Kopienzahlvariationssyndrom
Synonym(e)
Definition
Ein Kopienzahlvariationssyndrom ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die durch den Verlust oder die Vervielfältigung eines chromosomalen DNA-Abschnitts hervorgerufen wird.
Allgemeine Information
Molekulare Grundlage: Normalerweise liegen die meisten autosomalen Gene in zwei Kopien vor – je eine mütterliche und eine väterliche Kopie. Bei einer Kopienzahlvariation besteht von einem bestimmten DNA-Abschnitt:
eine Kopie zu wenig: Deletion
eine oder mehrere Kopien zu viel: Duplikation beziehungsweise Multiplikation
Der betroffene Abschnitt kann wenige DNA-Bausteine, einzelne Exons, ein gesamtes Gen oder zahlreiche benachbarte Gene umfassen. Die Erkrankung entsteht durch eine veränderte Gendosis: Bestimmte Genprodukte werden in zu geringer oder zu großer Menge gebildet.
Klinik
Nicht jede Kopienzahlvariation verursacht eine Krankheit. CNVs werden eingeteilt als:
- gutartig,
- wahrscheinlich gutartig,
- von unklarer klinischer Bedeutung,
- wahrscheinlich pathogen oder
- pathogen.
Die Krankheitsausprägung hängt insbesondere davon ab, welche Gene betroffen sind, wie groß die Deletion oder Duplikation ist, ob die Veränderung neu entstanden oder vererbt wurde, wie empfindlich die betroffenen Gene auf Dosisänderungen reagieren.
Umfasst die Veränderung mehrere benachbarte Gene, spricht man auch von einem Contiguous-Gene-Syndrom. Häufig bestehen Entwicklungsstörungen, charakteristische körperliche Merkmale, Organfehlbildungen oder neurologisch-psychiatrische Auffälligkeiten. Die Ausprägung kann selbst innerhalb einer Familie erheblich variieren.
Beispiele
- 22q11.2-Deletionssyndrom: Williams-Beuren-Syndrom: Deletion 7q11.23= 7q11.23-Duplikationssyndrom
- 16p11.2-Deletions- oder Duplikationssyndrom: MECP2-Duplikationssyndrom
Diagnostik
Methode der Wahl ist meist die chromosomale Microarray-Analyse – Array-CGH oder SNP-Array. Abhängig von Größe und Lokalisation können außerdem MLPA, quantitative PCR sowie Exom- oder Genomsequenzierung mit CNV-Auswertung eingesetzt werden.