Argentinisch Hämorrhagisches Fieber

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Zuletzt aktualisiert am: 05.03.2020

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Synonym(e)

Junin virus infection; Juninvirus-infection; Juninvirus-Infektion; Junin Virus-Infektion; Latin American hemorrhagic fever

Definition

Das Argentinisch Hämorrhagisches Fieber (AHF) ist eine Infektion mit den Junin-Viren. Junin-Viren gehören zu der Familie der Arenaviridae und lösen wie andere Arenaviridae eine hämorrhagische Fiebererkrankung aus.

Vorkommen/Epidemiologie

Die Junin-, Machupo-, Guanarito- und Sabia-Viren gehören zur Familie der Arenaviren der neuen Welt und kommen in Südamerika vor. Diese Arenaviren sind Auslöser verschiedener  hämorrhagischer Fiebererkrankungen so:

das Argentinische hämorrhagische Fieber

das Bolivianische hämorrhagische Fieber

das Venezuelanische hämorrhagische Fieber

das Brasilianische Hämorrhagische Fieber

Allg:

Die Bezeichnung Arenavirus leitet sich von einer charakteristischen dunklen Granulierung (Lateinisch arenosus = sandartig) der Viren in elektronenmikroskopischen Darstellungen ab. Diese stellen sich als Ribosomen dar, die beim Aussprossen der Viren mit eingeschlossen werden.

Die Arenaviren bestehen aus einer Lipidhülle und sind pleomorph mit einem durchschnittlichen Durchmesser von 50-300nm. Sie beinhalten 2 RNA-Segmente, das L- du das S-Segment, welche die Information für Strukturproteine (Nucleocapsidprotein und Glycoproteine) und ein Enzym (virale Polymerase) enthalten. Im fertigen Virus lagert sich das Nucleocapsid schützend um die RNA. Die Glycoproteine G1 und G2 sind in der Lipidhülle verankert. Sie dienen zur Absorption und Freisetzung der L und S-Segmente in das Zytoplasma, sind somit für das Erkennen und Eindringen in die Wirtszelle essentiell. Die Vermehrung der Viren in der Zelle erfolgt über eine virale Polymerase.

Vorkommen/Epidemiologie

Das Junin-Virus wurde erstmals 1958 in der nördlichen Provinz um Buenos Aires isoliert. 1958 war das Endemiegebiet ca. 16'000 km2 gross. Inzwischen ist das Gebiet, in dem Junin-Viren vorkommen ca. 10-mal grösser und erstreckt sich vom Norden Buenos Aires zum Süden von Santa Fe bis Cordoba und dem Nordosten der Provinz La Pampa.

Das Junin-Virus wird hauptsächlich durch wildlebende, kleine Nagetiere (Calomys musculinus und Calomys laucha) und in seltenen Fällen durch die Hausmaus übertragen. Die Tiere bewohnen  Korn-, Mais- oder Sonnenblumenfelder und infizieren Feldarbeiter über kontaminierten Staub und Getreideprodukte oder Aerosole, die entstehen, wenn Nagetiere von Feldmaschinen erfasst und zerkleinert werden. In einer Periode von 30 Jahren wurden ca. 21'000 Fälle registriert, mit saisonalen Schwankungen und starken Unterschieden zwischen einzelnen Jahren.

Therapie

Die Infektionen mit den südamerikanischen hämorrhagischen Fieberviren werden hauptsächlich symptomatisch behandelt. Bei vielen Patienten ist eine leichte Sedierung (Beruhigung) und die Schmerzbehandlung mittels Opiaten sinnvoll. Blutungen sollten durch Transfusionen von Blutplättchen und Gerinnungsfaktoren therapiert werden.

Kontrolle des Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt, gfls. kontrollierter Ausgleich.

Das antivirale Medikament Ribavirin scheint zumindest bei Junin- und Machupo-Virus-Infektionen einen positiven Einfluss auf deren Ausgang zu haben.

Ein kommerzielles Immunglobulin zur Therapie von AHF existiert noch nicht. Ein Impfstoff für AHF basierend auf einem abgeschwächten Virus ist in der zweiten klinischen Versuchsphase.  Von Primaten wurde der Impfstoff gut vertragen und gewährleistete einen guten Schutz gegen eine experimentelle Infektion der Tiere. Erste Tests mit dem Impfstoff an Menschen in Risikogebieten weisen auf einen recht guten Schutz gegen die Infektion mit dem Junin-Virus hin. Es wird zurzeit evaluiert, ob der Impfstoff gegen das AHF auch einen Schutz gegen das sehr ähnliche Machupo-Virus gewährleistet (Zeitlin L et al. 2016; Zeitlin L et al. 2016).

Tierexperimentell konnten gute Erfolge mit dem Virustatikum Favipiravir erzielt werden (Gowen BB et al. 2017), sodass anzunehmen ist, dass dieses Medikament auch beim Menschen eingesetzt wird (s. hierzu unter Favipiravir).

Literatur
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  1. Gaudin R et al. (2015) Superinfection exclusion is absent during acute Junin virus infection of Vero and A549 cells. Sci Rep 5:15990.
  2. Gowen BB et al. (2017) Enhanced protection against experimental Junin virus infection through the use of a modified favipiravir loading dose strategy. Antiviral Res 145:131-135.
  3. Weissenbacher MC et al. (1975) Experimental biology and pathogenesis of Junin virus infection in animals and man. Bull World Health Organ 52(4-6):507-515.
  4. Zeitlin L et al. (2016) Monoclonal antibody therapy for Junin virus infection. Proc Natl Acad Sci U S A 113:4458-4463.

Weiterführende Artikel (1)

Favipiravir;

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