GM1-Gangliosidose E75.1

Zuletzt aktualisiert am: 16.05.2019

This article in english

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Gangliosidose; Generalisierte (neuroviszerale) Lipidose; Lipidose generalisierte

Erstbeschreiber

Caffey, 1951; Landing, 1964

Definition

Zu den Sphingolipidosen gehörende liposomale Speicherkrankheit (lysosomale Enzymopathie), die durch eine Defizienz der ß-Galaktosidase hervorgerufen wird.

Einteilung

Abhängig vom Erkrankungsalter werden 3Typen der GM1-Gangliosidose unterschieden:

  • Typ 1 GM1-Gangliosidose, infantile Form: schwere, schnell progrediente Form mit Beginn vor dem 6. Lebensmonat
  • Typ 2 GM1-Gangliosidose, spät-infantile oder juvenile Form mit Beginn im Alter zwischen 7 Monaten und 3 Jahren, mit verzögerter motorischer und kognitiver Entwicklung
  • Typ 3 GM1-Gangliosidose, adulte, chronische Form mit späten Beginn im Alter zwischen 3 und 30 Jahren und primär generalisierter Dystonie.

Die Schwere der Erkrankung scheint in Beziehung zur Restaktivität der Beta-Galaktosidase zu stehen.

Ätiopathogenese

Autosomal-rezessiv vererbte Mutationen des ß-Galaktosidase Gens (Genlokus: 3p21.33-3pter) die einen Defekt der ß-Galaktosidase verursachen. Mehr als 165 zugrundliegende Mutationen wurden bisher gefunden. Durch den Enzymdefekt kommt es zur vermehrten toxischen Anhäufung von GM-1 Gangliosiden, Oligosacchariden und Keratansulfat v.a. im zentralen Nervensystem (meist rasch fortschreitenden Verfall verursachend) sowie auch in anderen Organen.

Klinisches Bild

  • Integument: Auftreten von Angiokeratomen ist möglich. Der klinische Verdacht beruht auf Zeichen der Speicherung, wie Vergröberung des Gesichtes, Gingivahyertrophie, kirschrote Makula, Vergrößerung innerer Organe, Dysostose und psychomotorische Retardierung.
  • Typische Symptome sind fatale zerebrale Degenerationen, Glykosidakkumulationen (GM1) in Neuronen, Leber, Milz, oder Nieren; außerdem Deformationen des Skeletts.

Diagnose

Klinik; peripherer Blutausstrich (vakuolisierte Lymphozyten), Analyse der Oligosaccharide im Urin. Im Knochenmark - Gaucher-ähnliche Schaumzellen -. Bestimmung der Aktivität der Beta-Galaktosidase und/oder DNA-Analyse.

Differentialdiagnose

Verlauf/Prognose

Die Krankheit endet meist in den ersten 2 Lebensjahren tödlich.

Prophylaxe

Eine vorgeburtliche Diagnostik in Chorionzotten- oder Amnionzellen ist durch Bestimmung der Beta-Galaktosidase-Aktivität oder, bei bekannter Familiarität, durch Nachweis der Mutation möglich.

 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Beck M (2001) Variable clinical presentation in lysosomal storage disorders. J Inherit Metab Dis 24: 47-51
  2. Caffey JP (1951) Gargoylism (Hunter-Hurler disease, dysostosis multiplex, lipochondrodystrophy): prenatal and neonatal bone lesions and their early postnatal evolution. Bull Hosp Joint Dis 12: 38-66
  3. Callahan JW (1999) Molecular basis of GM1 gangliosidosis and Morquio disease, type B. Structure-function studies of lysosomal beta-galactosidase and the non-lysosomal beta-galactosidase-like protein. Biochim Biophys Acta 1455: 85-103
  4. Chen CS et al. (1999) Broad screening test for sphingolipid-storage diseases. Lancet 354: 901-905
  5. Chen CY et al. (1998) Neuroimaging findings in late infantile GM1 gangliosidosis. AJNR Am J Neuroradiol 19: 1628-1630
  6. Hanson M et al. (2003) Association of dermal melanocytosis with lysosomal storage disease: clinical features and hypotheses regarding pathogenesis. Arch Dermatol 139: 916-920
  7. Landing BH et al. (1964) Familial neurovisceral lipidosis. An analysis of eight cases of a syndrome previously reported as Hurler-variant, pseudo-Hurler disease and Tay-Sachs disease with visceral involvement. Am J Dis Child 108: 503-522

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 16.05.2019