Bictegravir

Zuletzt aktualisiert am: 01.09.2026

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Definition

Bictegravir ist ein integrasehemmendes antiretroviraler Wirkstoff, der zur Behandlung von HIV-1-Infektionen eingesetzt wird. Es gehört zur Gruppe der Integrase-Strangtransfer-Inhibitoren und wird meist in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen verwendet (z.B. als BIC/FTC/TAF-Protokoll), um die Virusreplikation zu unterdrücken und die Progression der HIV-Infektion zu verhindern.

Pharmakodynamik (Wirkung)

Bictegravir hemmt die HIV-Integrase, ein für die Virusreplikation essenzielles Enzym, indem es die Integration der viralen DNA in das Genom der Wirtszelle blockiert. Dadurch wird die Bildung neuer Viruskopien verhindert und die Viruslast im Körper gesenkt. Bictegravir weist eine hohe Resistenzbarriere auf und bleibt gegen viele Integrasehemmer-resistente HIV-Stämme wirksam.

Bemerkung: Die Integrase ist eines der drei zentralen Enzyme des HIV-Replikationszyklus und ein bevorzugtes pharmakologisches Angriffsziel. Die HIV‑Integrase wirkt als molekulares Verankerungsenzym: Sie verbindet die virale DNA kovalent mit der DNA im menschlichen Genom und verwandelt damit eine vorübergehend vorhandene virale DNA-Kopie in einen potenziell lebenslang persistierenden Provirus. Der Mensch besitzt kein unmittelbar entsprechendes Enzym zur retroviralen DNA-Integration. Damit  lässt sich die virale Integrase relativ selektiv hemmen.

Pharmakokinetik

Bictegravir wird nach oraler Gabe schnell resorbiert, mit einer maximalen Plasmakonzentration etwa 3 Stunden nach Einnahme. Es wird in der Leber primär über CYP3A4 und UGT1A1 metabolisiert und hauptsächlich über die Fäzes ausgeschieden, mit einer Eliminationshalbwertszeit von ca. 17 Stunden.

Anwendungsgebiet/Verwendung

Bictegravir wird zur Behandlung der HIV-1-Infektion bei Erwachsenen und Jugendlichen über 12 Jahren angewendet. Bictegravir wird oral als einmal tägliche Tablette verabreicht, in der fixen Kombination Biktarvy® (Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid). Die feste Kombination verbessert die Therapieadhärenz und minimiert das Risiko einer Resistenzentwicklung.

Affenpockenvirus und Bictegravir: Das Affenpockenvirus (MPXV) war die Ursache für die weltweite Mpox-Epidemie 2022–2023 sowie für die gleichzeitigen Ausbrüche in Afrika, von denen immungeschwächte Personen, wie beispielsweise Menschen mit HIV, überproportional stark betroffen waren. Bictegravir und Etravirin weisen eine klinische Effizienz bei Infektionen mit dem Affenpockenvirus (MPXV) sowie bei versch. Orthopoxviren wie dem Vacciniavirus und dem Kuhpockenvirus auf (Wang Y et al. 2025).

 

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaf: Es gibt nur begrenzte Erfahrungen mit Bictegravir und Tenofoviralafenamid bei Schwangeren. Für Emtricitabin liegen mehr Daten vor, die kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen zeigen. Tierstudien ergaben keine Hinweise auf gesundheitsschädliche Wirkungen.

Biktarvy sollte während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der Nutzen das potenzielle Risiko überwiegt.

Stillzeit: Es ist unklar, ob Bictegravir und Tenofoviralafenamid in die Muttermilch übergehen. Emtricitabin passiert nachweislich die Muttermilch. Tierstudien zeigten keine negativen Effekte auf Jungtiere. Biktarvy wird in der Stillzeit nicht empfohlen. Zur Vermeidung einer HIV-Übertragung sollten HIV-positive Frauen nicht stillen.

Dosierung und Art der Anwendung

Die empfohlene Dosierung von Bictegravir beträgt 50 mg täglich in Kombination mit Emtricitabin (200 mg) und Tenofoviralafenamid (25 mg). Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Eine Dosisanpassung ist bei leichter bis mäßiger Niereninsuffizienz nicht erforderlich.

Unerwünschte Wirkungen

Häufige Nebenwirkungen umfassen:

  • Gastrointestinale Beschwerden: Übelkeit, Durchfall
  • Zentrale Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen
  • Metabolische Effekte: Geringe Erhöhungen der Serumlipide
  • Selten wurden schwere Nebenwirkungen wie Hepatotoxizität oder Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet.

Biktarvy und UAWs-Haut:

  • UAWs Haut treten bei Biktarvy gelegentlich (bei 1 bis 10 von 1.000 Behandelten) auf. Juckreiz, nicht-urtikarielle Exantheme, Urtikaria und seltener Angioödeme. In seltenen Fällen sind auch schwerwiegende Reaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom möglich.
  • DRESS: Das DRESS-Syndrom (Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms) wird mit antiretroviralen Medikamenten in Verbindung gebracht. In  vereinzelten Fällen wurde es auch im Zusammenhang  mit Bictegravir beobachtet (DiLorenzo MA et al. 2023).

UAW: Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Nausea, Diarrhoe und Kopfschmerzen sowie Depressionen,

Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von Bictegravir sind folgende Wechselwirkungen zu beachten:

CYP3A- und UGT1A1-Interaktionen:

  • Induktoren (z. B. Rifampicin, Johanniskraut): Senken die Bictegravir-Konzentration, was zu Wirkverlust und Resistenz führen kann. Gleichzeitige Anwendung ist kontraindiziert.
  • Inhibitoren (z. B. Atazanavir): Erhöhen die Bictegravir-Konzentration, was das Risiko für Nebenwirkungen steigert. Nicht empfohlen.
  • P-gp- und BCRP-Interaktionen:
  • Bictegravir ist ein Substrat von P-gp und BCRP. Bei Kombination mit Inhibitoren (z. B. Makrolide, Ciclosporin, Verapamil) ist Vorsicht geboten.

OCT2- und MATE1-Interaktionen:

  • Bictegravir hemmt diese Transporter, jedoch ohne klinisch relevante Effekte, z. B. bei Kombination mit Metformin. Gleichzeitige Anwendung möglich.

CYP-Enzyme:

  • Bictegravir ist kein Inhibitor oder Induktor von CYP-Enzymen, daher geringe Wechselwirkungsgefahr über diesen Weg.

Kontraindikation

Kontraindikation

  • Bictegravir darf nicht angewendet werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Gleichzeitige Anwendung mit Rifampicin und Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Hinweis(e)

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung des Kombinationspräparates Biktarvy zu beachten:

  • HIV-Übertragung: Trotz erfolgreicher Therapie bleibt ein Restrisiko der Übertragung bestehen. Schutzmaßnahmen gemäß nationalen Leitlinien sind weiterhin notwendig.
  • Hepatitis-B/C-Koinfektion: Erhöhtes Risiko für schwere Leberschäden. Nach Absetzen von Biktarvy sind regelmäßige Kontrollen erforderlich, um akute Hepatitis-Exazerbationen zu erkennen.
  • Lebererkrankung: Bei bestehenden Leberproblemen kann es zu Funktionsstörungen kommen. Regelmäßige Überwachung ist empfohlen, bei Verschlechterung Therapieüberprüfung.
  • Stoffwechselveränderungen: Gewichtszunahme sowie Anstieg von Blutfett- und Blutzuckerwerten möglich. Kontrolluntersuchungen sind ratsam.
  • Mitochondriale Dysfunktion: Bei Kindern, die in der Schwangerschaft exponiert waren, können Stoffwechsel- und neurologische Störungen auftreten.
  • Immunrekonstitutionelles inflammatorisches Syndrom: Mögliche überschießende Immunreaktionen nach Therapiebeginn, auch Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow möglich.
  • Opportunistische Infektionen: HIV bleibt trotz Therapie bestehen, das Risiko für opportunistische Infektionen bleibt.
  • Osteonekrose: Risiko für Knochenschäden, insbesondere bei Langzeit-ART oder Risikofaktoren wie Alkoholkonsum.
  • Nierenschäden: Potenzielles Risiko für Nephrotoxizität bei Langzeitanwendung; Nierenfunktion regelmäßig kontrollieren.
  • Wechselwirkungen: Keine gleichzeitige Einnahme mit Antazida, Eisenpräparaten oder bestimmten Medikamenten (z. B. Rifampicin, Carbamazepin) ohne ärztlichen Rat. Keine Kombination mit anderen antiretroviralen Therapien.

Literatur

  1. DiLorenzo MA et al. (2023) Bictegravir-Induced Drug Reaction With Eosinophilia and Systemic Symptoms in a Patient With Acute Human Immunodeficiency Virus. Open Forum Infect Dis 10:ofad066.
  2. Miyagawa F et al. (2021) Current Perspective Regarding the Immunopathogenesis of Drug-Induced Hypersensitivity Syndrome/Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms (DIHS/DRESS). Int J Mol Sci 22:2147.
  3. Pipitò L et al. (2023) A case of syphilis associated with immune reconstitution inflammatory syndrome and review of the literature. AIDS Res Ther 20:28.
  4. Wang Y et al. (2025) AI-driven discovery of antiretroviral drug bictegravir and etravirine as inhibitors against monkeypox and related poxviruses. Commun Biol 8:1734.

Zuletzt aktualisiert am: 01.09.2026