Kieselerde
Synonym(e)
Definition
Unscharf definierter Begriff für Mineralien und Sedimente mit hohem Siliziumgehalt. Ursprünglich bezeichnete man mit dem Begriff Kieselerde Mineralien, die sich wegen ihres Quarzgehalts zur Herstellung von Glas eignen. Kieselerde wird als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Die vom Körper benötigte Menge an Siliziumdioxid (Siliciumdioxid) wird über die normale Ernährung gedeckt. Silizium ist z.B. in Kartoffeln oder Vollkornprodukten enthalten.
Kieselerde soll Haut, Haare und Nägel festigen, Alterserscheinungen der Haut vorbeugen und die Knochen stärken.
In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 48 Frauen mit feinem Haar, die täglich 10 mg Silizium über einen Zeitraum von 9 Monaten einnahmen, zeigte sich eine Verbesserung der Haarstruktur und Haarfestigkeit, die Querschnittsfläche der Haare nahm nach 9 Monaten signifikant zu (Wicket et al. 2007). Gehring (2010) wies in einer offenen, einarmigen Studie bei 79 Probanden mit splitternden, brüchigen und spröden Haaren nach Einnahme von 3 × 350 mg Kieselerde täglich nach 3 und nach 6 Monaten eine signifikante Verbesserung des Quellverhaltens der Haare nach Inkubation mit NaOH, der Dicke der Haare und der Haarqualität in der Selbstbeurteilung der Probanden nach.
Im Jahr 1993 publizieten Lassus A et al. eine offene Studie mit 50 Probandinnen mit biologisch gealterter Haut, dünnem Haar oder spröden Nägeln. Verabreicht wurden einmal täglich 10 ml kolloidale Kieselsäure und zweimal täglich für 10 Minuten kolloidale Kieselsäure auf das Gesicht. Dicke und Turgor der Haut, Falten und Zustand der Haare und Nägel zeigten statistisch signifikante Verbesserungen, wobei die sonographisch gemessene Dicke der Dermis signifikant zunahm, jede der Epidermis dagegen nicht (Lassus A. 1993).
Kosmetikindustrie: Silica dimethyl silylate (INCI)
Pharmakodynamik (Wirkung)
Der Mechanismus der positiven Wirkung von Kieselerde auf Haare und Nägel ist weitgehend ungeklärt, soll jedoch auf den Anstieg von Hydroxyprolin in der Dermis durch orale Siliziumgaben (Siliciumgaben) bewirkt sein.
Auch interessant
Indikation
Kieselerde wird traditionell zur Verbesserung der "Haut, der Nägel und der Haare" eingesetzt. Weiterhin wird eine kosmetische Langzeitwirkung postuliert.
Hinweis(e)
Der Begriff Kieselerde leitet sich von "Kieselalgen" ab, die eine siliziumhaltige Zellhülle besitzen, die nach ihrem Absterben erhalten bleibt und so den Grundstoff der Kieselerde bildet. Als homöopathisches Mittel ist Kieselerde auch unter dem Namen Silicea terra bekannt, Kieselsäure dagegen als Acidum silicium.
Chemisch handelt es sich bei Kieselerde um Kieselsäureanhydride, also Siliciumdioxide und nicht um Kieselsäuren. Gelegentlich werden auch Aluminosilikate (Alumosilikate) wie Kaoline als Kieselerde bezeichnet. Sie enthalten SiO2 und Al2O3.
Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio
Kopernio
- Gehring W (2010) Effekt der oralen Gabe von Kieselerde auf die Haarqualität. Akt Dermatol 36: 414-417
- Lassus A. (1993) Colloidal silicic acid for oral and topical treatment of aged skin, fragile hair and brittle nails in females. J Int Med Res;21(4):209-15. doi: 10.1177/030006059302100406. PMID: 8112478.
- Wickett RR et al. (2007) Effect of oral intake of choline-stabilized orthosilicic acid on hair tensile strength and morphology in women with fine hair. Arch Dermatol Res;299(10):499-505. doi: 10.1007/s00403-007-0796-z. Epub 2007 Oct 25. PMID: 17960402.