Analekzem (Übersicht) L30.8

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 30.08.2026

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Synonym(e)

Afterekzem; Afterjucken; Afterjuckreiz; Analdermatitis; anogenitales Ekzem; Anogenital pruritus; Perianaldermatitis; Perianale Dermatitis; Perianalekzem

Definition

Häufig auftretende, polyätiologische (keine eigene Entität), akut, subakut, chronisch oder chronisch rezidivierend verlaufende, meist stark juckende (s.a. Analpruritus) Dermatitis der Perianalhaut, ursächlich bedingt durch irritativ-toxische, infektiöse, konstitutionelle oder allergische Mechanismen.

Vorkommen/Epidemiologie

Analekzeme gelten als die häufigsten proktologischen Erkrankungen. Daten zur Prävalenz sind vage. Eine spezifische Kodierung im Rahmen des ICDs fehlt. 

Ätiopathogenese

Das wesentliche pathophysiologische Korrelat des Analekzems ist eine dysfunktionale epidermale Barriere. Die gestörte Barrierefunktion kann konstitutiv bedingt sein oder durch exogene Faktoren verursacht werden. Die geschädigte epidermale Barriere selbst disponiert wiederum für eine gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Irritanzien, Allergien und infektiösen Pathogenen.

Die anatomische Besonderheit der Analregion begünstigen die Entstehung eines Ekzems (Sekretion der ekkrinen bzw. der apokrinen Schweißdrüsen - Induktion eines feuchtes Mikroklimas/feuchte Kammer), wobei die Behaarung eine zusätzliche Feuchtigkeitsretention bewirken kann. Diese Situation wird verstärkt bei vermehrter transanaler oder perianaler Sekretion im Rahmen verschiedenster proktologischer Erkrankungen.

Die Folge: Verhaltensänderungen (intensivierte Analhygiene, Kratzeffekte).

Manifestation

Das Analekzem kann in jedem Alter und bei jedem Geschlecht auftreten.  

Lokalisation

Perianalregion.

Diagnose

Bei der ursächlichen Abklärung des allergischen Kontaktekzems muss nach in Frage kommenden Allergenen in Grundlagen, Konservierungszusätzen oder Wirkstoffen in Externa (Salben, Suppositorien) gefahndet werden.

Auch Intimsprays, Puder, Kondome, gefärbtes Toilettenpapier, Waschmittel, Desinfizienzien können Ursache einer Kontaktsensibilisierung sein (s.u. Analekzem kontakallergisches). Wichtig ist der Ausschluss eines Hämorrhoidalleidens, einer inversen Psoriasis und einer atopischen Diathese (s.u. Differenzialdiagnose).

Differentialdiagnose

Therapie allgemein

Optimierte Analhygiene: Sanierung der proktologischen Grund- bzw. Begleiterkrankung. Meidung von Irritanzien und potentiellen Allergenen. Seifenfreie Reinigung des Afters mit klarem Wasser. Anwendung von lokalen Antiphlogistika auf der Basis von zinkhaltigen Lotionen und Pasten.

Bei nässendem Analekzem kurzfristige Verwendung Hydrocortison-haltiger Salben (empfehlenswert sind niedrig-mittelpotente topische Kortikosteroide) bewährt hat sich Vaseline als Grundlage, da nur geringes irritatives Potential). Eine steroidfreie Alternative wäre Lotio alba.

Calcineurininhibitoren: Nach einer Induktionstherapie mit topischen Kortikosteroiden kann eine Erhaltungstherapie mit topischen Calcineurininhibitoren (Pimecrolimus, Tacrolimus) als proaktive intermittierende Erhaltungstherapie fortgesetzt erden. 

Antimykotika, Antibiotika und Antiseptika:

  • Topische Antimykotika in geeigneten Grundlagen können bei V.a. mykotische Überlagerung, je nach Erregerspektrum großzügig eingesetzt werden. Kurzfristig können befundadaptiert Kombinationen (Antimykotika+Kortikosteroide) zur Anwendung kommen!    
  • Der Einsatz topischer Antibiotika (Neomycin, Mucipirocin, Bacitracin, Erythromycin) sollte auf Grund des allgemeinen Sensibilisierungspotenziales nur bedingt erfolgen.     
  • Ggf. Sitzbäder mit synthetischen Gerbstoffen (z.B. Tannosynt und Tannolact) oder auch mit Desinfizienzien (z.B. Kaliumpermanganat: wenige Kristalle in lauwarmem Wasser auflösen sodass eine kräftig rosafarbene Lösung entsteht).

Diät/Lebensgewohnheiten

Diätetisch empfiehlt sich auf den Genuß von Alkohol und scharf gewürzten Speisen zu verzichten.  

Auf Seifenwaschungen sollte verzichtet werden.

Die Reinigung des perianalen Bereiches kann mit klarem Wasser (am besten Bidet-Nutzung-Falls Bidet nicht vorhanden, wäre eine gute Möglichkeit eine handelsübliche mobile Hand-Po-Dusche) erfolgen; alternativ mit pflanzlichen Ölen (z.B. Olivenöl), die auf weiche Papiertücher aufgetragen werden.

Literatur
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  1. Proske S et al. (2004) Das Analekzem und seine benignen Simulatoren. Hautarzt 55: 259-264
  2. Rajalakshmi R et al. (2011) Lichen simplex chronicus of anogenital region: a clinico-etiological study. Indian J Dermatol Venereol Leprol 77:28-36
  3. Weyandt G et al. (2020) German S1 guidelines for the diagnosis and treatment of perianal dermatitis (anal eczema). J Dtsch Dermatol Ges 18: 648-657.
  4. Weisshaar E (2015) Genitoanal pruritus. Hautarzt 66:53-59

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