaskulärer Erkrankung,
  • anamnestischen Hinweisen,
  • typischen äußeren Zeichen (z.B. Xanthome, Arcus lipoides corneae),
  • Vorliegen typischer chron. Begleiterkrankungen (u.a. DM, CKD),, sowie bei
  • Vorliegen weiterer Risikofaktoren (Adipositas u.a., positiver Familenanamnese).

aber auch wichtige zentrale Rolle

  • zur Früherkennung und Prävention bei Vorsorgeuntersuchungen 'gesunder Personen'  (z.B. bei Erwachsener im Rahmen der Vorsorge 35+ und bei Kindern und Jugendlicher bei Verdacht auf FH bzw. familiäre Vorbelastung; Neugeborenenscreening ist derzeit in der Diskussion aber nur vereinzelt in der Projektphase).

im Rahmen der Behandlung und Therapieanpassung:

  • Leitliniengemàß erfolgt die Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen, u.a. anhand Risikoklassifikation des 10 Jahres- Risiko und Festlegung von Therapiezielwerten mithilfe des LDL-C Wertes (LDL-C Zielwerte, siehe Dyslipidämie/Behandlungsoptionen) (Mach F et al 2019, Mach F et al 2025).

Labor:

Standard-Lipidprofil: Gesamtcholesterin (TC), LDL- C und HDL-C, Triglyceride (TG) (TG ggf. nüchtern)/

ggf. erweitertes Profil mit direkter Bestimmung von Apo-B bei stark erhöhten TG Werten, DM, MetS, Adipositas oder sehr geringen LDL-C Werten (gem. ESC Leitlinen 2019 Mach F et al 2019); ApoB Bestimmung ist genauer als non-HDL-C daher vorzuziehen.

Lp (a) Bestimmung sollte einmalig im Leben möglichst frühzeitig erfolgen.

Methodisches:

direkte enzymatische Messung der Werte ist der Berechnung mithilfe der Friedewald-Formel vorzuziehen.

Gesamtcholesterin (Total Cholesterol TC) ist ungenau, da es sowohl LDL-C und  (atherogenes Cholesterin) als auch HDL-C ('gutes' nicht-atherogenes Cholesterin) beeinhaltet.

non-HDL-C Berechnung aus Gesamtcholesterin (TC): Gesamtcholesterin (TC) - HDL-C  (reflektiert Cholesterin Beladung aller atherogener ApoB-haltiger Lipoproteine, einschl. TG-reicher VLDL und Remnants).

Apo-B Bestimmung ist ebenfalls direkt möglich, gemessen wird der gesamte ApoB Gehalt (alle atherogenen Lipoproteine/ Partikel), Messwerte reflektieren wesentlich ApoB-100, da ApoB48≤1%.

Lp(a) Bestimmung ist direkt mit Assay möglich (Standardisierung/Vergleichbarkeit der Messgrößen nmol/L bzw. mg/dl beachten! Messgrößen sind nicht direkt vergleichbar/umrechenbar, Beurteilung des Wertes ist nur mit Vorliegen der Messgröße möglich!)

Patienten müssen nicht unbedigt nüchtern sein, jedoch eingeschränkte Beurteilbarkeit bei hohen TG Werten und TG Werte können nahrungsabhängig stark schwanken.

Normwerte für Lipide/Lipoproteine (für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren):

Gesamtcholesterin (TC):  <200 mg/dl (<5,2 mmol/l)

LDL-C: <116 mg/dl (<3,0 mmol/l)

HDL-C: mind. >35 mg/dl (>0,9 mmol/l), bei Männern >40 mg/dl (1,0 mmol/l) und bei Frauen >50 mg/dl (1,3 mmol/l)

Triglyceride (TG): <150 mg/dl (<1,7 mmol/l)

Lp(a)≤50mg/dl (125nmol/L)

wichtig: bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren (z.B. Rauchen, Adipositas, u.a.) und/oder weiterer Erkrankungen (z.B. T2DM, MetS, Hypetonus, CKD, Atherosklerose, kardiovaskulären Erkrankungen/Ereignissen (KHK, MI, Stroke, pAVK u.a) gelten diese LDL-C Werte nicht! es erfolgt individuelle Risikoeinschätzung und Anwendung risikoadaptierter LDL-C Zielwerte nach ESC Leitlinien 2025 (Mach F et al 2025). (siehe hierzu auch Dyslipidämien/Behandlungsoptionen)

LDL-C Zielwerte (anzustrebende risikoadaptierte Werte nach definierter standartisierter Risikoeinschätzung des 10 Jahres Risikos kardiovaskulärer Ereignisse gem. ESC Leitlinien-update von 2025 (Mach F et al 2025)):

bei extrem hohem Risiko: LDL-C Zielwert ≤1mmol/l (≤40mg/dl) (zusätzliche Risikokategorie (Klasse IIb Empfehlung) bei besonders gefährdeten Pat mit ASCVD plus wiederholten Ereignissen trotz maximal verträglicher Statintherapie, sowie multivaskuläre ASCVD Manifestation (KHK, Karotis, pAVK)

bei sehr hohem Risiko: LDL-C Zielwert ≤1,4 mmol/l (≤55mg/dl)

bei hohem Risiko: LDL-C Zielwert ≤1,8 mmol/l (≤70mg/dl)

bei moderatem Risiko: LDL-C ≤2,6 mmol/l (≤100mg/dl)

bei geringem Risiko: LdL-C ≤3 mmol/l (≤116mg/dl)

 

weitergehende Diagnostik (z.B bei erhöhten Werten, chron. Grunderkrankungen, Risikofaktoren):

zusätzl. Laborparameter entsprechend Anamnese und Klinik zusätzl. im Hinblick auf sekundäre Ursachen und Risikofaktoren bzw. bereits manifester Symptomatik kardivaskulârer Folgen.

bei Hinweisen auf primäre Hyperlipidämie/genetische Ursachen (sehr stark überhöhte od. stark ūberhöhte Werte für LDL-C und/oder Triglyzeride, äußere Zeichen bzw Familienanamnese) sollte den Patienten zusätzlich die Möglichkeit einer genetische Untersuchung angeboten werden.

daneben grundsätzlich immer Anamnese einschließlich Familienanamnese; kardiovaskuläres Risikoprofil; metabolische, endokrinologische, nephrologische u.a. Begleiterkrankungen; Ernährungs- und Bewegungsprofil.

allgem. körperliche Untersuchung, insb. auch BMI, äußerliche Zeichen für Dyslipidämie (Xantome, Xantelasmen, Archs lipoides) dokumentieren, ggf. Oberbauchsono der Leber, ggf. kardiologische, nephrologische Diagnostik.

 

Therapie

Risikoklassifikation, Behandlungsgrundlagen und Indikation zur medikamentösen Therapie entsprechend der neuesten Leitlinien der European Society of Cardiology/Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (ESC/DGK) siehe Dyslipidämie/Behandlungsoptionen (Pharmakologie/Toxikologie).

Diät/Lebensgewohnheiten

  • Cholesterinreduzierende Diät: Gesamtfettreduktion, pflanzliche, linolreiche Fette bevorzugen (Leinsaat, Rapsöl, Olivernöl); Cholesterineinschränkung (tierische Fette meiden, Fleisch nur in geringen Mengen möglichst aus Ökohaltung und nicht verarbeitet; Eier: sehr stark abhängig von der Haltungs- und Fütterungsform, daher Bio-Eier bevorzugen!), Ballaststoffe (binden Nahrungsfette im Darm und haben wichtige Funktion für das Darmmikrobiom und Lipidstoffwechsel) daher Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte (Linsen, Erbsen), Kleie, Obst und Gemüse (mit Schale) bevorzugen, Fisch mit Omega-3-Fettsäuren.
  • Triglyzerinreduzierende Diät: Lebensstilfaktoren sind sehr wichtig und sehr effektiv in der Reduktion der Triglyzeride: Gesamtfettreduktion, Alkoholkarenz, pflanzliche, linolreiche Fette bevorzugen, wenig Zucker, viele kleine Mahlzeiten, ballastoffreiche Ernährung, keine stark verarbeiteten Lebensmittel und nur sehr wenig tierische Fette; viel Bewegung d.h. zu Fuß gehen, Radfahren, moderater Ausdauersport um Fettverbrennung zu verstärken!

Hinweis(e)

   *Familiärer ApoB 100 Defekt (autosomal dominant, selten 1:1000 (heterozygot), 1:4 Mio (homozygot); nur ca. 5% Ursache der FH, funktionsfähiges ApoB 100 ist notwendig für Bindung und Endozytose durch LDLR an der Zelloberfläche, LDLR ist voll funktionsfähig.

   **PCSK9 GOF erhöhte PCSK9 Aktivität mit verstärkter Bindung und Abbau des LDLR und hierdurch verringertes Recycling und verringete Anzahl des LDLR an der Zelloberfläche, LDLR ist voll funktionsfähig. Wesentlich häufiger sind interessanterweise Loss of Funktion LOF Mutationen des PCSK9 Gens in der Bevölkerung, die sich für den Träger sehr vorteilhaft auf den Lipidstoffwechsel mit vermehrter Elimination von LDL-C und stark verringertem kardiovaskulären Risiko auswirken, Entdeckung der Mutation war Grundlage der Entwicklung  der PCSK9 Inhibitoren zur Pharmakotherapie der Hypercholesterinämie (Grejtakova D et al 2025).

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