Otitis externa H60.91

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Zuletzt aktualisiert am: 02.03.2020

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Synonym(e)

Eczema of the auditory canal; Gehörgangsdermatitis; Gehörgangsekzem; Ohrdermatitis; Ohrekzem

Definition

Akute, subakute oder chronische Dermatitis von Gehörgang und Ohrmuschel.

Einteilung

Man unterscheidet nach Verlauf und Ursache:

Klinisches Bild

Rötung, Schwellung und oft auch Juckreiz im Bereich des äußeren Gehörganges. Bei Exazerbation plötzliches Nässen (Ohrlaufen), ggf. mit Druckempfindlichkeit oder spontanem Schmerz einhergehend. Wichtig ist die Abklärung der Ursache (Anamnese, Klinik, Abstrichuntersuchung).  

Differentialdiagnose

  • Akute (bakterielle) Otitis externa: Akute  bakterielle Infektion des äußeren Gehörganges.
  • Atopische Dermatitis des äußeren Ohres: atopische Diathese; FA, weitere Manifestationen der atopischen Dermatitis): Häufig besteht auch bei dieser Konstellation eine Superinfekttion mit Staphylococcus aureus, die über Exoproteine oder Superantigene eine dermatitische Reaktionen unterhalten oder provozieren können. 
  • Kontaktdermatitis des äußeren Ohres: Anamnese und Verlauf mit fraglichem Umgang mit einem Kontaktallergen (z.B. Haarfärbemittel, externe Arzneimittel, Aero-Allergene).
  • Seborrhoische Dermatitis mit Befall des äußeren Ohres: selten isolierter Befall des Ohres; eminent chronischer und rezidivierender Verlauf; Therapieresistenz; nach anderen Manifestationsorten der seborrhoischen Dermatitis forschen.
  • Psoriasis der Ohrmuschel: selten isolierter Befall des Ohres; meist eminent chronischer und rezidivierender Verlauf; Therapieresistenz; nach anderen Manifestationsorten der forschen. 
  • Akutes oder chronisches Erysipel: Haut gerötet, Ohrmuschel gescvhwollen, Schmerzhaftigkeit, Krankheitsgefühl und Lymphadenopathie bei akutem Erysipel. Labortechnisch: Entzündungsparameter reaktiv!
  • Mykose des äußeren Gehörganges: Anthrophile Erreger wie T. rubrum können eine gelegentlich wenig inflammatorische Otitis externa  verursachen. Cave: meist vorbehndelt mit einem Glcocorticoid. Vorherrrschend Juckreiz, manchmal Nässen. Hinweis: Übertragungsmodus durch Tinea manis möglich! Bei zoophilen Trichophyten-species wie T. mentgrophytes und M. canis finden sich im Schmusetierbereich (Tier als Infektionsquelle abfragen! Kann völlig asympotmatisch erkrnakt sein!), die typischen randelevierten, zentral abgeblassten Plaques.  
  • Impetigo contagiosa: bei der durch Gruppe-A-Streptokokken (GAS) ausgelösten Impetigo (v.a. bei Kleinkindern) sollte der kulturelle Nachweis des Erregers erfolgen. Klinisch meist nässende, juckende Otitis, Gehörgang und Ohrmuschel. Pyodermie an Händen abklären! Weiterhin ist eine impetiginisierte Scabies der Hände abzuklären.
  • Ostiofollkulitis, Furunkel des äußeren Ohres: akute schmerzhafte, v..a. druckschmerzhafte Schwellung des äußeren Ohres.
  • Rosacea papulo-pustulosa: seltene abortives Befallsmuster. Chronischer Verlauf! Meist als Teilmanifestation einer fazialen Rosacea papulo-pustulosa erkennbar.
  • Photoxische Otitis: meist akutes dermatisches Ereignis; phototoxische Dermatitis des Gesichts mit Befall der Ohrmuschel. Heliotropes Befallsmuster stets erkennbar. Anamnestisch wird ein Bezug auslösenden (photoxischen Arzneimitteln) und einer Lichtexposition nachvollziehbar sein. i
  • Polymorphe Lichtdermdatose: Auftreten einer akuten/subakuten/chronische titis externa nach stärkerer UV-Bestrahlung (v.a. UVA) der zuvor noch ungebräunten Haut (Frühling/Urlaub). Nach einer Latenz von Tagen juckende (heliotrope) Dermatitis (Gesicht +äußeres Ohr - es wäre ungewöhnlich wenn nur die Haut des äußeren Ohres betroffen wäre). Typisch sind wiederholende (jährliche) Ereignisse.

Therapie allgemein

Abklärung und Behandlung der Ursachen.

Externe Therapie

An erster Stelle steht die atraumatische Reinigung des Gehörganges, soweit es der Schwellungszustand zulässt. Anschließend desinfizierende Ohrentropfen auf alkoholischer Basis R059 . Diese fördern die Abschwellung und erreichen tiefere Gehörgangsbereiche. Einlage von Gaze-Streifen erleichtert die Applikation (alle 1-2 Std. mit wenigen Trp. befeuchten). Bei nässenden Formen Abtrocknung durch Wattetupfer mit antiseptischen Lösungen.

Wenn alkoholische Grundlagen an offenen Hautstellen zu schmerzhaft sind, ggf. desinfizierende bzw. antibiotische Externa in wässriger Lösung wie Kaliumpermanganat (hellrosa), R060 oder als Salben/Cremes wie 1% Oxytetracyclin (z.B. Oxytetracyclin-Augensalbe Jenapharm) oder 0,5% Oxytetracyclin/Polymyxin B (z.B. Terramycin Augensalbe).

Bei nichtinfektiösen Entzündungen ggf. kurzfristig Glukokortikoid-haltige Lösungen wie Betamethason (z.B. Diprosone Lösung) 2mal/Tag. In Ausnahmefällen Kombinationspräprate aus Antibiotikum und Glukokortikoid wie Betamethason/Gentamicin (z.B. Diprogenta Salbe/Creme). Therapie mit wässrigen desinfizierenden Lösungen und Gaze-Streifen wird 2 Wochen über Abheilung belassen, um Rezidivi vorzubeugen. 3-4mal tgl. befeuchten.

Cave! Vor der Behandlung Abklärung einer Trommelfellperforation!

Interne Therapie

S. hierzu Otitis externa (infectiosa)

Bei schwerer Lymphknotenschwellung oder gestörter Abwehr (z.B. Diabetes mellitus) ggf. systemische Antibiotika nach Antibiogramm.

Initial Breitbandantibiotika wie Dicloxacillin (z.B. InfectoStaph) 3-4mal/Tag 2 Kps. oder Ciprofloxacin (z.B. Ciprobay 2mal/Tag 100-200 mg).

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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