Krukenberg-Tumor C79.6

Autor: Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

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Zuletzt aktualisiert am: 01.01.2026

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Synonym(e)

Ovarieller Sekundärtumor

Erstbeschreiber/Historie

Im Jahre 1895 hat Marchant durch Friedrich Ernst Krukenberg erstmals den nach Krukenberg benannten Tumor an den Ovarien beschreiben lassen, der schleimartige Zellen enthielt, die in Siegelringform, sog. Siegelringzellen vom Zellleib und Zellkern umgeben waren (Kermauner 1932). Der Tumor wurde zuerst für einen neuen Typ des Ovarialkarzinoms gehalten. Die tatsächliche Metastasierung wurde erst 6 Jahre später nachgewiesen (Al-Agha 2006).

Es galt seit der Beschreibung von Krukenberg umstritten, ob es überhaupt primäre Blastome des Eierstocks gibt (Kermauner 1932).

Jolker hat im Jahre 1930 als Erster einen primären Magenkrebs mit reichlicher Aussaat im Bauchfell und an den Ovarien beschrieben (Kermauner 1932).

Definition

Unter einem Krukenberg-Tumor versteht man eine Abtropfmetastase eines muzinproduzierenden Siegelring-Magenkarzinoms in die Ovarien (Herold 2025 / Kasper 2015).

Im weiteren Sinne werden auch Metastasen eines Kolon-, Mamma- oder Appendixkarzinoms, als Abtropfmetastase bezeichnet, die lymphogen oder hämatogen in die Ovarien metastasieren (Pschyrembel 2025).

Einteilung

Definitionsgemäß wird bei metastasierenden Tumoren kein FIGO-Staging angewendet (Petru 2019).

Vorkommen/Epidemiologie

Metastatische Tumoren der Ovarien machen ca. 6 – 28 % aller Ovarien-Malignome aus (Petru 1998). Man findet sie bei 1 von 100.000 Frauen / Jahr (Petru 2019).

Ätiopathogenese

Der Primärtumor findet sich in 70 % aller Fälle im Gastrointestinaltrakt (Aziz 2024).

Risikofaktoren sind Vorerkrankungen eines Karzinoms in folgender Häufigkeit:

  • der Mamma
  • des Magens
  • des Kolons / des Rektums
  • der Appendix
  • der Gallenblase / des Pankreas
  • der Lunge (Petru 2019)

Pathophysiologie

Die Metastasierung erfolgt wahrscheinlich durch hämatogene Aussaat (Petru 2019) per continuitatem (Buchta 2002), aber auch lymphogen und transcoelomisch (Aziz 2024).

Manifestation

Bei 49 – 81 % sind beide Ovarien betroffen. Die Metastasen breiten sich intra- und retroperitoneal im wesentlichen wie primäre Ovarialkarzinome aus (Petru 1998).

Das mittlere Erkrankungsalter liegt um das 58. Lebensjahr (Petru 2019).

Lokalisation

Krukenberg-Tumoren treten am häufigsten in asiatischen Ländern wie Japan, Korea und China auf, da dort eine höhere Prävalenz an Magenkarzinomen besteht (Aziz 2024).

Klinik

Die Patientinnen klagen über:

  • unspezifische Allgemeinsymptome
  • Unterbauchschmerzen
  • vaginale oder postkoitale Blutungen (Pschyrembel 2025)
  • Stuhlunregelmäßigkeiten mit Wechsel zwischen Diarrhoe und Obstipation
  • Bleistiftstühle
  • Meläna (Petru 2019)
  • Zunahme des Bauchumfangs (Aziz 2024)

Da der Krukenberg-Tumor mitunter rascher wächst als der Primärtumor, beziehen sich die ersten Symptome oftmals auf die Metastase und nicht den Primärtumor (Riede 2009).

Diagnostik

Nicht selten findet sich bei der Diagnostik kein Primärtumor und die chirurgische Therapie erfolgt unter dem V. a. ein primäres Ovarialkarzinom. Es empfiehlt sich deshalb präoperativ eine gezielte Diagnostik in Form einer Gastroskopie, Koloskopie, CT und Sonografie (Petru 2019).

Bildgebung

Sonografie:

Sonografisch findet sich ein solider Tumor im Bereich einer oder beider Adnexe. Häufig besteht auch Aszites (Petru 2019).

Computertomografie:

In der CT lässt sich neben dem Primärtumor auch das Ausmaß der Metastasierung darstellen (Aziz 2024).

Labor

Bei primärem Kolon- bzw. Appendixkarzinomen ist i. d. R. der Tumormarker CEA erhöht (Petru 2019).

Bei primärem Mammakarzinom sollte eine Bestimmung der Hormonrezeptoren und des HER2-neu-Status erfolgen (Petru 2019).

Patienten mit Krukenberg Tumor zeigen mitunter präoperativ erhöhte Werte für Serum-CA-125, die postoperativ wieder absinken (Al-Agha 2006).

Histologie

Histologisch findet man typischerweise beim Krukenberg-Tumor muzinreiche Siegelringzellen mit hyperchromatischen Kernen (Azin 2024).

Differentialdiagnose

  • Primäres Ovarialkarzinom
  • Muzinöse Karzinoide (Azin 2024)

Differentialdiagnose

  • Peritonealkarzinose (Petru 2019)
  • Ovarialtorsion
  • Ileus (Azin 2024)

Therapie

Therapiert wird entsprechend dem Primärtumor ausgerichtet (Pschyrembel 2025). Standardisierte Behandlungsleitlinien gibt es nicht, da der Krukenberg Tumor eine heterogene Tumorbiologie aufweist (Aziz 2024).

Eine Radiotherapie kann bei palliativer Therapie sinnvoll sein z. b. bei schmerzhaften Beckenrezidiven, Lymphödemen der unteren Extremitäten und bei blutenden Vaginalrezidiven (Petru 2019).

Interne Therapie

Bei palliativem Ansatz kann eine Chemotherapie - je nach Lokalisation des Primärtumors -  erfolgen (Petru 2019).

Eine antihormonelle Therapie ist bei hormonrezeptorpositiven Metastasen eines Mammakarzinoms indiziert (Petru 2019).

Operative Therapie

Neben der Resektion des Primärtumors – sofern dieser lokalisierbar ist – erfolgen, sofern keine massive Metastasierung im Abdomen bereits stattgefunden hat, eine beidseitige Adnexexstirpation, Hysterektomie und Omentektomie. Die Lymphadenektomie hat keinen Stellenwert (Petru 2019).

Verlauf/Prognose

Die mittlere Überlebensrate liegt bei Krukenberg-Tumoren bei lediglich 14 Monaten (Aziz 2024).

Die Gesamtüberlebensrate bei Krukenberg- Tumoren liegt nach 5 Jahren bei ca. 10 %. Ein Langzeitüberleben > 5 Jahre wird nur selten beobachtet (Petru 2019).

Bei Patientinnen mit primärem Kolon- bzw. Mammakarzinom hingegen liegt die 5-Jahres-Überlebenrate bei lediglich 0-27 %. Die schlechteste Prognose findet sich bei Patientinnen mit primärem Karzinom des Magens. Hier liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 0 % (Petru 1998).

Günstige Prognosefaktoren sind:

  • Höherer Karnofsky-Leistungsstatus
  • Intraperitonealer Resttumor < 2 cm
  • Ausschließlicher Befall des Beckens
  • Fehlen von Aszites
  • Einseitiger Befall der Ovarien
  • Metachromes Auftreten von Metastasen im Ovar
  • Hoher Differenzierungsgrad (Petru 2019)

Nachsorge

Aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung benötigen Patienten mit Krukenberg-Tumor eine kontinuierliche Nachbetreuung (Petru 2019).

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Al-Agha O M, Nicastri A D (2006) An in-depth look at Krukenberg tumor: an overview. Arch Pathol Lab Med. 130 (11) 1725 - 1730
  2. Azin M, Killeen R B, Carlson K, Kasi A (2024) Krukenberg Tumor. StatPearls Treasure Island (FL) PMID: 29489206
  3. Buchta M, Höper D W, Sönnichsen A (2002) Das zweite Stex: Basiswissen Klinische Medizin für Examen und Praxis. Springer Verlag Heidelberg / Berlin 762
  4. Herold G et al. (2025) Innere Medizin. Herold Verlag 449
  5. Kasper D L, Fauci A S, Hauser S L, Longo D L, Jameson J L, Loscalzo J et al. (2015) Harrison‘s Principles of Internal Medicine. Mc Graw Hill Education 592
  6. Kermauner F, Nürnberger L (1932) Die Erkrankungen der Eierstöcke und Nebeneierstöcke und die Geschwülste der Eileiter.  J. F. Bergmann Verlag München 446
  7. Petru E. Köchli O R, Sevin B U (1998) Metastasierende Tumoren des Ovars (sog. Krukenberg-Tumoren) In: Gynäkologische Onkologie. Springer Verlag Berlin / Heidelberg Kapitel 10
  8. Petru E, Fink D, Köchli O R, Loibl S (2019) Praxisbuch gynäkologische Onkologie. Springer Verlag Deutschland 150 - 152
  9. Pschyrembel online (2025) Krukenberg-Tumor doi: https://www.pschyrembel.de/Krukenberg-Tumor/K0CB8
  10. Riede U N, Werner M, Freudenberg N (2009) Basiswissen allgemeine und spezielle Pathologie. Springer Medizin Verlag Heidelberg 501

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CEA;

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