Synonym(e)
Definition
Das Schöllkraut (Chelidonium majus) ist eine weit verbreitete, usprünglich in den gemäßigten und warm-temperierten Gebieten Eurasiens sowie im Mittelmeerraum heimische, inzwischen aber auch in Nordamerika angesiedelte, sommergrüne krautige Pflanzenart der Gattung Chelidonium aus der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Die Pflanze erreicht Wuchshöhen von bis zu 70 Zentimetern und bildet ein verzweigtes Rhizom aus. Beim Abbrechen der behaarten Stängel oder beim Einreißen der Blätter tritt ein gelb-orangefarbener, giftiger Milchsaft aus. Kapselfrüchte, schwarze Samen. Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober, Fruchtreife: Juli bis September.
Phytotherapeutisch zur Anwendung kommt Chelidonii herba (offzinell - Ph.Eur.8, Kommission E), die während der Blütezeit gesammelten und getrockneten, ganzen oder geschnittenen, oberirdischen Teile der Pflanze.
In der Kosmetikindustrie, s. u. Chelidonium majus extract (INCI).
Erfahrungsheilkunde: Verwendung des Haut frischen Milchsaftes oder Tinkturen aus Milchsaft (Tinctura chelidonii) extern als Warzenmittel, auch als Ophthalmikum bei Konjunktivitis, Blepharokonjunktivitis, ebenso bei Wundheilungsstörungen auch bei Psoriasis, hier kein Beleg der Wirksamkeit.
Inhaltsstoffe
Zahlreiche Alkaloide, darunter Berberin, Chelerythrin, Chelidonin, Coptisin, Spartein, Chelidoxanthin und Sanguinarin. Die Alkaloide sind sowohl in den oberirdischen Teilen der Pflanze als auch in der Wurzel vorhanden.
Schöllkrautextrakte wirken in vitro toxisch auf Viren, Bakterien, Pilze und schwach zytotoxisch auf menschliche Zellen (ursächlich hierfür sind die Gehalte an Chelidonin, Coptisin und Protopin). Chelerythrin und Sanguinarin stellen das reizende, toxische Prinzip der Pflanze dar. Beide wirken ebenfalls zytotoxisch.
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Wirkungsspektrum
Leicht spasmolytisch im oberen Verdauungstrakt, choleretisch, cholekinetisch, antiphlogistisch, analgetisch, zentral dämpfend, antimikrobiell, antiviral, zyotoxisch.
Anwendungsgebiet/Verwendung
Innerlich: Bestandteil von Leber- und Gallentees. Mittlere Tagesdosis 2–5g der Droge bzw. 12–30 mg an Gesamtalkaloid, berechnet als Chelidomin.
Extern: In der Volksmedizin wird der Milchsaft der Pflanze äußerlich bei Hautkrankheiten wie Warzen verwendet, entweder nativ oder als Salbe.
Der native Saft wird über mehrere Tage 1x täglich auf eine Warze aufgetragen. Die Effizienz der Therapie ist mehrfach belegt.
In der Kosmetik wird Chelidonium majus extract (INCI) als Antischuppenmittel eingesetzt.
Unerwünschte Wirkungen
Bei Ingestion: Alkaloidvergiftung mit Übelkeit, Erbrechen und blutige Durchfällen, Schwindel, Schwächegefühl, brennende Schmerzen gastrointestinal, Hypersalivation, Tachypnoe, Tachykardie, ggf. Kollaps bis zum Herzkreislaufstillstand. An der Haut lokale Reizungen, Kontaktdermatitis.
Bei Überschreiten der Tagesdosis (Alkaloide über 20 mg) ggf. Anstieg der Transaminasen und des Bilirubins, ggf. toxische Hepatitis, Leberschäden mit Todesfolgen.
Kontraindikation
Anamnestische oder manifeste Lebererkrankungen, zeitgleiche Gabe anderer lebertoxischer Präparate, Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder << 12 Jahre
Handelsnamen
Augentropfen, z.B. Augentropfen Rh D 4 10 ml (Weleda); für Warzen: DHU Chelidonium Extern;
LiteraturFür Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio
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