Hydrotherapie

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 08.04.2021

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Definition

Anwendung von Wasser festem, flüssigem oder dampfförmigem Zustand in Form von Güssen, Ganzkörper- oder Teilbädern, Wassertreten zur Behandlung akuter oder chronischer Erkrankungen und allgemein roborierend zur Gesunderhaltung. Je nach gewünschter Reizstärke kann kaltes, gefrorenes (Eis), warmes oder heißes Wasser zum Einsatz kommen. Medizinische Wasseranwendungen sind als klassische Behandlungsmethoden unterschiedlicher Erkrankungen anerkannt und werden von einigen Krankenkassen ganz oder teilweise übernommen.

Hydrotherapie kann in vielen Variationen erfolgen: Sauna mit kalten Güssen, warme und kalte Wickel, Waschungen, Dampfanwendungen, Abreibungen, Teil- oder Ganzkörperbäder mit und ohne Zusätze, Güsse, Dauerbrause, Wassertreten und Tautreten. Häufig werden auch wechselnde Reize- wechselwarme Bäder oder Güsse eingesetzt, auch physikalische Reize wie Wasserdruck, Temperatur  oder chemische Reize, sowie elektrische Reize können hinzu kommen.

Als Reiztherapie gibt es unterschiedliche Reizstärken, s.a. unter Indikation.

milder Reiz:

- Bürstungen und Abreibungen, z.B. bei -Durchblutungsstörungen, Striae cutis distensae, Urticaria factitia

- ansteigende  Fuß- und Unterarmbäder z.B. bei: Durchblutungsstörungen, Raynaud Syndrom

- feuchte Auflagen, z.B. bei: nässenden Wunden, nässenden Ekzemen, Dermatitis solaris, Erysipel

 

mittelstarker Reiz:

- ansteigende  Teilbäder, z.B. bei: Durchblutungsstörungen, resistente Tinea unguium, Raynaud Syndrom, Durchblutungsstörungen, Akrozyanose

- Wechselwarme Bäder, roborierende Wirkung, z.B. bei Urticaria factitia

- Sauna zur Immunstimulation bei Infektanfälligkeit, auch bei Kollagenosen (nur  Biosauna)

 

starker Reiz:

- Überwärmungsbad - Vorsicht !!!

- Herpothermie, z.B. bei:  Herpes simplex (Bite away bei Insektenstichen) oder Ganzkörperhyperthermie bei metastasierenden Tumoren

- Kältetherapie lokal: z.B. bei: Hämangiomen, Warzen, genitalem Lichen sclerosus et atrophicus; Kältekammer: akute Arthritis

 

 

 

Wirkungen

Durchblutungsfördernd, immunstimulierend, roborierend, stoffwechselanregend, schmerzstillend (Kälte, Eis), krampflösend (Wärme).

Thermischer Faktor: Zufuhr oder Entzug von Wärme. Durch Kälte kann eine reaktive Hyperämie - Produktion und Verlagerung der Wärme aus dem Inneren an die Körperoberfläche induziert werden.  Der Temperaturfaktor reicht von eiskalt bis unerträglich heiß:

eiskalt = 0-6°C; kühl = 24-30 °C, warm = 38-40 °C , heiß = 48-50 °C

Mechanischer Faktor: Auftrieb im Bad (Reduktion des Eigengewichtes, z.B. bei Bewegungseinschränkung), Verschiebung des Blutes aus den abhängigen Partien - cave: kardiale Belastung bei Vollbad!

Chemischer Faktor: durch Badezusätze, z.B. ätherische Öle, aber auch Kohlendioxid - hierdurch Vasodilatation mit folgender Blutdrucksenkung und Entlastung des Herzens

Elektrischer Faktor: elektrische Reize im Teil- oder Vollbad intensivieren die thermischen Faktoren, beeinflussen die Innervation und damit Aktivität z.B. der Schweißdrüsen, s. Iontopherese.

 

Indikation

Regulierung der Störung bei unterschiedlichen Krankheitsbildern - Aktivierung oder Hemmung: kleine Reize aktivieren, mittelstarke kräftigen und fördern, übergroße Reize hemmen.

 

Reiztherapie mild bis mittelstark

- in Form von ansteigenden Fuß – resp. Unterarmbädern,

    Durchblutungsstörungen, Raynaud Syndrom

- als feuchte Auflagen, Kompressen,

  nässende Wunden, nässende Ekzeme, Dermatitis solaris, Erysipel, Arthritis

 

- Wechselwarme Bäder:

    roborierend bei allgemeiner Schwäche, Urticaria factitia

-  Sauna incl. kalte Güsse

    Allgemeine Immunstimulation bei  Infektanfälligkeit , Kollagenosen (nur   Biosauna bis 60 °C)

-  Überwärmungsbad

    Steigerung der körpereigenen Abwehr, Immunstimulation, Entspannung

Durchführung

- Ansteigende Fuß – resp. Unterarmbäder

   Fuß- resp. Armbad beginnend bei 37 ° C, Zugeben von warmen/heißem Wasser bis zu einer Temperatur von 42 ° C  innerhalb von 15 Minuten

    Cave Verbrennungen durch das zulaufende Wasser

 

- Feuchte Auflagen/Kompressen

   Kompressen in Wasser oder Tee (kalt oder warm) eintauchen, auswringen und direkt auf die Haut, bei akuter Entzündung über die verordnete Creme applizieren

   Wechsel nach 5-10 Minuten, je nach Temperatur.

- Wechselwarme Bäder

   Wechseln von kalt und warmen Bädern auch, auch wechselwarme Duschen mit langsam steigernder Temperaturdifferenz zwischen warm und kalt

- Sauna

  Je nach gewünschter Temperatur auf unterschiedlicher Höhe in der Sauna aufhalten, sitzend oder liegend, Aufgüsse nach 10 Minuten  Aufenthalt. Nach 10 -15

 Minuten  vorsichtiges Abkühlen mittels kalter Güsse, kalter Dusche oder kaltem Tauchbad

- Überwärmungsbad, cave- vorab Herz-Kreislauf abklären

  Ganzkörperbad beginnend bei 37 ° C, langsame Zufuhr warmen/heißen Wassers bis zu einer Temperatur von 42 ° C 

   Cave- Herz-Kreislaufreaktion!

 

Kontraindikation

Starke Reize: Herzinsuffizienz, Polyneuropathie, Schwangerschaft

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Brenke R. (2020) Klassische Naturheilverfahren heute Hydrotherapie. Zaenmagazin 2: 36-40
  2. Cordes JC (1984) Physiotherapie, Hydrotherapie und Elektrotherapie 2. Auflage. Volk und Gesundheit

Verweisende Artikel (2)

Sauna; Wadenwickel, kalter;
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