Laktose-Toleranztest

Autor: Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

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Zuletzt aktualisiert am: 14.04.2026

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Synonym(e)

Disaccharid-Test; Nachweis eines Laktasemangels; Test zum Nachweis einer Laktoseintoleranz

Erstbeschreiber/Historie

Der Laktose-Toleranztest entwickelte sich in den 1960er und 1970er Jahren.

Definition

Der Laktose-Toleranztest (LTT) zählt zu den Resorptionstests des oberen Dünndarms (Gesenhues 2024). Er dient dem Nachweis einer Laktoseintoleranz. Er ist allerdings weniger sensitiv (75%) und weniger spezifisch (ca. 80%) als der H2-Atemtest (Herold 2025).

Allgemeine Information

- Testdurchführung:

Beim Laktose-Toleranztest wird zunächst die Nüchternglukose im Blut bestimmt. Anschließend werden dem Patienten 50 g Laktose in Wasser oder Tee gelöst oral verabreicht. Danach folgen Blutentnahmen zur Bestimmung des Blutzuckers in bestimmten Zeitabständen von 30, 60, 90, 120 Minuten (Herold 2025 / Braatz 2021).

 

- Testauswertung:

Ein fehlender oder nur geringer Anstieg der Glukose im venösen Blut von < 20 mg/dl bzw. < 25 mg/dl im Kapillarblut zusammen mit dem Auftreten entsprechender abdomineller Symptome spricht für eine Laktoseintoleranz (Herold 2025).

Ein Blutglukoseanstieg von > 20 mg/dl schließt i. d. R. eine Laktoseintoleranz aus (Gesenhues 2024).

 

- Fehlerquellen:

Der Laktose-Toleranztest hat nur eine relativ geringe Sensitivität von 75% und eine Spezifität von ca. 80%. Er gilt deshalb allein durchgeführt nicht als ausreichend für die Diagnosestellung „Laktose-Malabsorption“. Vielmehr empfiehlt sich die Durchführung eines H2-Atemtests (Stein 2006).

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass nur etwa 30% der Laktosemalabsorber überhaupt mit Diarrhoen reagieren, die Hauptsymptome sind Flatulenz und Blähungen (Stein 2006).

Bei ca. 25% der Patienten kommt es zu einer Abflachung des Blutzuckerverlaufs, obwohl bei diesen Patienten eine normale Laktaseaktivität vorliegt (Stein 2006).

Bei Patienten mit manifestem Diabetes mellitus sind falsch negative Ergebnisse möglich (Gesenhues 2024).

Vorkommen

Eine Laktoseintoleranz ist weltweit verbreitet, die Inzidenz liegt zwischen 57-65 % (Catanzaro 2021).

Der Laktasemangel tritt auf bei:

  • 15 % der Menschen nordeuropäischer Herkunft
  • bis zu 80 % afrikanischer und lateinamerikanischer Menschen
  • 100 % der Asiaten und amerikanischen Ureinwohner (Swagerty Jr 2002)

Ätiologie

Die Laktoseintoleranz entsteht durch verminderte oder fehlende Aktivität des Darmenzyms Laktase-Phlorizin-Hydrolase (Catanzaro 2021).

Pathophysiologie

Durch einen genetischen bedingten Mangel an Laktase können Menschen mit einer Laktoseintoleranz größere Mengen Laktose nicht verdauen (Swagerty Jr 2002).

Durch Fehlen der Laktase-Phlorizin-Hydrolase kommt es zu einer erhöhten osmotischen Belastung im Dünndarm und zur Fermentation von Laktose durch die Darmflora (Catanzaro 2021).

Klinik

Das klinische Bild ist abhängig von:

  • Magenentleerungsgeschwindigkeit
  • Dünndarmpassagegeschwindigkeit
  • Rückresorptionskapazität für Fermentationsprodukte
  • Menge der aufgenommenen Laktose
  • Laktaseaktivität der Dünndarmmukosa
  • Fermentationskapazität des Dickdarms für Laktose (Gesenhues 2024)

Nach dem Genuss von Laktose kommt es bei Patienten mit Laktose- Intoleranz zu Tenesmen, Flatulenz, Blähungen und wässrigen Diarrhoen (Herold 2025).

Komplikation(en)

Patienten mit Laktoseintoleranz haben ein erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen außerhalb des Darms, einschließlich eines erhöhten Karzinomrisikos (Catanzaro 2021).

Kalziummangel tritt bei Patienten mit Laktoseintoleranz häufiger auf (Swagerty Jr 2002).

Therapie allgemein

Die Therapie besteht aus einer Ernährungsumstellung auf z. B. laktosefreie Lebensmittel oder der Gabe von exogenen Enzymen, Probiotika bzw. Präbiotika (Catanzaro 2021).

Literatur
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  1. Catanzaro R, Sciuto M, Marotta F (2021) Lactose intolerance: An update on its pathogenesis, diagnosis, and treatment. Nutr Res. (89) 23-34
  2. Braatz C et. Al. (2021) Laktosetoleranztest. DocCheck Flexikon doi: https://flexikon.doccheck.com/de/Lactosetoleranztest
  3. Gesenhues S, Gesenhues A (2024) Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Elsevier Urban und Fischer Verlag 79
  4. Herold G et al. (2025) Innere Medizin. Herold Verlag 470
  5. Kasper D L, Fauci A S, Hauser S L, Longo D L, Jameson J L, Loscalzo J et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education
  6. Stein J, Wehrmann T (2006) Funktionsdiagnostik in der Gastroenterologie. Springer Medizin-Verlag Heidelberg 107
  7. Swagerty Jr D L, Walling A D, Klein R M (2002) Lactose intolerance. Am Fam Physician. 65 (9) 1845-1850

Weiterführende Artikel (1)

Diabetes mellitus ;
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