Miliaria L74.3

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 23.12.2021

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Synonym(e)

Dermatitis hidrotica; Dew drops; Hidroa; Hitzeblattern; Hitzepickel; Prickle heats; Roter Hund; Schweißbläschen; Schweißfrieseln; Schwitzbläschen

Definition

Bei starkem Schwitzen entstehender, häufig juckender Hautausschlag mit hirsekorngroßen ( Miliaria cristallina) oder geröteten Papeln (Miliaria rubra). Pathogenetisch liegt bei gesteigerter Schweißsekretion eine Verlegung des Schweißdrüsenausführungsganges vor. Je nach Lokalisation des Verschlusses werden verschiedene Formen unterschieden.

Die Miliaria des Säuglings unterliegt einer eigenen Gesetzesmäßigkeit. Die Miliaria (rubra) des Säuglings ist eine häufige "Erkrankung" des reifen und frühgeborenen Säuglings jenseits der ersten Lebenswochen nach Hitzeexposition.

Einteilung

Man unterscheidet:

  • Miliaria cristallina (Verschluss der Schweißdrüsenausführungsgänge im Str. corneum. Hieraus resultieren kleinste wasserklare Bläschen)
  • Miliaria rubra (Verschluss der Schweißdrüsenausführungsgänge unterhalb des Stratum granulosum; der  Schweiß diffudiert in das Gewebe und induziert eine entzündliche Reaktion) 
  • Miliaria profunda ( tiefliegender Verschluss der Schweißdrüsenausführungsgänge im Ausbildung juckender Knötchen)
  • Miliaria pustulosa (bei bakterieller Überlagerung)
  • Miliaria des Säuglings (Die Miliaria des Säuglings unterliegt einer eigenen Gesetzesmäßigkeit. Sie ist eine häufige "Erkrankung" des reifen und frühgeborenen Säuglings jenseits der ersten Lebenswochen) .

Vorkommen/Epidemiologie

Vor allem in den Tropen auftretend. In gemäßigten Breiten v.a. bei eng anliegender, abschließender Kleidung.

Die Miliaria des Säuglings ist eine häufige Erkrankung des Neugeborenen.

Therapie

Da Hitze und Schweiß die Hauptrisikofaktoren für Miliaria darstellen, sind allgemeine Maßnahmen zur Verringerung des Schwitzens und der Blockade der Ekkrinengänge bei der Behandlung von Miliaria gerechtfertigt. Dazu gehören kühlere Umgebungen, das Tragen atmungsaktiver Kleidung, das Peeling der Haut, das Entfernen von hautverschließenden Gegenständen wie Verbänden oder Pflastern sowie die Behandlung von fieberhaften Erkrankungen. Miliaria crystallina wird normalerweise nicht behandelt, da sie selbstlimitierend ist und normalerweise innerhalb von 24 Stunden verschwindet. Die Behandlung mit Miliaria rubra zielt darauf ab, Entzündungen zu verringern, und daher können milde bis mittelstarke Kortikosteroide wie Triamcinolon 0,1% Creme, Clobetasol Creme für ein bis zwei Wochen angewendet werden. Wenn sich eine Miliaria pustulosa entwickelt, sind topische Antibiotika wie Clindamycin angezeigt, um die überlagerte bakterielle Infektion zu behandeln. Über die Behandlung von Miliaria profunda gibt es außer den oben aufgeführten allgemeinen Maßnahmen nur sehr wenige Informationen. Die Ergebnisse einer Studie zeigten jedoch eine Verbesserung der Miliaria profunda durch die kombinierte Anwendung von oralem Isotretinoin 40 mg pro Tag über 2 Monate und topischem wasserfreiem Lanolin.

Externe Therapie

Bei Säuglingen und Erwachsenen: Trockenpinselungen, z.B. mit ethanolischer Zinkoxidschüttelmixtur R292 oder Puder.

Interne Therapie

Bei Erwachsenenen: Bei Juckreiz Antihistaminika wie Desloratadin (z.B. Aerius) 5 mg/Tag p.o. oder Levocetirizin (z.B. Xusal) 5 mg/Tag p.o.

Bei Säuglingen ist keine interne Therapie notwendig.

Prophylaxe

Für Erwachsene: Aufenthalt in klimatisierten Räumen, leichte, nicht okkludierende Kleidung.

Literatur
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  1. Carter R et al. (2011) Patients presenting with miliaria while
    wearing flame resistant clothing in high ambient temperatures: a case series. J
    Med Case Rep 5: 474
  2. Fölster-Holst R, Höger P (2004) Pustulöse Hauterkrankungen des Neugeborenden. JDDG 2: 561-579
  3. Haas N et al. (2002) Congenital miliaria crystallina. J Am Acad Dermatol 47: 270-272
  4. Wenk C et al. (2003) Epidemiology of pediatric dermatology and allergology in the region of aargau, Switzerland. Pediatr Dermatol 20: 482-487

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