Ein persönliches Anliegen
40 Jahre Altmeyers Enzyklopädie: Ärztlich verantwortetes Wissen bleibt unverzichtbar, dafür steht medizinisch zu viel auf dem Spiel.
Es brennt mir auf der Seele, es geht um eine Sache, die mir seit Längerem wichtig ist: Altmeyers Enzyklopädie Medizin.
Es gibt dabei zwei Anlässe. Der erste ist erfreulich: Die Enzyklopädie begeht ihr 40-jähriges Bestehen. Der zweite ist ernster Natur: die zunehmende, aus meiner Sicht problematische Nutzung medizinischer Inhalte durch sogenannte „künstliche Intelligenzen“.
40 Jahre Enzyklopädie Dermatologie – ein Grund zum Feiern
Vier Jahrzehnte an einem medizinischen Registerwerk zu arbeiten, mag insbesondere jüngeren Kolleginnen und Kollegen nahezu unwirklich erscheinen. „40 Jahre“, das klingt nach Medizin aus einer anderen Zeit, nach ledergebundenen Handbüchern, die zwar repräsentativ sind, aber letztlich museal wirken.
Dass Altmeyers Enzyklopädie Dermatologie heute so vital und aktuell ist wie am ersten Tag, verdankt sie vorrangig Ihnen – den zahlreichen Mitautorinnen und Mitautoren, die fortlaufend Inhalte prüfen, verbessern und aktualisieren.
Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken.
Die konsequente Aktualisierung unterscheidet dieses Werk grundlegend von einem klassischen Lehrbuch, das allein durch seine langen Produktionszyklen bereits veraltet ist, bevor es erscheint. In unserer beschleunigten, digitalen Gegenwart ist eine solche informatorische Lücke kaum noch hinnehmbar.
Ich kenne tatsächlich nur ein einziges Lehrbuch, dem es gelingt, jedes Jahr in aktualisierter Fassung auf den Markt zu kommen, und das ist „der Herold“. Ein aufrichtiges Kompliment an die Autoren.
Die Enzyklopädie ist ein gemeinsames Projekt, alle, die an diesem Werk mitwirken, arbeiten an einem gemeinsamen Ziel:
Ein zuverlässiges, nicht immer perfektes, elektronisches Informationsforum, gestaltet von erfahrenen Ärztinnen und Ärzten, geschaffen für den täglichen klinischen Gebrauch und unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort.
Ziel war und ist es, einen unkomplizierten, schnellen Zugang zu relevanten medizinischen Informationen zu ermöglichen – einen fortlaufenden gedanklichen Austausch von Arzt zu Arzt. Dass ich bis heute alle inhaltlichen Korrekturvorschläge persönlich prüfe und zertifiziere, ist Teil dieses Anspruchs.
Die Idee und ihre Entstehung
Die ursprüngliche Idee zu einem dermatologischen Lexikon entstand – wie so vieles – in einem Frankfurter Wirtshaus, nach reichlichem „Äppelwoi-Konsum“. Ausgangspunkt war ein praktisches Ärgernis: das zeitraubende Suchen nach konkreten Informationen in Lehrbüchern mit unübersichtlichen Registern.
Ein alphabetisch aufgebautes Repertorium erschien naheliegend – auch wenn schnell klar war, dass ein Lexikon weder kreativ noch karrierefördernd ist und wissenschaftlich wenig „Impact“ verspricht. Dennoch überzeugte das Konzept auch den Springer-Verlag.
In Zusammenarbeit mit Frau Prof. Bacharach-Buhles entstand zunächst in mühsamer handschriftlicher Arbeit ein kleinformatiges Lexikon der Dermatologie, dessen Einfachheit Prinzip und Schnelligkeit war.
Entgegen aller Erwartungen wurde es eines der auftragsstärksten dermatologischen Werke seiner Zeit. Es folgten weitere, zunehmend umfangreichere und bebilderte Ausgaben.
Vom Buch zur Online-Enzyklopädie
Dank einer großzügigen Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen konnte Anfang der 2000er-Jahre – erneut in Kooperation mit Springer – die Online-Version realisiert werden. Der ursprünglich rein dermatologische Ansatz wurde kontinuierlich erweitert: Phytotherapie, Mikrobiologie, Pharmakologie/Toxikologie und Innere Medizin mit Humangenetik kamen hinzu.
Für diese angrenzenden Fachgebiete gilt heute wie damals der Facharztstandard der Allgemeinmedizin, während für die Kerngebiete Dermatologie, Allergologie/Immunologie und Phytotherapie weiterhin der dermatologische Facharztstandard maßgeblich ist.
Heute stehen rund 70.000 Artikel, ergänzt durch etwa 17.000 qualitätsgeprüfte Abbildungen, zur Verfügung. Unsere Zielgruppe sind Ärztinnen und Ärzte sowie Studierende in den deutschsprachigen Ländern Europas.
Unabhängigkeit und Verantwortung
Besonders wichtig ist mir die Unabhängigkeit dieses Projekts. Wir erhalten keinerlei intransparente Zuwendungen Dritter. Die Einnahmen aus dem Bezahlmodell sowie unsere Anzeigenerlöse decken den Aufwand der teilangestellten ärztlichen Redakteure sowie das technische Hosting. Wenn am Jahresende eine schwarze Null steht, betrachten wir das als Erfolg.
Zur aktuellen Sorge: KI und Datenintegrität
Was mich derzeit jedoch ernsthaft umtreibt, ist die wiederholte Wiedererkennung eindeutig zuordenbarer Inhalte dieser Enzyklopädie bei ChatGPT und in anderen KI-Systemen.
Hier wird fremd erarbeitetes, kuratiertes medizinisches Wissen als eigenes „Produkt“ ausgegeben – ohne Transparenz, ohne Quellen, ohne Verantwortung. Diese Praxis halte ich für inhaltlich problematisch und ethisch fragwürdig. Medizinisches Wissen entsteht nicht durch Algorithmen, sondern durch Erfahrung, Kritik, Korrektur und Verantwortung.
Es geht um eine zentrale Frage moderner Medizin: Wie und wo erwerben wir heute hochwertiges, unabhängiges, unverzerrtes medizinisches Wissen?
Das klassische Lehrbuch hat diese Rolle weitgehend verloren – ebenso zunehmend die medizinische Fachzeitschrift. Beides wird vielerorts bereits durch Suchmaschinen und KI-Systeme ersetzt. Der Kampf gegen diese Entwicklung wäre donquichotthaft.
Die entscheidenden zukünftigen Fragen lauten:
- Welche Zukunft hat ein reines, kuratiertes Faktenportal wie die Enzyklopädie Dermatologie?
- Sind solche Portale noch zeitgemäß – oder werden sie, wie heute bereits der Brockhaus, zu Relikten des vergangenen Jahrhunderts?
Ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass es eine stabile Nachfrage für gesicherte, wertneutrale, ärztlich verantwortete medizinische Daten gibt, gerade in Zeiten algorithmischer Beliebigkeit.
Warum die Enzyklopädie Dermatologie auch in Zukunft relevant bleibt
Für die fachliche Qualität und Tiefe bürgen wir mit der Enzyklopädie Dermatologie in besonderem Maße:
- Inhalte werden von ausgewiesenen Ärztinnen und Ärzten verfasst, die wissenschaftliches Schreiben als Teil ihrer ärztlichen Verantwortung verstehen.
- Alle Autorinnen und Autoren werden namentlich genannt – Transparenz ist Teil unseres Qualitätsanspruchs.
- Eine ständige redaktionelle Betreuung gewährleistet hohe wissenschaftliche Verlässlichkeit und Aktualität.
Die klaren Vorzüge gegenüber allgemeinen Medizinportalen, Leitlinienseiten oder offenen Wissensplattformen liegen auf der Hand:
- Fachspezifische Tiefe statt oberflächlicher Übersichten
- Übersichtskapitel mit klarer Gliederung
- Einheitliche, klinisch erprobte Strukturen
- Konsequente Spezialisierung auf Dermatologie und angrenzende Fachgebiete
- Detaillierte Darstellung auch seltener und komplexer Dermatosen
- Höhere diagnostische Sicherheit bei schwierigen Fällen
- Ausgearbeitete Differenzialdiagnostik
- Standardisierte Kapitelstruktur (Klinik, Histologie, Differenzialdiagnose, Therapie etc.)
- Die Kapitel sind intensiv miteinander verlinkt, sodass im klinischen Alltag ein schneller Vergleich zwischen Krankheitsbildern möglich ist. Das gezielte „Hin- und Herspringen“ zwischen thematisch verwandten, ergänzenden oder einzelnen Stichpunkten führt zu einer spürbaren Zeitersparnis
Ferner stellen wir Ihnen eine hochwertige, kuratierte dermatologische Bildsammlung zur Verfügung – mit präziser Beschriftung sowie typischen und atypischen Verlaufsformen. Zertifiziertes Bildmaterial ermöglicht den direkten visuellen Vergleich mit Ihren Patienten und bleibt durch nichts zu ersetzen.
Ein gemeinsames Fachportal
So verstanden bietet die Enzyklopädie Dermatologie ein qualitätsgesichertes, praxisnahes, unabhängiges und kontinuierlich aktualisiertes Standardwerk auf Facharztniveau. Leitlinien der Fachgesellschaften werden berücksichtigt und textlich integriert, ohne Abhängigkeiten, ohne Interessenkonflikte.
Es ist mir weiter eine Herzensangelegenheit, dass Sie als Nutzerinnen und Nutzer Ihr Wissen einbringen: durch Korrekturen, Ergänzungen, kritische Hinweise. Nichts ersetzt Ihre klinische Erfahrung. Auch eigene Kasuistiken – idealerweise mit Bildmaterial – sind ausdrücklich willkommen und bereichern die Darstellung erheblich.
Und als Letztes der Hinweis auf unser Portal „Patientenfälle & Fragen“, in dem knifflige Fälle mit Kollegen aus allen Fachrichtungen diskutiert werden können. Empfehlenswert ist eine kurze prägnante Krankengeschichte, gegebenenfalls mit gutem Bildmaterial. Dieses Forum macht Spaß. Portal „Patientenfälle & Fragen“: Lassen Sie uns gemeinsam diskutieren und beratschlagen.
Betrachten Sie diese Enzyklopädie als das, was sie ist, oder was sie werden möchte: ein einzigartiges Fachportal der deutschsprachigen Dermatologie, in dem aktuelles Wissen strukturiert, lesbar und visuell aufbereitet zur Verfügung steht. (Autor: Peter Altmeyer)
