Synonym(e)
Definition
Natriumtetradecylsulfat ist ein anionisches Detergens (Tensid), das seit mehreren Jahrzehnten als Sklerosierungsmittel zur Behandlung von Varizen und venösen Malformationen eingesetzt wird. Es schädigt gezielt das Endothel von Blutgefäßen und führt dadurch zu einem thrombotischen Verschluss des Gefäßes mit nachfolgender Fibrose.
Summenformel von Natriumtetradecylsulfat: C₁₄H₂₉NaO₄S; Molekulargewicht: 316,4 g/mol; Substanzklasse: anionisches Tensid; Eigenschaften: wasserlöslich, oberflächenaktiv, membranschädigend.
Pharmakodynamik (Wirkung)
Nach der Injektion in das Gefäß kommt es zur (toxischen) Zerstörung der Lipidmembran der Endothelzellen und zur raschen Ablösung des Endothels, zur Aktivierung von Thrombozyten und Gerinnung. Es bildet sich ein intravasaler Thrombus. Durch die Organisation des Thrombus kommt es zur Fibrosierung des Gefäßes und zu einem dauerhaften Gefäßverschluss. Die Wirkung von STS ist daher chemisch induziert und nicht immunologisch , wenn auch sekundär eine lokale Entzündungsreaktion auftritt.
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Pharmakokinetik
Nach intravasaler Injektion wird STS rasch an Plasmaproteine gebunden und in der Leber metabolisiert. Die Metaboliten werden überwiegend renal ausgeschieden. Aufgrund der lokalen Anwendung sind systemische Wirkungen bei korrekter Dosierung selten.
Indikation
STS wird eingesetzt bei:
- Besenreisern
- retikulären Varizen
- Seitenastvarizen
- größeren Stammvarizen (vor allem als Schaumsklerosierung)
- Ösophagusvarizen
- venösen Malformationen: Bei dieser Indikation wird STS häufig interventionell unter Bildgebung appliziert.
- Lymphangiomen (Off-label)
Dosierung und Art der Anwendung
Schaumsklerosierung: Heute wird STS häufig als Mikroschaum verwendet. Zur Herstellung des Schaums wird häufig die Tessari-Methode angewendet (Luft oder CO₂/O₂-Gemisch/Tessari L et al. 2001). Vorteile: längerer Kontakt mit dem Endothel, geringere Verdünnung durch Blut, höhere Wirksamkeit, geringere Wirkstoffmenge erforderlich.
Konzentrationen von STS. Je nach Gefäßgröße:
- 0,1–0,25 % Besenreiser
- 0,5 % retikuläre Varizen
- 1 % Seitenäste
- 2–3 % größere Varizen
Unerwünschte Wirkungen
Häufig an der Injektionsstelle: Schmerzen, Brennen, lokale Schwellung, Hämatome
Hyperpigmentierung, oberflächliche Thrombophlebitis
Gelegentlich: Matting, kleine Hautnekrosen (meist paravasale Injektion), Nervenreizungen
Selten: tiefe Venenthrombose, Lungenembolie, Sehstörungen, Migräneartige Symptome, transitorische neurologische Symptome
Sehr selten: schwere allergische Reaktionen, Anaphylaxie.
Kontraindikation
Akute tiefe Venenthrombose, schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit, lokale Infektion, bekannte Überempfindlichkeit gegen STS, Immobilität
Schwangerschaft: relative Kontraindikation!
Hinweis(e)
Stellenwert in der heutigen Therapie: Trotz der weiten Verbreitung endovenöser thermischer Verfahren (Laser, Radiofrequenz) bleibt STS ein wichtiger Bestandteil der Phlebologie. Es ist insbesondere bei Besenreisern, retikulären Varizen und als Schaumsklerosierung kleiner bis mittelgroßer Varizen etabliert. Bei venösen Malformationen gehört es ebenfalls zu den Standard-Sklerosierungsmitteln.
LiteraturFür Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio
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