Linitis plastica C16.9
Synonym(e)
Erstbeschreiber/Historie
Der Begriff Linitis plastica wurde 1779 erstmals vom französischen Mediziner Joseph Lieutaud beschrieben. Eine detaillierte Beschreibung und auch Namensprägung erfolgte 1859 durch den englischen Arzt William Brinton. Er hielt die Veränderung für benigne. Erst im Jahre 1953 bewies Arthur Stout die Malignität (El-Nakeep 2023).
Definition
Obwohl die Linitis plastica seit Jahrhunderten bekannt ist, gibt es bislang keine standardisierte Definition für das Krankheitsbild (Agnes 2017).
Unter einer Linitis plastica (LP) versteht man den Verlust der Dehnbarkeit von Hohlorganen, insbesondere des Magens (Kasper 2015) durch eine zirkulär infiltrierende Veränderung (Rudralingam 2003). Dies kann z. B. im Rahmen eines Magenkarzinoms beim „diffusen Typ“ laut Lauren-Klassifikation vor (Herold 2025).
Auch interessant
Vorkommen/Epidemiologie
Patienten mit einem primären Magenkarzinom weisen in 7 – 10 % eine Linitis plastica auf (El-Nakeep 2023).
Ätiopathogenese
Die Ätiologie einer LP bislang nicht gänzlich geklärt. Sie kann im Rahmen folgender Erkrankungen auftreten:
- Diffus infiltrierendes Magenkarzinom
- Im Rahmen einer Tuberkulose
- Bei luetischer Infiltration des Magens im Rahmen einer Lues- Erkrankung
- GIST (Riemann 2008)
- Magenlymphom (Schmoll 2006)
- Magen-Divertikulose (Pantel 2005)
Pathophysiologie
Bei der LP kommt es z. B. durch ein Magenkarzinom zu einer diffusen Proliferation von Bindegewebe. Dieses führt zu einer Verdickung und Rigidität der Magenwand mit Einengung des Magens (Vardali 2016). Der Magen verliert dadurch seine Dehnbarkeit (Beers 2007).
Lokalisation
Die LP findet man überwiegend im Magen, sie kommt aber auch in anderen Hohlorganen vor wie z. B. Colon oder Rektum (Rudralingam 2003).
Klinik
Bis zu einem fortgeschrittenen Stadium hin verläuft die Linitis plastica meistens symptomlos. Symptomatische Betroffene klagen meistens über Dyspepsie (in 55 %), Erbrechen (in 33 %) und Dysphagie (in 33 %). Verursacht werden die Beschwerden i. d. R. durch eine massive Einschränkung der Dehnbarkeit des Magens (El-Nakeep 2023).
Diagnostik
- Endoskopische Untersuchung
Die Diagnose kann durch eine endoskopische Untersuchung mit Gewinnung von Biopsien gestellt werden (Vardali 2016). Dabei sollten jede sichtbare Schleimhautläsion und sämtliche hellen / weißen Areale biopsiert werden (Leitlinie 2025). Oftmals gleitet aber die Biopsiezange an der infiltrierten Wand ab (Beyrouti 2007).
- Computertomographie:
Es findet sich hierbei eine zirkuläre Verdickung der Organwand oder ein konzentrisches Ringmuster (Rudralingam 2003).
- Immunhistochemie:
Da die Schleimhaut häufig nicht betroffen ist, können durch die Endoskopie falsch-negative Ergebnisse vorkommen. Es empfiehlt sich deshalb stets die Immunhistochemie (Sanchez 2025).
Histologie
Im Bereich einer Linitis plastica finden sich histologisch:
- Siegelring-Zellen
- Glanduläre Proliferation von autonomen Zellen
- Infiltration sämtlicher Schichten bis auf die Mukosa (Vardali 2016)
Differentialdiagnose
- Atrophische Gastritis mit ebenfalls verminderter Dehnbarkeit des Magens
- Hypertrophische chronische Helicobacter-pylori-Gastritis
- Verätzende Gastritis
- Z. n. partieller Gastrektomie (El-Nakeep 2023)
Komplikation(en)/Assoziierte Erkrankungen
Mangelernährung bis hin zur schweren Kachexie (El-Nakeep 2023)
Therapie allgemein
Bei einer Linitis plastica durch ein Magenkarzinom erfolgen neben einer kompletten Gastrektomie auch eine Chemotherapie (Vardali 2016) und gelegentlich eine Bestrahlung (El-Nakeep 2023). Allerdings weisen bei Diagnosestellung die meisten Patienten bereits Metastasen auf, so dass lediglich ein palliativer Therapieansatz möglich ist (El-Nakeep 2023).
Im Rahmen einer Syphiliserkrankung kann sich die Linitis plastica durch eine entsprechende Behandlung der Syphilis wieder zurückbilden (Schlesinger 1926).
Verlauf/Prognose
Die Prognose von Patienten mit einem Magenkarzinom im Rahmen einer Linitis plastica gilt als ungünstig, insbesondere bei primär Operierten. Der Einsatz von präoperativer Chemotherapie, Radiochemotherapie und anschließender Gastrektomie erwies sich bei ausgewählten Patienten als wichtig (Ikoma 2019).
Literatur
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Kopernio
Kopernio
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