Synonym(e)
Definition
Unter einem Laxantienabusus versteht man die Einnahme von Laxantien:
- bei fehlender Indikation
- in Überdosierung bei bestehender Indikation (Hitzenberger 1999).
Der primäre Zweck der Laxantien ist beim Missbrauch nicht die Behebung einer Obstipation, sondern das Erreichen einer Gewichtsabnahme (Hitzenberger 1999).
Beim Missbrauch sind Tagesdosen der 100fachen Dosierung möglich (Hitzenberger 1999).
Vorkommen/Epidemiologie
Laxantienabusus ist neben dem Abusus von Analgetika und Hypnotika der am weitesten verbreiteter Missbrauch (Grüneberg 1969).
Betroffen vom Laxantienmissbrauch sind häufig jüngere Frauen, außerdem Menschen mit psychischen Problemen, insbesondere mit Essstörungen, aber auch psychischen Probleme, bei denen primär die Aufmerksamkeit und Zuwendung gefordert wird (Hitzenberger 1999).
Auch interessant
Diagnostik
Trotz schwerwiegenden Missbrauchs kann es mitunter Jahre dauern, bis auffällige Krankheitszustände erreicht werden (Hitzenberger 1999).
Bei V. a. einen Laxantienabusus können Laxantien-Screenings durchgeführt werden (Kasper 2015).
Labor
- Hypokaliämie und damit Verstärkung der Obstipation (Buchta 2004)
- Gesteigerte Ausscheidung von 5-HIES (Müller 2002)
- Metabolische Azidose durch Bikarbonat-Verluste über den Stuhl
- Hypocalziämie
- Hyponatriämie (Wolff 2010)
Komplikation(en)/Assoziierte Erkrankungen
Laxantienabusus kann führen zu:
- Hypokaliämie (Herold 2025)
- Sekundärem Hyperaldosteronismus
- Nierenversagen
- Herzrhythmusstörungen (Hitzenberger 1999)
- Rektumprolaps
- Hämorrhoiden
- Hämatochezie (Imbierowicz 2025)
- Melanosis des Colons zum Zäkum hin, terminales Ileum bleibt typischerweise frei (Pott 2004)
- Osteoporose
- Exsikkose (Wolff 2010)
- Trommelschlegelfinger (Suzuki 2022)
Von einer Melanosis coli sind 5 – 25 % der Patienten mit chronischem Laxantienabusus betroffen. Andere wiederum zeigen trotz jahrelangem Abusus keine Hyperpigmentierung. Man vermutet deshalb eine genetische Komponente (Pott 2004). Imbierowicz (2025) beschreibt die Melanosis in Zusammenhang mit der Einnahme antrachinonhaltiger Laxantien wie z.B. Natriumpicosulfat oder Bisacodyl.
Durch die Melanosis coli steigt die Tendenz zu kolorektalen Adenomen, nicht aber zu Karzinomen (Imbierowicz 2025).
Laxantienabusus ist oftmals auch mit Diuretika-Abusus kombiniert (Hitzenberger 1999).
Therapie
Beim plötzlichen Absetzen der Laxantien besteht die Gefahr der Hypomobilität bis hin zum Ileus (Imbierowicz 2025).
Durch plötzliches Absetzen der Laxantien kann es auch zu schweren Ödemen kommen (Ragunathan 2021).
Deshalb sollten Laxantien immer schrittweise entwöhnt werden. Die Dauer des Ausschleichens ist abhängig von der Dosis und der Dauer des Abusus und sollte individuell über einen Zeitraum von 1 – 3 Wochen erfolgen (Imbierowicz 2025).
LiteraturFür Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio
Kopernio- Buchta M, Höper W, Sönnichsen A (2004) Das Zweite StEx: Basiswissen Klinische Medizin für Examen und Praxis. Springer Verlag Heidelberg / Berlin / New York 198
- Grüneberg F, Kessel M (1969) Laxantienabusus, Hypokaliämie und symptomatische Psychose. In: Schlegel B. Fünfzigster Kongress. Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin https://doi.org/10.1007/978-3-642-47085-1_197
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- Hitzenberger G, Beubler E, Fleischhacker W, Fried M, Haberfeld H, Kreis G, Leng-Peschlow E, Mengs U, Müller-Lissner S, Nusko G (1999) Obstipation und Laxantien: Experten erarbeiten Konsensuspapier. Pharmazie 22
- Imbierowicz, Marx, Wegener, Kämpfer, Lüssem, Geiser (2025) Anorexia nervoas: Ein Praxisleitfaden für die stationäre psychosomatische Therapie. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart 136
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- Müller K, Müller S (2002) Orifinal-Prüfungsfragen mit Kommentar. GK2 Klinische Chemie. Georg Thieme Verlag Stuttgart / New York 83, 268
- Pott G (2004) Koloskopie-Atlas mit Anleitungen zur Prophylaxe des Kolonkarzinoms. Schattauer Verlag Stuttgart / New York 53
- Ragunathan A, Singh P, Gosal K, Scibelli N, Collier V (2021) Laxative Abuse Cessation Leading to Severe Edema. Cureus. 13 (6) e15847
- Suzuki K, Otsuka H (2022) Clubbing Due to Laxative Abuse. Intern Med. 61 (9) 1473 – 1474
- Wolff, Weihrauch T R (2010) Internistische Therapie 2010/ 2011 Urban und Fischer Verlag München 30
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