Synonym(e)
Erstbeschreiber/Historie
Die Gattung wurde 1889 von Henri Ernest Baillon erstmals beschrieben. Der Name „Malassezia“ bezieht sich auf Louis-Charles Malassez.
Definition
Schwer kultivierbarer lipophiler Hefepilz, der sich nur in einem mit Öl, Glycerin oder Glycerinmonostearat angereicherten Milieu entwickelt. Die Gattung Malassezia umfasst Arten, deren natürlicher Lebensraum die Haut von Menschen und anderen warmblütigen Tieren ist. Malassezia-Spezies wurden mit einer Vielzahl von dermatologischen und sogar systemischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Die Pityriasis versicolor ist neben der Malassezia-Follikulitis die einzige Hautkrankheit, bei der Malassezia eindeutig als ätiologisch ursächlich angesehen wird. Bei den anderen Dermatosen, wie z.B. der seborrhoischen Dermatitis, der atopischen Dermatitis und der Psoriasis können Malassezia eine pathogene Rollen spielen. Keinen Hinweis gibt es darauf, dass die Organismen in die Haut invadieren.
Auch interessant
Allgemeine Information
Malassezia-Allergene und Autoallergie: Besonders interessant ist die molekulare Ähnlichkeit einiger Malassezia-Proteine mit humanen Proteinen. Mala s 11: manganabhängige Superoxiddismutase; Kreuzreaktivität mit humaner MnSOD. Mala s 13: Thioredoxin; mögliche Kreuzreaktivität mit humanem Thioredoxin. Mala s 6: Cyclophilin; potenziell kreuzreaktive Proteinstruktur. Mala s 8, 9 und weitere IgE-bindende Proteine mit unterschiedlicher klinischer Relevanz. Aus einer primären Immunantwort gegen Malassezia kann sich somit eine Reaktion gegen homologe humane Proteine entwickeln (molekulare Mimikry/ Autoallergie). Mala-s-11-spezifische T-Zellen können sowohl auf das Pilzprotein als auch auf das homologe humane Protein reagieren.
Extrazelluläre Vesikel: M. sympodialis setzt extrazelluläre Vesikel (Nanobereich) – teilweise als „MalaEx“ bezeichnet – frei. Sie enthalten Allergene, Lipide, Enzyme, RNA und weitere immunaktive Moleküle. Die Vesikel können epidermale Barrieren leichter überwinden als vollständige Hefezellen und dendritische Zellen sowie Keratinozyten aktivieren. Sie stellen möglicherweise ein wichtiges Transportsystem für Malassezia-Allergene dar.
IL-31, IL-33 und Pruritus: Bei gleichzeitiger Exposition von Keratinozyten gegenüber M. furfur und IL-4 wurden erhöhte Konzentrationen von IL-31, IL-33 und VEGF gefunden. Damit könnte Malassezia nicht nur die Entzündung, sondern auch Juckreiz, Gefäßdilatation, persistierendes Erythem, Gewebeumbau verstärken. Endothelzellen exprimierten unter vergleichbaren Bedingungen vermehrt VEGFR, TGF-β, TNF-α und IL-1β. Chu et al. 2023
Malassezia und der Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor: Malassezia kann Tryptophan zu verschiedenen Indolderivaten metabolisieren. Einige dieser Metabolite sind Liganden des Aryl-Hydrocarbon-Rezeptors – AHR. Eine moderate AHR-Aktivierung kann: Differenzierung der Keratinozyten fördern, Filaggrin, Loricrin und Involucrin induzieren, Barrierefunktion stabilisieren, dendritische Zellreifung begrenzen, überschießende Entzündungsreaktionen dämpfen. Neuere experimentelle Daten zeigen daher eine protektive Seite von Malassezia: Malassezia-abgeleitete Indole können über AHR die Gewebehomöostase fördern. Der Effekt dürfte jedoch vom Metaboliten, seiner Konzentration, der Spezies, dem Barrierestatus und dem lokalen Zytokinmilieu abhängen. Malassezia ist also nicht grundsätzlich proinflammatorisch (Gushiken-Ibañez E et al. 2026).
Atopische Dermatitis (AD): Spezifisches IgE gegen Malassezia ist bei 49,1 % der Patienten mit AD positiv. Gleichzeitig weisen 58 % der Patienten mit HNAD (Atopische Hals und Nackendermatitis) gegenüber 42 % der Nicht-HNAD-Patienten höhere Werte an spezifischem IgE gegen Malassezia auf. Patienten mit Atopie waren zudem häufiger gegenüber Malassezia sensibilisiert (Brodská P et al. 2014).
Erreger
Malassezia-Hefen wurden mindestens in 15 Arten klassifiziert, von denen die nachfolgenden Arten aus menschlicher Haut isoliert wurden (Prohic A et al. 2016):
- Malassezia furfur
- Malassezia pachydermatis
- Malassezia sympodialis
- Malassezia slooffiae
- Malassezia globosa
- Malassezia obtusa
- Malassezia restricta
- Malassezia dermatis
- Malassezia yamatoensis.
Weitere Arten sind:
- Malassezia nana
- Malassezia japonica
- Malassezia caprae
- Malassezia cuniculi
- Malassezia arunalokei
- Malassezia equina
Malassezia tritt vorwiegend als Kommensale auf talgdrüsenreicher Haut auf. Aufgrund der unterschiedlichen Morphologie dieser Hefe wurden bis vor kurzem Pityrosporum ovale, Pityrosporum orbiculare und Malassezia als drei verschiedene Organismen angesehen.
Pityrosporum bezeichnet die myzelbildende Form von Malassezia furfur, früher als der Erreger der Pityriasis versicolor beschrieben. Inzwischen wurde in größeren Studien nachgewiesen, dass zu >90% Malassezia globosa ursächlicher Erreger der Pityriasis versicolor ist. Wie bei den Candida-Arten, lässt sich auch bei Malassezia-Spezies ein Übergang von der Hefephase zur myzelbildenden Phase beobachten.
- Krankheitsbilder, die durch Malassezia-Spezies verursacht werden:
- Krankheitsbilder, bei denen eine mitverursachende Rolle von Malassezia-Spezies vermutet wird:
- Seborrhoisches Ekzem
- Pityriasis capitis
- Atopisches Ekzem
- Head neck shoulder dermatitis (klinische Variante der atopischen Dermatitis, bei der vermutet wird, dass Malassezia-Spezies eine Rolle spielen).
Hinweis(e)
Das Genom von Malassezia globosa ist inzwischen entschlüsselt. Dieser Organismus ist außerordentlich effizient, bildet mehr als 50 Enzyme, darunter 14 Lipasen. Eine Fettsäuresynthetase fehlt, was den Hefepilz von einer Lipidquelle abhängig macht. Die lipophilen Hefen spalten die Triglyceride im Sebum in Glycerin und freie Fettsäuren. Die gesättigten Fettsäuren werden von Malassezia verstoffwechselt, während die ungesättigten in die tieferen Schichten der Haut penetrieren und dort eine Irritation hervorrufen. Die Folge ist eine vermehrte Zellproliferation mit makroskopisch sichtbaren Schuppen.
Malassezia furfur bildet Azelainsäure (AZA), eine Säure die den Pigmentierungsvorgang von Melanozyten behindert. AZA verringert signifikant die durch UV-B-Licht ausgelöste nukleare Translokation der p65-Untereinheit des NF-kB-Proteins (s.u. NF-kappaB-Protein; NF-kappaB1-Protein) und die Phosphorylierung der p38-Mitogen- und Stress-aktivierten Proteinkinase A. AZA induziert auch die Aktivität des Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptors γ (PPARγ - s.u.PPAR-Gen), der eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle von Entzündungen spielt.
LiteraturFür Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio
Kopernio- Cafarchia C et al. (2015) Azole susceptibility of Malassezia pachydermatis and Malassezia furfur and tentative epidemiological cut-off values. Med Mycol 53:743-748.
- Lin SY et al. (2019) The epidemiology of non-Candida yeast isolated from blood: The Asia Surveillance Study. Mycoses 62:112-120.
-
Prohic A det al.(2016) Malassezia species in healthy skin and in dermatological conditions.
Int J Dermatol 55:494-504.
Verweisende Artikel (12)
Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor; Atopische Head and Neck-Dermatitis; Azelainsäure; Hautflora, normale; Keratosis areolae mammae acquisita; Komedo; Malasseziafollikulitis; Malassezia furfur; Malassezia und atopische Dermatitis; Mykobiom kutanes; ... Alle anzeigenWeiterführende Artikel (8)
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