Definition
Unter der Blockade des IL-4Rα-Rezeptors durch Dupilumab bessert sich die allgemeine atopische Dermatitis meist deutlich. Bei einem Teil der Patienten persistiert jedoch eine Kopf-Hals-Dermatitis oder es entsteht ein neuartiges, der Kopf-Hals-Dermatitis vergleichbares Krankheitsbild. Als mögliche Mechanismen werden diskutiert:
- relative Verschiebung von der Typ-2- zur Typ-17-/Typ-22-Immunantwort,
- verstärkte Immunreaktion gegenüber Malassezia-Antigenen,
- Demaskierung einer allergischen Kontaktdermatitis,
- rosazeaartige beziehungsweise Demodex-assoziierte Entzündung,
- psoriasiforme paradoxe Reaktion,
- topische Steroidentzugsreaktion.
Pathophysiologie
Dupilumab ist ein IL-4R-blockierender Antikörper und führt zu einer Normalisierung der Marker für die nachgeschaltete IL-4/IL-13-Aktivität wie CCL13, CCL17, CCL18 und CCL26. Hingegen kommt es zu einem starken Anstieg von Typ-22-assoziierten Markern (IL-22, AHR), insbesondere in oligoklonal expandierten T-Zellen, begleitet von einer verstärkten Keratinozytenaktivierung und einer Hochregulation des IL-22-Rezeptors (Dupilumab-assoziierte Form einer ausgeprägten, oligoklonal vermittelten Typ-17/22-Signatur). Es handelt sich daher wahrscheinlich nicht lediglich um eine "residuale atopische Dermatitis" sondern um ein eigenständiges Krankheitsbild (Bangert et al. 2024).
Bemerkung: Eine Typ‑17/22‑Immunantwort ist eine überwiegend an epithelialen Grenzflächen ablaufende Immunreaktion, die durch die Zytokine IL‑17A/F und IL‑22 geprägt wird. Sie wird vor allem von Th17‑Zellen, Th22‑Zellen und ILC3 getragen (ILC3 werden zunehmend als wichtige Regulatoren der Gewebehomöostase und Entzündungsprozesse anerkannt. In normaler Haut werden ILC2 und NCR(-) ILC3 gefunden. Die Subpopulationen der Haut-ILC2 und der NCR(+) ILC3 produzierten bei Zytokinstimulation jeweils IL-13 und IL-22.)
- IL‑17 induziert Chemokine, antimikrobielle Peptide und die Rekrutierung neutrophiler Granulozyten; sie dient besonders der Abwehr extrazellulärer Bakterien und Pilze.
- IL‑22 wirkt primär auf Keratinozyten und andere Epithelzellen, fördert antimikrobielle Abwehr und Regeneration, kann aber auch epidermale Hyperplasie und Differenzierungsstörungen auslösen.
Bei ihrer chronischen Aktivierung ist diese Zytokinsignalisierung unter anderem an Psoriasis, Spondyloarthritiden und bestimmten Formen der atopischen Dermatitis beteiligt (s.u. atopischer Head and Neck-Dermatitis)
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Therapie
Vor einem Absetzen von Dupilumab sollte geklärt werden, welcher Phänotyp vorliegt:
- Überprüfung auf allergische Kontaktdermatitis.
- Beurteilung einer Malassezia-assoziierten Dermatitis und gegebenenfalls antimykotischer Therapieversuch.
- Ausschluss einer Rosazea, Demodex-assoziierten Follikulitis, Psoriasis oder Steroidentzugsreaktion.
- Intensivierung der geeigneten Lokaltherapie.: Bei schwerer, persistierender Erkrankung Erwägung eines Wechsels des systemischen Wirkprinzips, beispielsweise auf einen anderen Biologikum-Typ (z.B. einen JAK-Inhibitor).
Hinweis(e)
Die atopische Head-and-Neck-Dermatitis ist weniger eine einheitliche Diagnose als ein topographischer Phänotyp, hinter dem atopische Entzündung, mikrobielle Hypersensitivität, Kontaktallergie und therapieinduzierte Immunverschiebungen in unterschiedlicher Gewichtung zusammenwirken können (S. unter Atopische Head and Neck-Dermatitis).
LiteraturFür Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio
Kopernio- Bangert C et al. (2024) Dupilumab-associated head and neck dermatitis shows a pronounced type 22 immune signature mediated by oligoclonally expanded T cells. Nat Commun. 15:2839
- Blicharz L et al. (2025) Head and neck dermatitis: a variant of atopic dermatitis. Ital J Dermatol Venerol 160:123-144.
- Jaros J et al. (2020) A Practical Approach to Recalcitrant Face and Neck Dermatitis in Atopic Dermatitis. Dermatitis 31:169-177.
- Jo CE et al. (2021) Facial and neck erythema associated with dupilumab treatment: A systematic review. J Am Acad Dermatol 84:1339-1347.
- Liang B et al. (2023) Unveiling the mystery of ILC3s: Their functions and interactions in mucosal immunity. Int Immunopharmacol 123:110772.
- To TT et al. (2024) Understanding Type 3 Innate Lymphoid Cells and Crosstalk with the Microbiota: A Skin Connection. Int J Mol Sci 25:2021
- Yamane MLM et al.(2019) Two differing presentations of periocular dermatitis as a side effect of dupilumab for atopic dermatitis. Orbit 38:390-394
Verweisende Artikel (1)
IL22-Gen;Weiterführende Artikel (4)
Atopische Head and Neck-Dermatitis; Innate lymphoide Zellen; Interleukin-13; Interleukin-22;Disclaimer
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