Synonym(e)
Definition
Das IL22-Gen ist ein Protein-kodierendes Gen das sich beim Menschen auf Chromosom 12 (12q15) befindet.
Allgemeine Information
IL-22 ein proinflammatorisches Zytokin: IL22 kodiert für Interleukin-22, ein proinflammatorisches Zytokin aus der IL-10-Familie, zu der auch IL-19, IL-20, IL-24 und IL-26 zählen. Seine Aktivität ist vor allem auf Epithelgewebe und auf die Funktion von Barrierefunktionen ausgerichtet ist. Das Protein kommt im extrazellulären Raum vor, was mit seiner Rolle als sekretiertes Signalmolekül im Einklang steht (Witte E et al. 2010). Interleukin-22 spielt bei der antimikrobiellen Abwehr, der Gewebereparatur und bei Entzündungsreaktionen eine Rolle. Weiterhin spielt es eine Rolle bei der Pathogenese verschiedener Darmerkrankungen. IL-22 kann bei Fehlregulation chronische Entzündungen auslösen und spielt eine Rolle bei der Pathogenese verschiedener Darmerkrankungen. IL-22 ist ein wichtiges Zytokin, das die Immunabwehr des Wirts bei Infektionskrankheiten, darunter auch COVID-19 (SARS-CoV-2) reguliert.
IL-22-Signalisierung: IL22 signalisiert über ein Heterodimer, das aus IL-22R und IL-10Rβ besteht, auf nicht-immunologischen Zellen (z. B. Epithelzellen in Haut, Lunge und Darm) und aktiviert dabei die JAK1/TYK2- sowie die nachgeschaltete STAT3-Signalübertragung, wobei zusätzlich die ERK1/2- und PI3K/AKT-Signalwege einbezogen werden. Diese Signalübertragung mit ihrer Liganden-Rezeptor-Verteilung von IL-22 und IL-22R ermöglicht es Immunzellen, die Reaktionen von Epithelzellen, Endothelzellen, Fibroblasten und anderen gewebsresidenten Stromazellen zu regulieren. Dieser Signalweg scheint an Barriereoberflächen von entscheidender Bedeutung zu sein, an denen Epithelzellen eine aktive Rolle bei der Auslösung, Regulierung und Beendigung von Immunreaktionen spielen. Eine RNA-Expression wird im Gehirn und im männlichen Fortpflanzungssystem beschrieben, während eine Proteinexpression im weiblichen Fortpflanzungssystem nachgewiesen wurde.
Klinik
IL-22 und Krankheiten:
Eine Überaktivität von IL-22 trägt zu inflammatorischen Erkrankungen wie Psoriasis (Sieminska I et al. 2024), rheumatoider Arthritis, atopischer Dermatitis (s.u. Kopf-Nacken-Dermatitis) oder chronischen Darmerkrankungen(Ouyang W 2010) bei.
Atopische Dermatitis: Bei der atopischen Dermatitis korreliert das Vorhandensein von zirkulierendem IL-22 mit dem Schweregrad der Erkrankung. IL-22 wurde als entscheidender Faktor identifiziert, der die mit der Erkrankung verbundene Entzündungsreaktion antreibt. Erhöhte IL-22-Spiegel bei Patienten mit AD stehen in Zusammenhang mit einer verstärkten Proliferation von Keratinozyten, Veränderungen der Hautmikrobiota und einer beeinträchtigten Barrierefunktion der Epidermis (Laska J et al. 2024).
IL-22 und Barrierfunktionen: Die räumliche Transkriptomik zeigt, dass AD-Läsionen eine verminderte Expression wichtiger Barriergene aufwiesen, darunter CLDN1, FLG und FLG2. IL-4, IL-13 und IL-22 beeinträchtigten die Hautbarriere in ex vivo gewonnener menschlicher Haut. Die Kombination von Typ-2-Zytokinen und IL-22 allein führt zu einer Herunterregulierung von Genen, die für die Barrierefunktion und die Keratinisierung entscheidend sind. Darüber hinaus führen IL-4 und IL-13 zu einer Herunterregulierung antimikrobieller Peptide, während IL-22 diese hochreguliert. Eine proteomische Analyse bestätigt, dass alle drei Zytokine (IL-4, IL-13 und IL-22) die Expression wichtiger Hautbarriereproteine, insbesondere von Filaggrin und Claudin-1, reduzieren.
IL-22 und Dupilumab: Eine dreimonatige Behandlung von AD-Patienten mit Dupilumab stellt die durch IL-4/IL-13 dysregulierten Gene wieder her, während sie nur begrenzte Auswirkungen auf die mit IL-22 assoziierten Signalwege hat. Dies verdeutlicht ein komplexes Zusammenspiel von Störung der Hautbarrierefunktion einerseits und der Modulation angeborener Immunantworten (D'Avino P et al. 2026).
Kopf-Hals-Dermatitis unter Dupilumab: Unter einer Dupilumab-Therapie treten neben Konjunktivitis und Blepharitis auch die Kopf-Hals-Dermatitis als eigenständige Nebenwirkung auf. Sie wird bei bis zu 10 % der Patienten beobachtet. Es konnte an Hautproben gezeigt werden, dass die Behandlung mit Dupilumab zu einer Normalisierung der nachgeschalteten Aktivitätsmarker von IL-4/IL-13 wie CCL13, CCL17, CCL18 und CCL26 einhergeht. Im Gegensatz kommt es zu einem starken Anstieg von Typ-22-assoziierten Markern (IL-22, AHR/Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor= molekularer Marker der Typ-22-Immunantwort). Dies insbesondere in oligoklonal expandierten T-Zellen. Diese Zytokinverschiebung wird von einer verstärkten Keratinozytenaktivierung und einer Hochregulation des IL-22-Rezeptors begleitet (Bangert C et al. 2024).
LiteraturFür Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio
Kopernio- D'Avino P et al. (2026) Distinct Roles of IL-4, IL-13, and IL-22 in Human Skin Barrier Dysfunction and Atopic Dermatitis. Allergy 81:480-497.
- Bangert C et al. (2024) Dupilumab-associated head and neck dermatitis shows a pronounced type 22 immune signature mediated by oligoclonally expanded T cells. Nat Commun 15:2839.
- Laska J et al. (2024) IL-22 in Atopic Dermatitis. Cells 13:1398.
- Ouyang W (2010) Distinct roles of IL-22 in human psoriasis and inflammatory bowel disease. Cytokine Growth Factor Rev 21:435-441.
- Sieminska I et al. (2024) The Immunology of Psoriasis-Current Concepts in Pathogenesis. Clin Rev Allergy Immunol 66:164-191.
- Witte E et al. (2010) Interleukin-22: a cytokine produced by T, NK and NKT cell subsets, with importance in the innate immune defense and tissue protection. Cytokine Growth Factor Rev 21:365-379.



