Pneumokoniosen

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Dr. med. S. Leah Schröder-Bergmann

Alle Autoren dieses Artikels

Zuletzt aktualisiert am: 05.03.2019

This article in english

Synonym(e)

Staubinhalationskrankheiten; Staublunge

Erstbeschreiber

Der italienische Arzt Ramazzini erstellte in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts ein international anerkanntes Standardwerk über die seinerzeit wichtigen Berufskrankheiten, welches in 5 Sprachen übersetzt wurde.

1775 wurde in England von Pott erstmals bei Kaminkehrern ein Zusammenhang zwischen Berufstätigkeit und einer Krebserkrankung nachgewiesen (Buchter 1986).

Greenhow wies 1860 auf die sog. Montagssymptomatik bei Flachsarbeitern hin ( Ulmer 1976).

Der Begriff „Pneumokoniosen“ wurde 1867 von Zenker erstmals verwendet (Hoffmeyer2007).

In Deutschland wurde 1914 von Baader die erste klinische Abteilung für Gewerbekrankheiten in Berlin gegründet (Buchter 1986).

 

Definition

Pneumokoniosen sind Erkrankungen der Lunge, die durch Inhalation von anorganischen Stäuben hervorgerufen werden. Die von organischen Stäuben hervorgerufenen Erkrankungen der Lunge zählen – im Sinne der ursprünglichen Definition – nicht dazu (Herold 2018).

Einteilung

Die Pneumokoniosen werden unterteilt in:

 

  • Aktive Pneumokoniosen: dazu zählen Inhalationen von Quarzstaub (Silikose), von Asbeststaub (Asbestose), von Beryliumstaub oder -rauch (Berylliose) und von Aluminiumstaub (Aluminose) u.a..

 

  • Inerte Pneumokoniosen haben keinen wesentlichen Krankheitswert; dazu zählt z. B. die Staubinhalation von Eisen

Vorkommen

Die Pneumokoniosen zählen auch heute noch zu den häufigsten beruflichen Erkrankungen, die bis hin zur Invalidität führen (Herold 2018).

Ickert zeigte bereits 1928, dass die Inzidenz von Pneumokoniosen abhängig vom Berufsalter ist. Er fand eine Häufigkeit von Pneumokoniose zwischen 40,3 % (Berufsalter 0 -5 Jahre) bis 100 % (Berufsalter 30 – 35 Jahre) (Ickert 1928).

Ätiologie

Die Pneumokoniosen entstehen durch Inhalation von Stäuben, die eine Größe von unter 5/1000 mm haben oder durch Dämpfe:

Fibrinogene Stäube wie z. B.

Asbest

Quarz

Beryllium

Talkum

Hartmetall

Kaolin

Aluminium

Mischstäube (Dentallabor)

 

Toxische Stäube wie z. B.:

Aluminium

Beryllium

Kadmium

Zink

Chrom-IV-Verbindungen

Kadmium

Mangan

Arsen

Nickel

Thomasschlacke

Vanadiumpentoxid

Staub von Baumwolle, Flachs und Hanf

Staub von diversen exotischen Hölzern

 

Allergisierende Stäube (sogenannter schimmelpilzhaltiger Staub); dieser kann zu Erkrankungen führen, die oftmals unter dem Sammelbegriff „extrinsische allergische Alveolitis“ führt (Thomas 1996):

Getreide

Heu

Pilzkompost

Käse

Zuckerrübenrückstand

Pilzsporen aus Luftbefeuchtungsanlagen

Vogelmist

Tee- und Kaffeestaub

Korkstaub (Korkstaublunge)

 

Folgende Faktoren müssen vorliegen, damit sich eine Pneumokoniose entwickeln kann. 

Physikalische Voraussetzungen sind:

Sedimentation

Diffusion

Chemische Voraussetzungen sind:

Substanzen wie z. B. Quarz haben eine sehr ausgeprägte fibrinogene Wirkung; bei anderen Substanzen wie z. B. Kohle, Eisen lagern sich reaktionslos ab (sog. Inerte Stoffe)

Reaktion des Wirtes:

Clearancerate

Immunologische Faktoren

Klinisches Bild

Symptome der Pneumokoniosen entwickeln sich meistens erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Auffällig ist dann die Differenz zwischen den relativ geringen subjektiven Beschwerden und dem erheblichen Röntgenbefund.

An Beschwerden können auftreten:

  • Reizhusten
  • Ruhedyspnoe
  • Belastungsdyspnoe

Im Spätstadium kann es zu einem Cor pulmonale – mit den entsprechenden Symptomen - kommen. Zusätzlich besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, an Karzinomen (besonders bei Asbestbelastung) und an Tuberkulose (besonders bei Silikose) zu erkranken (Thomas 1996).

Diagnose

Röntgenbefund

Im Röntgenbild des Thorax finden sich multiple, unterschiedlich große Schatten (meistens zwischen 1- 10 mm groß). Diese Verschattungen weisen eine einheitliche Dichte auf.

Die radiologischen Veränderungen unterteilen sich in (Thomas 1996):

  • Grad 1: feine retikuläre Lungenzeichnung
  • Grad 2: dicht stehende Herde (sog. Schneegestöber)
  • Grad 3: Konglomeratknoten mit perifokalem Emphysem

Lungenfunktion

Zunächst findet sich in der Lungenfunktion eine überwiegend restriktive oder überwiegend obstruktive Funktionsstörung.

Im späteren Stadium sieht man dann das Bild eines chronisch unspezifischen respiratorischem Syndrom (CURS).

(Thomas 1996)

 

Hinweis(e)

Herstellung und Verwendung von Asbest wurden mit Inkrafttreten der Gefahrenstoffverordnung vom 26.10.1993 mit Beginn des Jahres 1994 verboten (Büttner 2004).

Arbeitsschutzbedingungen sind die wichtigste Vorsorge im Umgang mit anorganischen und / oder organischen Stäuben. Dazu zählen der Einsatz von technischen Hilfsmitteln wie z. B. das Filtern der Raumluft durch den Einsatz von Entstaubern oder das Befeuchten der Raumluft etc..

Erst wenn diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, sollte als ultima ratio der persönliche Staubschutz mit Hilfe von Masken und dem Einsatz von Atemschutzgeräten zum Tragen kommen, da diese Maßnahmen mitunter durch gewisse Belastungen für den Träger (z. B. hoher Atemwegswiderstand, Gewicht, Hautreizung, Sichtbehinderung, schlechte Verständigungsmöglichkeiten etc.) nicht benutzt oder verändert werden (Ulmer 1976).

 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Buchter A (1986) Perspektiven der Arbeitsmedizin zwischen Klinik, Technik und Umwelt. Festvortrag der Universität des Saarlandes. Westfälische Verlagsdruckerei 8
  2. Büttner J U (2004) Asbest in der Vormoderne – Vom Mythos zur Wissenschaft. Waxmann Verlag S 262
  3. Gerok W et al. (2007) Die Innere Medizin – Referenzwerk für den Facharzt. Schattauer Verlag S 434-
  4. Herold G et al. (2018) Innere Medizin. Herold Verlag S 395
  5. Hoffmeyer F et al. (2007) Pneumokoniosen. Pneumologie (61) Georg Thieme Verlag S 774-797
  6. Ickert F (1928) Staublunge und Staublungentuberkulose Springer Verlag 32
  7. Müller-Quernheim J et al. (2003) Interstitielle Lungenerkrankungen – Standards in Klinik, Diagnostik und Therapie. Thieme Verlag SS 141-148
  8. Thomas C et al. (1996) Spezielle Pathologie. Schattauer Verlag 109
  9. Ulmer W T et al. (1976) Pneumokoniosen. Springer Verlag SS 57-67
Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 05.03.2019