Lebermetastasen C78.7

Autor: Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

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Zuletzt aktualisiert am: 17.08.2026

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Synonym(e)

Töchtergeschwülste der Leber

Erstbeschreiber/Historie

Der Begriff „Metastase“ wurde erstmals 1829 zeitgleich vom französischen Pathologen Jean Cruveilhier und dem französischen Chirurgen Joseph Recamier geprägt (Gerabek 2007).

Definition

Lebermetastasen sind Absiedlungen extrahepatischer maligner Tumorerkrankungen, die nicht selten multipel auftreten (Herold 2024).

Vorkommen/Epidemiologie

Die Leber ist ein Organ mit sehr hoher Metastasierungsneigung (Clark 2016).

Ätiopathogenese

Lebermetastasen entstehen vorwiegend durch maligne Tumoren des Magen-Darm-Traktes, insbesondere Kolonkarzinome (Antwerpes 2024).

Sie können außerdem auftreten im Rahmen folgender Tumorerkrankungen wie z. B.:

Bei 25 % der Patienten finden sich zum Diagnosezeitpunkt bereits Lebermetastasen und über 50 % entwickeln diese m Laufe der Zeit (Herold 2024). Beim kolorektalen Karzinom treten Metastasen zu 80 % in der Leber (Gnant 2008).

Hierbei treten Lebermetastasen in 15 – 25 % der Fälle bereits bei einem Tumordurchmesser von < 1 cm auf und in 58 – 80 % bei einem Durchmesser von 1 – 2 cm (Kasper 2015).

  • Neuroendokrine Tumoren des Magen-Darm-Traktes:

Hierbei treten oftmals erst nach einer Metastasierung in die Leber Symptome auf (Herold 2024).

Pathophysiologie

Die Metastasierung in die Leber erfolgt (bei kolorektalen Karzinomen) auf dem Blutweg, ebenso wie die Metastasierung in die Lunge. Erst danach werden auch andere Organe betroffen, sog. Kaskadentheorie (Herold 2024).

Klinik

Lebermetastasen sind zumindest primär asymptomatisch bzw. bestehen Symptome des Primärtumors. Erst bei weiterem Fortschreiten kommt es zu Schmerzen im Leberbereich und Symptomen durch Umgebungsinfiltration wie z. B. Ikterus (Leinsinger 2001).

Diagnostik

  • Sonographie:

Sonographisch zeigen Lebermetastasen ein multiples Bild und können sich echoreich oder echoarm darstellen. Mitunter zeigt sich eine zentrale Echoverstärkung, die sog. „bulls eyes“, nur selten finden sich Verkalkungen. Metastasen können zur Kompression oder Verlagerung von Gefäßen führen (Herold 2024).

  • Kontrastmittel-Sonographie:

Hierbei finden sich oftmals eine Spätaussparung und irreguläre Tumorgefäße in der arteriellen Phase (Herold 2024).

  • MRT und CT:

Beide Untersuchungsmöglichkeiten sind sensitiver als die Sonographie, allerdings werden selbst hierbei 5 – 25 % der Lebermetastasen nicht erfasst (Kasper 2015).

Als Standard gilt deshalb das dreiphasische Leber-CT: nativ, arteriell und portovenös (Gnant 2008).

  • Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie:

Bei dieser Untersuchung werden Lebermetastasen eines neuroendokrinen Tumors in mehr als 90 – 95 % der Fälle erkannt (Kasper 2015).

  • Arterielle Angiographie:

Durch eine arterielle Angiographie können Lebermetastasen, die zuvor bildgebend nicht nachweisbar waren, gesichert werden, so konnten z.B. bei einer Untersuchung von 32 Patienten mit medullären Schilddrüsenkarzinom bei 89 % Lebermetastasen nachgewiesen werden (Siewert 2007).

  • Laparoskopie:

Mikrometastasen können durch diese Untersuchungsmethode am häufigsten nachgewiesen werden. Es wurden z.B. bei 36 Patienten in 19 % miliare Lebermetastasen gesichert, die zuvor bildgebend nicht nachweisbar waren (Siewert 2007).

Differentialdiagnose

  • Leberschädigungen mit Porphyrineinlagerungen: Diese stellen sich sonographisch als multiple Rundherde von 1 – 3 cm Durchmesser dar (Herold 2024).

Komplikation(en)/Assoziierte Erkrankungen

Therapie allgemein

Therapeutisch können bei Lebermetastasen eingesetzt werden:

  • Lokoregionäre oder systemische Chemotherapie
  • Kryotherapie
  • Radiofrequenzablation bei Metastasen < 3 cm Durchmesser
  • Perkutane Ethanolinjektion
  • Laserkoagulation (Antwerpes 2024)
  • Radiatio als palliative Maßnahme (Riediger 2023)

Interne Therapie

Durch eine Chemotherapie vor der chirurgischen Resektion von Lebermetastasen kann selbst bei primär nicht resektablen Metastasen in bis zu 40 % eine sekundäre Resektabilität erreicht werden (Herold 2024).

Operative Therapie

Es sind ca. 20 – 30 % der Patienten mit kolorektalen Lebermetastasen primär resektabel (Gnant 2008). Resektable Lebermetastasen können beim Kolonkarzinom mit kurativer Zielsetzung operativ entfernt werden (Herold 2024). Allerdings tritt nach der Resektion in ca. 80 % ein Rezidiv in der Leber auf (Gnant 2008).

Verlauf/Prognose

Die 5-Jahresüberlebensrate für Patienten mit Z. n. resezierten kolorektalen Lebermetastasen liegt zwischen 25 - 40 %, besonders günstig bei Patienten mit solitären oder < als 4 Metastasen (Adler 2000).

In einer Studie von Chen et al. (1998) lag die 5-Jahresüberlebensrate bei Patienten mit metastasierendem neuroendokrinen Tumor nach kompletter Resektion von Lebermetastasen sogar bei 73 % (Siewert 2007).

Bei Patienten mit Non-Kolo-Lebermetastasen ist die Prognose i. d. R. deutlich schlechter (Adler 2000).

Allerdings treten bei ca. 2/3 der Operierten erneute Metastasen auf. Auch hierbei empfiehlt sich die operative Entfernung.

Literatur
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  1. Adler G, Manns P, Müller-Lissner S, Beglinger C, Schmiegel W (2000) Klinische Gastroenterologie und Stoffwechsel. Springer Verlag Berlin / Heidelberg 730 - 731
  2. Antwerpes F et al. (2024) Lebermetastase. DocCheck Flexikon https://flexikon.doccheck.com/de/Lebermetastase
  3. Clark A M, Ma B, Lansing Taylor D, Griffith L, Wells A (2016) Liver metastases: Microenvironments and ex-vivo models. Exp Biol Med (Maywood) 241 (15) 1639 - 1652
  4. Gerabek W E, Haage B D, Keil G, Wegner W (2007) Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter Verlag Berlin / New York 278
  5. Gnant M, Schlag P M (2008) Chirurgische Onkologie: Strategien und Standards für die Praxis. Springer Verlag Wien / New York 201 – 202
  6. Herold G et al. (2024) Innere Medizin. Herold Verlag 491 – 494, 509, 548, 560, 703
  7. Kasper D L, Fauci A S, Hauser S L, Longo D L, Jameson J L, Loscalzo J et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education 561, 572 – 573
  8. Leinsinger G, Hahn K (2001) Indikationen zur bildgebenden Diagnostik. Springer Verlag Berlin / Heidelberg 501
  9. Riediger C, Kühn J P, Krause M et al. (2023) Therapie von Lebermetastasen. Onkologie 29 192 - 201
  10. Siewert J R, Schumpelick V, Rothmund M (2007) Praxis der Viszeralchirurgie. Rothmund: Endokrine Chirurgie. Springer Medizin Verlag Heidelberg 152, 420

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