Dapagliflozin

Autor: Dr. med. Christina I. Hirth

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Zuletzt aktualisiert am: 20.08.2026

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Definition

SGLT2-Inhibitor, der zur Behandlung des Diabetes mellitus (nur Typ 2), der Herzinsuffizienz und der chronischen Nierenkrankheit (CKD) zugelassen ist.

siehe SGLT2-Inhibitoren

Pharmakodynamik (Wirkung)

Wirkmechanismus: SGLT2-Inhibitoren (SGLT2i) beruhen auf einem neuen Wirkprinzip, das sich grundsätzlich von Insulin und anderen oralen Antidiabetika unterscheidet. SGLT2i basieren auf der selektiven, reversiblen Hemmung des natriumabhängigen Glukosetransporters (SGLT2-Transporter / Na+-/Glucose-Symporter) im proximalen Tubulus der Niere. Dies führt zu einer verminderten Glucose- und Natriumresorption und somit zu vermehrter Ausscheidung von Glukose (Glukosurie) und Natrium im Urin (Natriurese). Die Hemmung ist selektiv für den SGLT2-Transporter und betrifft dabei nicht den SGLT1-Transporter. Die Hemmung des SGLT2-Transporters ist jedoch nicht vollständig und wird teilweise durch den SGLT1-Transporter weiter distal im Tubulus kompensiert. Daher kommt es nicht zur Hypoglykämie oder zu Elektrolytverschiebungen.

weitere Einzelheiten: siehe SGLT2-Inhibitoren

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Pharmakokinetik

Schnelle Resorption nach oraler Gabe mit absoluter Bioverfügbarkeit von 78 % (nach 10-mg-Dosis), hohe Plasmaeiweißbindung (ca. 91 %), maximale Plasmaspiegel innerhalb von 1–2 Stunden, Elimination innerhalb von 24–48 Stunden nach Absetzen.

Metabolisierung vorwiegend durch Glukuronid-Konjugation bzw. die UDP-Glucuronosyltransferase UGT1A9. Kaum über CYP. Daher kaum nennenswerte pharmakokinetische Wechselwirkung mit anderen Medikamenten. Der hauptsächlich entstehende Metabolit ist Dapagliflozin-3-O-Glucuronid; dieser bzw. andere Metaboliten tragen nicht zur Wirkung bei.

Bei Nierenfunktionsstörung eGFR ≤ 45 ml/min glukosesenkende Wirkung reduziert, daher ggf. zusätzliche glukosesenkende Medikation notwendig. Die kardio- und nephroprotektive Wirkung bleibt auch bei eingeschränkter Nierenfunktion erhalten.

Bei schwerer Leberfunktionsstörung keine Anwendung oder ggf. initial geringste Dosis und schrittweise erhöhen (siehe Fachinfo).

Indikation

Herzinsuffizienz (HF) nach Leitlinen 

ab 18 Jahren anwendbar.

Typ 2 DM nach Leitlinien

an 10 Jahren anwendbar.

Niereninsuffizienz (CKD) nach Leitlinien 

ab 18 Jahren anwendbar.

weitere Hinweise siehe SGLT2-Inhibitoren 

Schwangerschaft/Stillzeit

kontraindiziert in Schwangerschaft und Stillzeit 

weitere Hinweise siehe Fachinfo.

 

Dosierung und Art der Anwendung

empfohlene Dosierung 1x tägl. nahrungsunabhängig und zu jeder Tageszeit möglich.

weitere Hjnweise siehe Fachinfo.

 

Unerwünschte Wirkungen

Häufigste Nebenwirkung ist das Auftreten von Genital- und Harnwegsinfektionen, die durch die therapiebedingte Glukosurie begünstigt werden. Das Risiko läßt sich durch gute Hygiene- und Pflegemaßnahmen reduzieren (Patientenaufklärung!). Infektionen sind selten und lassen sich mit üblichen Behandlungsmaßnahmen gut behandeln.

Eine schwerwiegende unerwünschte Wirkung bzw. Komplikation ist die sog. Fournier-Gangrän, eine nekrotisierende Fasziitis des äußeren Genitals, des Perineums, der Perianalregion und/oder der Inguinalregion, die sehr selten auftritt und eine hohe Letalität aufweist (Prognose ist durch frühe Diagnosestellung und aggressive Behandlung deutlich verbesserbar). Das Risiko ist für Patienten mit Immunschwäche jeder Ursache, einen schlechten Allgemein- und/oder Ernährungszustand, eine vorliegende Alkoholkrankheit, Drogenabhängigkeit, Rauchen, höheres Alter oder z. B. Adipositas erhöht. Die Erkrankung ist lebensbedrohlich und erfordert eine sofortige chirurgische bzw. multimodale Behandlung.

Komplikation: Atypische Ketoazidose, sehr selten, aber potentiell lebensbedrohlich! Bei Behandlung mit SGLT2i kann eine Ketoazidose auch bei nur gering erhöhten oder normalen Blutglukosewerten auftreten! Diesbezüglich ist eine besondere Aufmerksamkeit für Klinik und Diagnose gefordert!

Bei folgenden Symptomen ist eine Ketoazidose sehr wahrscheinlich: Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Bauchschmerzen, starker Durst, Schwierigkeiten beim Atmen, Verwirrtheit, ungewöhnliche Müdigkeit, Schläfrigkeit, Bewusstseinsverlust.

Risiko ist erhöht in Situationen mit vermehrtem endogenen Insulinbedarf oder relativem Insulinmangel, wie z. B. bei größeren operativen Eingriffen, Fasten, Stress, bariatrische, Operationen, aber auch diagnostischen Prozeduren, die Nahrungskarenz erfordern, niederkalorischen Diäten, Nahrungsumstellung - insbesondere bei verminderter Kohlenhydratzufuhr - Malabsorption, bei starkem Flüssigkeitsverlust und starker körperlicher Belastung, exzessivem Alkoholkonsum, oder akuten schweren Erkrankungen wie Infektionen, Gastroenteritiden, Myokardinfarkt, Schlaganfall u. a.
Auch bei Kombinationsbehandlung von SGLT2i mit Insulin kann es durch Reduzierung der Insulindosis zu einem erhöhten Risiko für diabetische Ketoazidosen kommen. Daher strenge Überwachung der Blutzuckerwerte und ggf. Ketonkörper und erhöhte Achtsamkeit für Symptome notwendig!

Diagnose: Überwachung der Ketonkörperkonzentration im Blut (Ketonkörperbestimmung im Harn nicht ausreichend), pH ≤ 7,3; Serumbicarbonat ≤ 15 mmol/l; Anionengap ≥ 12 mmol/l. 

Sofortiges Absetzen der SGLT2i und Behandlung bei Ketoazidose! Cave: Die diab. Ketoazidose kann bei einigen Patienten erheblich über den hinsichtlich der Plasmahalbwertszeit zu erwartenden Zeitraum nach dem Absetzen fortdauern; gleiches gilt für die Glukosurie.  

Pausierung der Behandlung bei Infektionen und akuten Erkrankungen sowie bei Nahrungsumstellung u. Ä. Absetzen mögl. 3 Tage vor Op. (AVP, Arzneiverordnung in der Praxis Band 50(1), März 2023) (Patienten sollten über mögliche Ketoazidose, Risikosituationen und Symptome aufgeklärt werden!)

Zu Beginn der Behandlung kann es zu vorübergehender, deutlicher, reversibler Serumkreatininerhöhung und Verringerung der eGFR kommen = Teil des Wirkprinzips und der nephroprotektiven Wirkung durch osmotische Diurese und TGF. Bei Patienten mit stärker eingeschränkter Nierenfunktion wird eine engmaschige Überwachung und Behandlung durch einen erfahrenen Nephrologen empfohlen (klinische Daten und Studien sowie Leitlinien und Nutzenbewertung für die Behandlung von CKD mit geringer eGFR beziehen sich auf Dapagliflozin und Empagliflozin; siehe Fachinformation für das jeweilige Produkt).

weitere Hinweise siehe Fachinfo.

Wechselwirkungen

SGLT2i lassen sich nach gegenwärtigem Stand ohne wesentliche, klinisch relevante Wechselwirkung mit anderen Medikamenten kombinieren.

Bei Kombination mit anderen Diuretika (Thiazid- und Schleifendiuretika) kann die diuretische Wirkung verstärkt werden und das Risiko für Dehydratation und Hypotonie wird erhöht.  Insbesondere beachten bei älteren Menschen bzw. Hypotonie in der Vorgeschichte, Ausgleich von Dehydratation vor und während Behandlung, ggf. Dosisreduktion antihypertensiver oder diuretischer Begleitmedikation, ggf. pausieren der SGLT2i und Volumenausgleich.

Bei Kombination mit Insulin und insulinotropen Substanzen besteht das Risiko von Hypoglykämien (engmaschige Blutzuckerkontrollen insbesondere bei Dosisänderungen notwendig, ggf. vorsichtige Reduktion von Insulin o.a. ggf. Ketonkörperkontrolle).

Es kann zu vermehrter Ausscheidung von Lithium und Absinken des Serumlithiumspiegels kommen (regelmäßig Lithiumspiegel und ggf. Dosisanpassung bei Beginn der Begandlung und bei Dosisänderung von SGLT2i).

Für ausführliche Information siehe Fachinfo.

Kontraindikation

Dapagliflozin ist nicht angezeigt bei Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ 1, da hier ein zu großes Risiko für mitunter lebensbedrohliche Ketoazidosen besteht.

SGLT2i sind nicht anzuwenden bei Patienten unter 18 Jahren (es liegen keine Daten vor). Ausnahme: Dapagliflozin ist zur Behandlung eines Diabetes mellitus Typ 2 bei Patienten ab 10 Jahren zugelassen (Fachinformation Forxiga®).

Bei Patienten mit einer eGFR < 25 ml/min/1,73 m² wird die Einleitung einer Behandlung nicht empfohlen.

SGLT2i sind nicht anzuwenden bei Überempfindlichkeit gegen einen der Wirkstoffe oder sonstige Bestandteile des Medikamentes. Enthält Lactoseverbindung, daher nicht anzuwenden bei Patienten mit seltener hereditärer Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption (siehe jeweilige Fachinfo).

weitere Hinweise siehe Fachinfo.

Präparate

Dapagliflozin Forxiga® 5mg 10mg

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