Biographische Angaben
(¤ 1916 † 1990) Auf die Frage nach seinem Geburtsdatum antwortete Dr. Rudolf Schröder gerne: „zwei zum Quadrat, drei zum Quadrat, vier zum Quadrat“. Sie wissen es, doch manch einer weiß es vielleicht nicht: Der Hautarzt Rudolf Schröder aus Dortmund wurde demnach am 4. September 1916 geboren. Er kam als zweiter von vier Söhnen seiner Eltern Karl und Frieda Schröder in Dortmund zur Welt.
Seine Kindheit und Jugend waren sehr geprägt von der stark gläubigen, katholischen Erziehung durch seine Eltern. So war er schon früh als Messdiener in der „Liebfrauen-Kirche“ und später in der katholischen Pfadfinder-Organisation tätig, was ihm sehr viel Ärger mit dem sich neu formierenden Naziregime einbrachte: Nächtliche Prügeleien „seiner“ Pfadfindergruppe gegen braune Gruppen der Hitlerjugend waren extrem gefährlich. Sie führten dazu, dass er zunächst von der Schulleitung seines Gymnasiums, dem Bismarck- und späteren Max-Planck-Gymnasium, ausgeschlossen wurde und daher seine Abiturprüfungen nicht ablegen konnte. Damals eine Katastrophe, aus heutiger Sicht jedoch ein deutliches Zeichen von Mut und Redlichkeit! Nachdem sich der Bischof von Paderborn persönlich für Rudolf Schröder einsetzte, durfte er etwa ein halbes Jahr später seine „Abi-Prüfungen“ mit Erfolg absolvieren. Dieser Vorfall zeigt auch, dass die Nationalsozialisten damals noch Respekt vor dem Einfluss der katholischen Kirche hatten: In damaliger Zeit wurden Briefe aus Rom oder von den regionalen Bischöfen eine Woche später von jeder Kanzel im Lande den Gemeinden verlesen.
Nach dem Abitur folgte das Studium der Medizin. Es war üblich, nicht nur an einem Ort, oder an nur einer Universität zu studieren. Zunächst sollte es so weit wie möglich von Dortmund in die Ferne gehen: Da kam nur Königsberg in Frage. Etwa 1000 km von Dortmund entfernt. Man stellte sich an die Bundesstraße 1, die von Aachen bis nach Königsberg verlief und die mitten durch Dortmund führt. Beliebt waren bei den Trampern die Lastkraftwagen, weil die Fahrer sich über ein wenig Unterhaltung freuten. Nach Königsberg folgten Stationen in Wien, Münster und Bonn.
In Bonn lernte Rudolf Schröder den renommierten Arzt Paul Martini (1889 -1964), gebürtig in Frankenthal in der Pfalz, kennen. Dieser wurde später als Leibarzt von Konrad Adenauer bekannt. Thema der Dissertation: „die gefäßerweiternde Wirkung von ATP und Padutin“.
Wie kam Rudolf Schröder zur Dermatologie? Eine Frage, deren Beantwortung einiges aus der Kriegs- und Nachkriegszeit aufzeigt. Zu Ende des 2.Weltkriegs (2.WK) hatte es ihn in die Gegend von Bad Kreuznach an der Nahe verschlagen. In dieser südwestlichen Region unserer Republik gab es damals große, waldreiche Gebiete, die von französischen Truppen am Ende des 2.Weltkrieges besetzt waren. Als Reparation wurden diese Wälder abgeholzt und das Holz nach Frankreich transportiert. Rund um die Holzfällerlager gingen in der Folge viele Frauen dem „horizontalen Gewerbe“, worauf sich sexuell übertragbare Geschlechtskrankheiten (STD´s) rasant ausbreiteten. Da STD`s traditionell der Dermatologie zugeordnet sind, erklärt sich hier sein dermatologischer Einstieg. Sein damaliger Lehrer war Medizinalrat Dr. Vollmer, den Rudolf Schröder auch in späteren Jahren, noch regelmäßig besuchte. Er wird als Leiter eines Sanatoriums für Hautkrankheiten in Bad Kreuznach erwähnt.
Die weitere Ausbildung zum Dermatologen erfolgte anschließend in Essen bei Alois Memmesheimer, einem Schüler von Erich Hoffmann/Bonn (1876 -1959). Hier lernte er unter anderem die suboccipitale Liquor-Punktion im Rahmen der Syphilisdiagnostik, was er sogar noch lange in der Praxis ausübte (!). Die Niederlassung in die eigene Praxis erfolgte nach Umzug in den Königswall 2 in Dortmund im Jahre 1952 mit der Geburt seiner Tochter Barbara Maria. Zwei Söhne, Rudolf Gerlow Schröder folgten 1954 und Kilian Marquard Peter Schröder 1955.
Im 2. Weltkrieg diente Rudolf Schröder als „Unterarzt“. Zunächst wurde er in der südlichen Bretagne, im Seebad La Baule eingesetzt. Auf dem „Vormarsch“, so drückte er sich aus, habe er geplündert: Briefmarken und einen Tintenstift. Dieses Vergehen ließ ihm später keine Ruhe und so fuhr er nach dem Krieg mit seiner Familie an diesen Ort zurück, traf die Bestohlenen, entschuldigte sich und gab das Raubgut wieder zurück. Aus dieser Geste entstand eine lebenslange deutsch – französische Freundschaft.
Der Wahrheit und der Vollständigkeit halber, sei noch erwähnt, dass Rudolf Schröer einmal seine Dienstpistole, eine alte Mauser, ziehen musste: Dies geschah, als er mit einem Panjewagen die düsteren Seiten Ende des Krieges erlebte. Auf der Flucht vor den Russen musste er Verwundete über das Eis der Ostsee bringen. Sein Ziel war Gotenhafen, wo die Wilhelm Gustloff lag ein Kabinen-Fahrgastschiff. Ein hochrangiger Nazi-Funktionär wollte den Panjewagen zum Transport seiner persönlichen Habe requirieren. Das resolute Auftreten von R. Schröder ermöglichte ihm die Weiterfahrt mit seinen Patienten. Die Wilhelm Gustloff hat er zu seinem Glück nicht mehr erreicht.
Rudolf A. Schröder verstarb überraschend im Spätsommer 1990 in einem Hotel direkt neben der alten romanischen Kilian Kirche in Lügde in der Nähe von Bad Pyrmont.
Seine Praxis wurde von 1990 – 2023 von seinem Sohn Dr. Kilian Schröder in Dortmund Eving fortgeführt.
Dieser Beitrag wurde von Dr. med. Kilian M. P. Schröder verfasst.



