Glukokortikosteroidallergie

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Zuletzt aktualisiert am: 15.08.2018

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Synonym(e)

Allergische Reaktionen auf Glucocorticoide; Glucocorticoid-Überempfindlichkeit; Glucocorticosteroidallergie; Glukokortikoidallergie; Glukokortikoid-Überempfindlichkeit; Kortisonallergie

Definition

Unverträglichkeitsreaktionen auf Glucocorticoide wie kontaktallergische Dermatitis, Sofortreaktionen mit anaphylaktischen Erscheinungen, immunologische und nicht-immunologische Exantheme oder kommen immer wieder vor und sind für nahezu jedes Glucocorticoid beschrieben. Anaphylaktische Reaktionen auf verabreichte Glucocorticoide können für manchen erfolglosen Einsatz in der Notfallmedizin verantwortlich sein. Mit Mehrfachsensibilisierungen bzw. Kreuzallergien ist zu rechnen. Risikogruppen lassen sich nicht ausmachen.

Einteilung

Topische Glukokortiosteroide werden je nach allergologischer Relevanz in 4 Gruppen eingeteilt (s.a. Glukokortikoseroide Epikutantestreihe):

Durch ihr niedriges Molekulargewicht und ihre hohe Lipophilität penetrieren Glucocorticoide die Hornschicht sehr gut. In der Haut erfolgt die Metabolisierung der Glucocorticoide, deren wichtigster Schritt die Hydrolyse ist. Eine Halogenierung in C6-Stellung vermindert das -Risiko einer Sensibilisierung.  Moderate Sensibilisierungshäufungen finden sich bei Amcinonid, Hydrocortison-17-butyrat sowie Budesonid.

Vorkommen/Epidemiologie

Die Inzidenz kontaktallergischer Reaktionen liegt nach einer älteren europäischen Studie bei (erstaunlichen!) 0,2-5,0%. 85% dieser Patienten sind auf mehr als ein Glucocorticoid sensibilisiert (Wurpts G 2018).

Diagnose

Die Diagnose erfordert oft umfassende Testungen des verdächtigten Glucocorticoids (s.u. Glucocorticoide, Epikutantestreihe) unter Einschluss anderer Derivate sowie der Hilfsstoffe. Erschwert wird die Beurteilung einer Epikutantestreaktion dadurch, dass die gegenläufige antiinflammatorische Wirkung des getesteten Glucocorticoids die Typ-IV-Reaktion unterdrückt. Zudem bedingt der vasokonstriktorische Effekt des Glucocorticoids ein Abblassen der Teststelle. Der Epikutantest kann ablesetechnisch falsch negativ sein!

Als Markersubstanzen gelten: Tixocortol Pivalat, Budenosid und Hydrocortison.  Zur Verfügung steht eine Glucocorticoid-Testreihe der DKG. In Zweifelsfällen ist ein Abriss-Epikutantest bzw. der ROAT (repeated open application test) zu empfehlen.  

Hinweis(e)

An Unverträglichkeitsreaktionen auf Glucocorticoide ist immer dann zu denken, wenn sich die Grundkrankheit unter der Behandlung verschlechtert oder Unverträglichkeiten erstmalig auftreten. Oft bereitet es Schwierigkeiten, Symptome oder die Verschlechterung des Zustandes als Folge der Glucocorticoid- Gabe zu erkennen, z.B. eines Verstärkung des Bronchospasmus bei Asthmapatienten oder die Exazerbation einer Dermatitis unter einem Glucocorticoidexternum.  

Neben dem Glucocorticoid als Wirkstoff kommen Hilfsstoffe als Auslöser in Betracht, bei Externa auch Grundlagenbestandteile oder weitere beigemischte Pharmaka (z.B. Neomycin).

Fallbericht(e)

Eine 64-jährige Frau entwickelte einen reversiblen anaphylaktischen Schock nach Injektion von Diclofenac und einem Prednisolon- und Dexamethason-haltigen Präparat.

Die anaphylaktische Reaktion eines 43-jährigen Mannes nach Amoxicillin und dramatischer  Verschlechterung der Anaphylaxiesituation nach intravenöser Zufuhr von Methylprednisolon  wurde auf eine Amoxicillin-Allergie oder Reaktion auf Methylprednisolon zurückgeführt.

Ein 37jähriger Asthmatiker erlitt nach der Injektion von 40mg Triamcinolon einen Status asthmaticus, vermutlich ausgelöst durch den Hilfsstoff Sulfit.

Bei einer 32 Jahre alten Frau trat nach Einnahme von Prednisolon erstmals eine schwere generalisierte Urtikaria mit Angioödemen auf.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Castela E et al. (2012) Topical corticosteroids in plaque psoriasis: a systematic review of risk of 11adrenal axis suppression and skin atrophy. J Eur Acad Dermatol Venereol 26: Suppl 3, 47-51
  2. Dooms-Goossens A et al. (1996) Corticosteroid contact allergy: an EECDRG multicentre study. Contact Dermatitis 35:40-44.
  3. Goossens A (2000) Reactions to corticosteroids: some new aspects regarding cross-sensitivity. Cutis 65:43-45.
  4. Wurtps G (2018) Kontaktallergie auf Glukokortikoide. Allergo J 27: 13-15

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