Thrombophlebitis saltans I82.1

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 18.09.2022

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Synonym(e)

Phlebitis migrans; Phlebitis saltans; Thrombophlebitis migrans; Trousseau`s syndrome; Trousseau-Syndrom

Erstbeschreiber

Armand Trousseau, 1865

Definition

Sehr seltene, strangförmige "springende" oberflächliche Thrombophlebitis (s.a. Mondor-Krankheit), die u.a. auch als monitorisches Frühsymptom für einen okkulten viszeralen Tumor (z.B. Pankreaskarzinom - C25.8) gilt (fakultatives paraneoplastisches Syndrom). Sie befällt anders als eine Varikophlebitis, auch primär nicht varikös erweiterte Venen.  
 

Ätiopathogenese

Wahrscheinlich hyperkoagulatorische (allergisch-hyperergische), thrombotische Gefäßreaktion.

Am häufigsten wird diese segmentäre entzündliche Phlebitis im Rahmen einer Thrombangitis obliterans beobachtet. Sie kann auch isoliert auftreten.  Weitere Auslöser können sein: 

  • Chronisch-bakterielle Herdinfektionen
  • Karzinome (insbes. Pankreaskarzinom; auch Karzinome der Lunge und Prostata; Tumoren können Cystein-Proteinasen exprimieren, die direkt Faktor X aktivieren und damit die Thrombinproduktion steigern) - Hinweis: diese Konstellation scheint eher selten zu sein! 
  • Morbus Behçet
  • Maligne Lymphogranulomatose und Leukosen.

Manifestation

Vor allem bei Männern auftretend. Die Thrombophlebitis saltans ist ein Teilsymptom der Thrombangiitis obliterans.

Lokalisation

Vor allem Streckseiten der unteren Extremitäten sind betroffen.

Klinisches Bild

Schubweise über unterschiedliche Venenabschnitte verlaufend zeigt sich eine "springende", akute, strangförmige, gut tastbare, schmerzhafte Thrombophlebitis.Die phlebitischen Stränge sind 4,0-10,0 cm lang. Kurzfristige Temperaturerhöhungen während des Schubes sind möglich. Die Veränderungen heilen nach 2-3 Wochen unter leichter Hyperpigmentierung spontan ab.

Histologie

Thrombotischer Venenverschluss. Perivenöse Infiltration mit Histiozyten und Riesenzellen.

Differentialdiagnose

Therapie

Ursachensuche und -sanierung, Rauchverbot, Tumorausschluß.

Externe Therapie

Evtl. Kompressionsverbände, Heparinsalben.

Interne Therapie

Antiphlogistika (z.B. Acetylsalicylsäure 2–3 g/Tag), evtl. Kortikoide 50–100 mg/Tag).

Verlauf/Prognose

Abheilung der einzelnen Schübe in 2–3 Wochen unter Hinterlassung einer Hyperpigmentierung.

Hinweis(e)

Eine Sonderform der Thrombophlebitis saltans ist die Mondor-Krankheit, die die Venen an der lateralen Throaxwand befällt.

Literatur
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  1. Koushk-Jalali B et al. (2020) Thrombophlebitis migrans. Dtsch Ärztebl Int 117: 125
  2. Varki A (2007)Trousseau's syndrome: multiple definitions and multiple mechanisms. Blood 110:1723-1729

Disclaimer

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